Grundstücksenteignung – ein privates Veräußerungsgeschäft?

Grundstücksenteignung – ein privates Veräußerungsgeschäft?

Wie werden Entschädigungen steuerlich behandelt?


Grundsätzlich gilt: Der Verkauf einer Immobilie nach zehn Jahren ist steuerfrei. Beträgt der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung jedoch weniger, liegt ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft vor.

Die Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften innerhalb der Spekulationsfrist bleiben nur dann steuerfrei, wenn der Gesamtgewinn weniger als 600 Euro im Jahr beträgt. Wird die Immobilie mit einem höheren Gewinn verkauft, muss dieser in voller Höhe mit dem individuellen Steuersatz versteuert werden.

Wie aber sieht es aus, wenn die Immobilie enteignet wurde – muss eine eventuelle Entschädigung versteuert werden?

Entschädigung ist steuerfrei

Nein, entschied das Finanzgericht Münster: Die Enteignung eines Grundstücks gegen den Willen des Eigentümers ist keine Veräußerung und somit kein privates Veräußerungsgeschäft. Folglich ist eine Entschädigung für die Enteignung auch innerhalb des Zehnjahreszeitraums nicht steuerpflichtig (Urteil vom 28.11.2018, Aktenzeichen 1 K 71/16 E).

Der entschiedene Fall

Der Kläger erwarb Eigentum an einem unbebauten Grundstück. Dieses sollte später aufgrund eines Sonderungsbescheides infolge eines Bodensonderungsverfahrens auf die Stadt übergehen. Als Entschädigung wurden dem Kläger 600.000 Euro zugesprochen.

Der Fiskus stufte diesen Vorgang als privates Veräußerungsgeschäft ein, da zwischen Erwerb und Enteignung weniger als zehn Jahre vergangen seien. Aus diesem Grund sei ein Veräußerungsgewinn von rund 175.000 Euro zu versteuern.

Zu Unrecht – entschied das FG Münster: Nach Auffassung der Finanzrichter ist die hoheitliche Übertragung des Eigentums an dem Grundstück auf die Stadt nicht als Veräußerungsgeschäft anzusehen.

Ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft setzt voraus, dass die Eigentumsübertragung auf eine wirtschaftliche Betätigung des Veräußernden zurückzuführen ist. Hierzu muss ein auf die Veräußerung gerichteter rechtsgeschäftlicher Wille des Veräußernden vorhanden sein. Ein solcher Wille aber fehlt, wenn ein Grundstück enteignet wird. Die Entschädigung ist daher steuerfrei.

1 comment

eigener Kommentar
  1. 1
    StB Bremer

    Wäre schön, wenn Sie etwas präziser schreiben:
    Beträgt der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung jedoch weniger, liegt ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft vor, soweit die Immobilie nicht selbstgenutzt wurde
    oder
    Beträgt der Zeitraum zwischen Anschaffung und Veräußerung einer nicht selbstgenutzten Immobilie jedoch weniger, liegt ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft vor

    Danke

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