Herrenabend: Keine Betriebsausgaben

Herrenabend: Keine Betriebsausgaben

Vorsicht bei großen Firmenfeiern


Einmal im Jahr lud eine Rechtsanwaltskanzlei zum großen Herrenabend ein. Die Ausgaben setzte die Kanzlei in der Steuer als Betriebsausgaben an – zu Unrecht, urteilte nun das Finanzgericht Düsseldorf.

Herren unter sich

Ein gepflegter Herrenabend – allein unter Männern, versteht sich. Rund 350 Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung, Vereinen, Mandantschaft und Geschäftsfreundeskreis. Eine Feier mit Dinner und Bühnenprogramm. Eine geschlossene Veranstaltung auf einem Privatgrundstück. Dies war den Düsseldorfer Richtern zu viel des Guten: Sie strichen die insgesamt über 65.000 Euro für die letzten drei Feierlichkeiten einer Kanzlei aus den Steuererklärungen (Aktenzeichen 10 K 2346/11 F).

Kontaktpflege im Vordergrund?

Die Rechtsanwaltskanzlei hatte die gesamten Kosten der letzten Herrenabende als Betriebsausgaben geltend gemacht. Die Veranstaltungen samt Bewirtung seien ausschließlich betrieblich veranlasst: zur Pflege geschäftlicher Kontakte. Die eingeladenen Herren waren ehemalige oder zukünftige Mandanten – und damit bestehe ein enger tatsächlicher und wirtschaftlicher Zusammenhang mit der Kanzlei an sich.

Bei einer Betriebsprüfung jedoch zweifelten die zuständigen Prüfer den Ansatz der Ausgaben an. Die Aufwendungen seien sowohl privat als auch betrieblich veranlasst – und daher ein Abzug als Betriebsausgaben nicht möglich. Der Fall landete schließlich vor dem Finanzgericht Düsseldorf.

Privat oder betrieblich?

Die Richter jedoch widersprachen den Betriebsprüfern: Zwischen der Tätigkeit der Kanzlei und den Feierlichkeiten bestehe ein wirtschaftlicher Zusammenhang. Und aus diesem Grunde seien die Kosten anzuerkennen. Versagt wurde der Kostenabzug dennoch: Denn laut Gesetz sind Ausgaben für Jagd und Fischerei, Segel- und Motoryachten und ähnliche Zwecke steuerlich nicht abzugsfähig. Der Gesetzgeber sieht Veranstaltungen wie Herrenabende als unnötige Repräsentation an – und solche seien nicht auf dem Rücken aller Steuerzahler zu finanzieren.

Ohne Damenbesuch

Doch warum luden die Männer keine Personen des anderen Geschlechts zu den Feierlichkeiten ein? Begründung der Kanzlei: In Führungsebenen seien nach wie vor ausschließlich Männer tätig. Und schließlich waren ja Frauen bei den Vorbereitungen zu den Festlichkeiten behilflich. Doch der Trost für die Frauenwelt folgte prompt: Die Partner wüssten es nämlich durchaus zu schätzen, wenn sie gemeinsam mit Damen feiern würden – z.B. bei Karnevalsfeiern. Unser Tipp für die nächste Feier: Diese besser nicht als „Herrenabend“ deklarieren – dann klappts vielleicht auch mit der Betriebsprüferin.

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