GWG: Erhöhung der Sofortabschreibung auf 800 Euro

GWG: Erhöhung der Sofortabschreibung auf 800 Euro

Was Sie jetzt beachten sollten


Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sind abnutzbare bewegliche Güter des Anlagevermögens. Sie müssen selbstständig nutzungsfähig sein. Zudem dürfen deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten eine bestimmte Grenze nicht übersteigen. Seit 2010 gilt bei den Gewinneinkunftsarten (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, aus selbstständiger Arbeit, aus Land- und Forstwirtschaft) folgende Regelung:

Wirtschaftsgüter bis 150 Euro

Bei einem GWG mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis 150 Euro (ohne Umsatzsteuer) haben Sie die Wahl: Die Kosten können Sie entweder

  • sofort in voller Höhe als Betriebsausgaben absetzen oder
  • oder über die Nutzungsdauer abschreiben.

Eine besondere Aufzeichnungspflicht, z.B. in einem Anlagenverzeichnis, besteht nicht.

Wirtschaftsgüter von 150 Euro bis 410 Euro

Bei einem GWG von 150 Euro bis 410 Euro (ohne Umsatzsteuer) haben Sie auch wieder die Wahl: Die Kosten können Sie entweder

  • sofort in voller Höhe als Betriebsausgaben absetzen oder
  • oder über die Nutzungsdauer abschreiben.

Wichtig: Bei Abschreibung müssen Sie das GWG in einem besonderen Anlagenverzeichnis aufführen.

Wirtschaftsgüter über 410 Euro müssen nach den allgemeinen Regeln abgeschrieben werden. Absetzbar ist dann jedes Jahr die so genannte „Absetzung für Abnutzung“ (AfA). Allerdings gibt es dann noch die Möglichkeit, einen Sammelposten zu bilden und diesen über fünf Jahre linear aufzulösen.

Wirtschaftsgüter von 150 Euro bis 1.000 Euro

Für GWG mit Anschaffungs- oder Herstellungskosten von 150 Euro bis 1.000 Euro (ohne Umsatzsteuer) kann ein Sammelposten gebildet werden. Dieser muss über fünf Jahre mit jeweils 20 Prozent gewinnmindernd aufgelöst werden.

Abgesehen von der buchmäßigen Erfassung des Zugangs im Sammelposten bestehen keine weiteren Dokumentationspflichten. Sie brauchen also kein Bestandsverzeichnis zu führen.

Ab 2018: Grenze auf 800 Euro angehoben

Nun wird – völlig sachfremd und so nicht erwartet – nach nunmehr über 50 Jahren endlich die Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter von 410 Euro auf 800 Euro angehoben. Bei Anschaffungs- oder Herstellungskosten bis zu diesem Betrag (ohne Umsatzsteuer) können die Kosten in voller Höhe sofort als Betriebsausgaben abgesetzt werden.

Dies gilt für Wirtschaftsgüter, die ab dem 01.01.2018 angeschafft, hergestellt oder ins Betriebsvermögen eingelegt werden. Davon profitieren Unternehmer, die kleine Anschaffungen direkt im Jahr des Erwerbs als Betriebsausgabe absetzen können. Diese Änderung ist ein echter Beitrag zur Bürokratieentlastung. Der Bundestag hat dies Ende am 27.04.2017 mit dem „Gesetz gegen schädliche Steuerpraktiken im Zusammenhang mit Rechteüberlassungen“ verabschiedet.

Hinweis

 Was gilt bei Überschusseinkunftsarten?

Auch bei den Überschusseinkunftsarten (nichtselbstständige Arbeit, Vermietung und Verpachtung, sonstige Einkünfte) haben Sie wieder die Wahl.

Bei einem GWG bis 410 Euro (ohne Umsatzsteuer) können Sie dies

  • sofort in voller Höhe als Werbungskosten absetzen oder
  • oder über die Nutzungsdauer abschreiben.

Auch hier gilt für Anschaffungen ab 2018 die neue Grenze von 800 Euro.

Sammelposten 250 Euro ab 2018

Wie bisher haben Sie auch weiterhin die Möglichkeit, einen Sammelposten zu bilden. Hierzu wird ab 2018 die untere Grenze von 150 Euro auf 250 Euro angehoben.

Aufzeichnungspflichten

Geringwertige Wirtschaftsgüter über 150 Euro müssen Sie im Falle der Sofortabschreibung im Anlageverzeichnis aufführen. Darin müssen sowohl Tag der Anschaffung, Herstellung oder Einlage ersichtlich sein sowie die Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Das Verzeichnis ist nur dann nicht erforderlich, wenn diese Angaben aus der Buchführung ersichtlich sind.

Ab 2018 Grenze bei 250 Euro

Nun wird – damit alles möglichst unübersichtlich und verworren bleibt – mit einem anderen Gesetz(!), nämlich mit dem „Zweiten Bürokratieentlastungsgesetz“, die Grenze für die Aufzeichnungspflicht von 150 Euro auf 250 Euro heraufgesetzt. Dies gilt für Wirtschaftsgüter, die ab dem 01.01.2018 angeschafft, hergestellt oder ins Betriebsvermögen eingelegt werden. Das bedeutet: Wirtschaftsgüter bis 250 Euro müssen ab 2018 nicht mehr in einem Anlageverzeichnis aufgeführt werden.

1 comment

eigener Kommentar

+ Kommentar hinterlassen