Heileurythmische Behandlungen

Heileurythmische Behandlungen

Auch ohne ärztliches Attest absetzbar?


Die Heileurythmie gehört zu den Therapiemethoden der Anthroposophischen Medizin. Sie ist eine Erweiterung der Schulmedizin, die neben der naturwissenschaftlichen Betrachtung die seelisch-geistige Ebene des Menschen in die Behandlung mit einbezieht.

Die Heileurythmie findet Anwendung bei allen akuten, chronischen oder degenerativen Erkrankungen des Nervensystems, des Herz-Kreislaufsystems, des Stoffwechselsystems und des Bewegungsapparates.

Außergewöhnliche Belastungen

Aufwendungen für heileurythmische Behandlungen sind als außergewöhnliche Belastungen gemäß § 33 EStG unter Anrechnung einer zumutbaren Belastung absetzbar. Strittig ist die Frage, ob zum Nachweis der medizinischen Notwendigkeit ein amtsärztliches Attest bzw. eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen vorgelegt werden muss, oder ob die Verordnung des Hausarztes ausreichend ist.

Wissenschaftlich anerkannte Behandlungsmethode?

Ein solches amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen ist vorzulegen bei wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlungsmethoden, wie z. B. Frisch- und Trockenzellenbehandlungen, Sauerstoff-, Chelat- und Eigenbluttherapie.  Aber gehören heileurythmische Behandlungen wirklich zu den „wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlungsmethoden“?

Ohne Attest abzugsfähig

Nun hat das Finanzgericht Schleswig-Holstein entschieden, dass Aufwendungen für heileurythmische Behandlungen als außergewöhnliche Belastungen auch dann absetzbar sind, wenn ein amtsärztliches Attest nicht vorgelegt wird. Denn hierbei handelt es sich nicht um eine „wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethode“, weil die Anthroposophie neben der Homöopathie im Recht der gesetzlichen Krankenversicherungen als besondere Therapierichtung anerkannt ist (Urteil des Finanzgerichtes Schleswig-Holstein, Aktenzeichen 5 K 71/11,Revision VI R 27/13).

Die Richter unterscheiden zwischen wissenschaftlich nicht anerkannten Behandlungsmethoden und wissenschaftlich umstrittenen Behandlungsmethoden. Nur im ersten Fall wird der strenge amtliche Nachweis mittels amtsärztlichem Attest gefordert. Hingegen genügt im zweiten Fall eine ärztliche Verordnung durch den Hausarzt oder Facharzt. Die heileurythmische Behandlung sei keine „wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethode“, weil sie eine anthroposophische Behandlungsmethode ist und diese im Recht der gesetzlichen Krankenversicherungen neben der Homöopathie anerkannt ist.

 

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar