Helferdoku „Zuhause im Glück“

Helferdoku „Zuhause im Glück“

Teilnehmer muss Steuern nachzahlen


Aus Bruchbude wird Traumdomizil – in der Helferdoku „Zuhause im Glück“ renovieren Profis heruntergekommene Häuser für die Besitzer kostenlos. Wirklich kostenlos? Längst hat das Finanzamt hier ein Wörtchen mitzureden, leider mit teuren Folgen für die Kandidaten. Nun gab hierzu erstmals eine gerichtliche Entscheidung: Das Finanzamt bekam in Teilen Recht.

Helferdoku im Visier des Finanzamtes

Das Dach tropft, die Heizung ist veraltet und das Bad muss behindertengerecht umgebaut werden – kein Problem für das tatkräftige Team aus Architekten und Handwerkern von der Renovierungs-Show „Zuhause im Glück“. Binnen kurzer Zeit verwandeln sie das renovierungsbedürftige Gebäude in ein heimeliges Zuhause. Die zumeist sozial benachteiligten oder vom Schicksal gebeutelten Familien müssen dafür nichts bezahlen.

Durch längst überfällige und kostspielige Renovierungen an den oftmals baufälligen Häusern sollen die Familien zumindest finanziell ein wenig entspannter in die Zukunft blicken können. So der Plan der Macher der Sendung. Doch nach dem Haus-Make-Over klopft auch das Finanzamt an die frisch gestrichene Tür.

Renovierung gratis – wo gibt’s denn sowas?

Bereits in der Vergangenheit erhielten die Teilnehmer der Doku-Reality-Shows Post unangenehme Post vom Finanzamt, in der ihnen mitgeteilt wurde, dass die Renovierungsarbeiten steuerpflichtiges Einkommen seien – wir berichteten.

Dass das nicht nur Show ist, hat nun einer der Kandidaten von „Zuhause im Glück“ erfahren müssen. Er zog nämlich gegen den Bescheid vor Gericht und kassierte leider eine Niederlage. Denn das Finanzgericht Köln entschied mit dem Urteil vom 28.02.2019, dass der Kläger die bei ihm durchgeführten Renovierungsarbeiten als geldwerten Vorteil versteuern muss (Az.: 1 V 2304/18).

Kandidat legt sich mit dem Finanzamt an

Der Kläger ließ sein Haus von dem Team der Doku-Reality-Show „Zuhause im Glück“ auf Vordermann bringen. Der gesamte Renovierungshergang wurde aufgezeichnet und der Kandidat verpflichtete sich zu Interviews und zur Kamerabegleitung. Die Produktionsgesellschaft erhielt zudem die Verwendungs- und Verwertungsrechte an den Filmaufnahmen.

Geld gab’s für den Kandidaten zwar keines, dafür musste er die Renovierungskosten nicht bezahlen. Das Finanzamt besteuerte 65 Prozent der angefallenen Kosten als zusätzliches Einkommen.

FG Köln: Vorerst nur 20 Prozent nachzahlen

Das Finanzgericht Köln gab dem Finanzamt dem Grunde nach Recht, denn der Teilnehmer erbringt gegenüber der Produktionsgesellschaft unterschiedliche Leistungen, die als sonstige Leistungen versteuert werden müssen.

Die Vollziehung der Steuer sei aber überwiegend auszusetzen: Denn das Finanzamt hat nicht klar zwischen den Kosten der Renovierung und den allgemeinen Produktionskosten der Sendung differenziert. Nur die reinen Renovierungsleistungen sind steuerpflichtig. Der Kläger muss daher vorerst rund 20 Prozent der geforderten Summe nachzahlen.

Das Finanzamt hingegen hat nun die Möglichkeit, seinen Bescheid nachzubessern. Wenn das Amt ausreichend Belege erbringe, müsse der Show-Teilnehmer später gegebenenfalls die gesamte Summe nachzahlen.

Renovierungsshow abgesetzt

Inzwischen sind einige Shows von den TV-Bildschirmen verschwunden. Im Jahr 2013 fiel für „Einsatz in vier Wänden“ die letzte Klappe. Und zuletzt hieß es auch „Adieu“ für die beiden Dokus „Zuhause im Glück“ und die „Die Bauretter“.

4 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    A.H.

    War doch klar! Selbst wenn man etwas „verschenkt“ muss man Steuern zahlen! Pure Abzocke eines Totalitären Regimes! Nichts anderes ist das! Das grenzt schon an Perversität! Hauptsache die Pensionen steigen unentgeltlich, denn da zahlt KEINER ein, und natürlich die Diäten ebenfalls!

  2. 2
    Sascha Koch

    Aber wenn es um die großen internationalen Konzerne geht, die ihre Gewinne in die Steueroasen umleiten, ganz legal, da wird der Finanzminister Scholz (SPD) plötzlich in der EU zum Hemmschuh und verhindert die Gesetzgebung. Ganz Toll SPD, so wird es was werden mit dem nächsten Kanzler (Herr Scholz hat hier von realen Chancen geredet)!

  3. 3
    Steffen D.

    Schade, daß man augenscheinlich Benachteiligten, das kleine Glück nicht gönnt. Ich habe oft mitgeweint, wenn man das „Elend“ vorher, nebst der nicht sonderlich schönen Geschichte, sah und hörte.
    Ja, rechtlich hat das Finanzamt sicher Recht. Aber ist das auch menschlich ?
    Ich sage nein, und begründe, wie folgt:
    Es gehört sich nicht, private Informationen, dienstlich zu verwenden.
    Es ist hochgradig unfair, selbst hohe Tantiemen einzukassieren, und anderen nichts zu gönnen.
    Wer macht eigentlich die Gesetze und Vorschriften, auf die man sich ja dann immer beruft.
    Mir kommt es so vor, als regierten hier immer noch „kleine Könige“.

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    Hier kann man aber nicht dem Finanzamt die Schuld geben. Es ist doch schon von Anfang an fraglich gewesen, wie diese Einnahmen steuerlich bei den Hauseigentümern zu sehen sind. Hier sehe ich eine klare Verantwortung bei der Produktionsfirma. Entweder sie hätten von Anfang an über steuerliche Einnahmen aufklären müssen oder aus meiner Sicht wäre es ehrlicher und fairer gewesen, dass sie die Steuerzahlungen hätten übernehmen müssen. Es ist doch von Anfang an klar, dass diese Eigentümer diese Zahlungen nicht ohne Weiteres leisten können.

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