Kalte Progression bleibt

Kalte Progression bleibt

Jahressteuergesetz 2013 gescheitert


Wie bitte? Sie freuen sich nicht über Ihre Gehaltserhöhung? Mehr Brutto auf dem Gehaltszettel bedeutet doch mehr Bares im Portemonnaie. Oder etwa nicht…?

Leider nein, denn gegen mehr Netto vom Brutto wirkt in vielen Fällen die so genannte „kalte Progression“. Schuld daran ist die Berechnungsformel der Einkommensteuer durch ansteigende Einkommensstufen. Folge: Wächst das Gehalt nur in Höhe der Inflationsrate, rutscht man nach oben auf eine höhere Besteuerungsstufe – und muss dann mehr Steuern beim Fiskus abliefern.

Grundfreibetrag steigt – Tarif bleibt

Eigentlich sollte Ende letzten Jahres etwas gegen diese Reallohn-Einbuße getan werden: Erster Schritt war die Anhebung des Grundfreibetrages. Zweiter Schritt die Anpassung des Steuertarifes zur Vermeidung der kalten Progression.

  • Schritt eins wird bald durch den Bundesrat in Kraft gesetzt: Rückwirkend ab Januar 2013 wird der Grundfreibetrag von 8.004 Euro auf 8.130 Euro steigen. Ab 2014 folgt eine weitere Erhöhung auf 8.354 Euro.
  • Schritt zwei ist vorerst gescheitert: Der Tarif bleibt so wie er ist, eine Änderung haben die von SPD und Bündnis 90 / Die Grünen geführten Bundesländer im Bundesrat bzw. Vermittlungsausschuss blockiert.

Kleinverdiener am stärksten betroffen

Da jetzt jedoch nur der Grundfreibetrag erhöht wird, tritt das Gegenteil des ursprünglichen Vorhabens ein: Die kalte Progression verstärkt sich. Immer mehr Lohnempfänger rutschen in höhere Steuertarife und haben die Mehrbelastung zu tragen. Da gerade im Anfangsbereich der Steuerpflicht die Steuersätze extrem steil ansteigen, sind die Leidtragenden vor allem Kleinverdiener und die Mittelschicht.

Vorerst keine Abschaffung

Diese zusätzliche Steuerbelastung wollten FDP und CDU mit einem Gesetz zum Abbau der kalten Progression verhindern. Die Opposition lehnte aber die Entlastung wegen zu hoher Steuerausfälle für Länder und Kommunen ab. Nun verdient weiter der Staat an den Lohnerhöhungen seiner Bürger. Eine Anpassung des Steuertarifes vor der Bundestagswahl gilt als ausgeschlossen.

Das Thema wird uns aber begleiten: Der Bundestag hat entschieden, dass künftig alle zwei Jahre ein Bericht zu den Auswirkungen der kalten Progression erstellt wird. So soll regelmäßig überprüft werden, wie sich die kalte Progression auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auswirkt.

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