Grundstück schenken

Grundstück schenken

An Kinder und Schwiegerkinder


Bei der Erbschaft- und Schenkungssteuer beträgt der Freibetrag für Kinder immerhin 400.000 EUR und für Schwiegerkinder gerade mal 20.000 EUR. Wollen Eltern bei der Schenkung eines Hauses oder einer Eigentumswohnung auch die Schwiegertochter oder den Schwiegersohn bedenken, fällt somit immer Schenkungssteuer an. Aber gibt es nicht eine steuerlich günstigere Lösung?

Kettenschenkung?

Ja, die gibt es. Wenn die Eltern das Haus insgesamt zuerst auf den Sohn übertragen und dieser dann später die Hälfte auf seine Frau überträgt, bleibt der Vorgang frei von Schenkungssteuer. Denn unter Eheleuten beträgt der Freibetrag 500.000 EUR, und die Schenkung des selbstgenutzten Familienheims ist unter Eheleuten zu Lebzeiten vollkommen steuerfrei. Doch viele Finanzämter unterstellen in diesem Fall eine sog. Kettenschenkung und verlangen dann doch Schenkungssteuer. Hier wird angenommen, dass die Eltern jeweils eine Haushälfte auf den Sohn und – über einen Umweg – auch an die Schwiegertochter geschenkt haben.

Nicht verpflichtet

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass nicht von einer schenkungssteuerpflichtigen freigebigen Schenkung der Eltern an das Schwiegerkind auszugehen ist, wenn die Eltern ein Haus zunächst an den Sohn übertragen und dieser unmittelbar danach einen Miteigentumsanteil an seine Ehefrau weiterschenkt. Sofern das Kind nicht zur Weiterschenkung verpflichtet ist und die Eltern die Weitergabe des Miteigentumsanteils am Grundstück nicht veranlasst haben, handelt es sich nicht um eine sog. „Kettenschenkung“, sondern um zwei separate Schenkungen, für die die jeweiligen Freibeträge gelten (BFH-Urteil vom 30.11.2011, II B 60/11).

Der Fall:

Der Vater überträgt seinem Sohn einen Miteigentumsanteil an dem Grundstück A, verbunden mit dem Sondereigentum an der Wohnung Nr. 1 zum Alleineigentum. Der Vater stimmt der Veräußerung eines Hälfteanteils vom Sohn an dessen Ehefrau zu. Noch am selben Tag überträgt der Sohn als ehebezogene Zuwendung unentgeltlich die Hälfte seines Miteigentumsanteils an der Wohnung Nr. 1 auf seine Ehefrau.

Die Entscheidung:

Erfolgt eine Schenkung (der Eltern an die Schwiegertochter) über einen Dritten (Sohn), kommt es darauf an, ob der Dritte über eine eigene Entscheidungsmöglichkeit hinsichtlich der Verwendung des Schenkungsgegenstands verfügte. Schenkt der Dritte den ihm zugewendeten Gegenstand ohne Veranlassung des Schenkers und ohne rechtliche Verpflichtung freigebig einer anderen Person (Schwiegertochter = Ehefrau), liegt keine Schenkung der Eltern and die Schwiegertochter vor. Dies gilt auch dann, wenn die Eltern wissen oder damit einverstanden sind, dass der Sohn den zugewendeten Gegenstand unmittelbar im Anschluss an die Schenkung an seine Ehefrau weiterschenkt.

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