Kapitalanlagen im EU-Ausland

Kapitalanlagen im EU-Ausland

Umfassende Kontrollmitteilungen


Ausländische Zinserträge sind grundsätzlich in dem Staat zu versteuern, in dem der Anleger wohnt. Damit diese auch in der Steuererklärung angegeben werden, versenden seit Juli 2005 die Zahlstellen im EU-Ausland Kontrollmitteilungen an die heimischen Finanzbehörden.

Bankgeheimnis

Nur zwei EU-Mitgliedsländer (nämlich Luxemburg und Österreich) bewahren ihr Bankgeheimnis und behalten stattdessen eine Zinssteuer von derzeit 35 Prozent ein.

So auch die Drittstaaten Schweiz, Liechtenstein, Monaco, Andorra und San Marino. Grundlage hierfür ist die EU-Zinsrichtlinie 2003/48/EG.

Nur Zinserträge werden bisher mitgeteilt

Von den Kontrollmitteilungen bzw. von der EU-Zinssteuer betroffen sind grundsätzlich nur Zinserträge. Nicht erfasst werden:

  • Dividenden und Kursgewinne aus Aktien
  • Erträge aus
    • Lebensversicherungen
    • Zertifikaten
    • Optionsscheinen
    • Termingeschäften
    • Aktienfonds
    • Hedgefonds
    • Immobilienfonds
    • Terminmarktfonds

Neue EU-Zinsrichtlinie soll Besteuerungslücken schließen

Anfang des Jahres wurde die neue EU-Zinsrichtlinie 2014/48/EU verabschiedet. Ihr Ziel ist es, „Besteuerungslücken zu schließen und Steuerflucht und -hinterziehung besser zu verhindern“, so die EU-Kommission. Die Richtlinie muss bis Anfang 2016 in nationales Recht der EU-Mitgliedstaaten umgesetzt sein. Anzuwenden sind die neuen Regeln dann ab 2017.

Welche Änderungen gibt es?

Um die Lücken in der bestehenden Zinsbesteuerungsrichtlinie zu schließen, gibt es folgende Änderungen:

Mehr Kapitalerträge werden erfasst

Die neue Richtlinie erfasst mehr Kapitalerträge: Künftig werden nicht mehr bloß Zinserträge dem heimischen Fiskus gemeldet, sondern auch andere zinsähnliche Erträge.

Dies betrifft insbesondere Erträge aus herkömmlichen Lebensversicherungen sowie aus fondsgebundenen Lebensversicherungen mit einem Rentenanteil über 25 Prozent (ab 2016), sofern die Verträge nach dem 01.07.2014 abgeschlossen wurden.

Erfasst werden ferner Zinsen aus sämtlichen Arten von Investmentfonds, unabhängig von Sitz (EU und Drittland), Rechtsform oder Veranlagungsvorschriften, sowie Erträge aus neuartigen Finanzkonstrukten.

Mehr private Daten werden gemeldet

Die Feststellung der Kundenidentität wird verbessert: Hierzu müssen die Zahlstellen künftig zusätzlich Geburtsdatum, Geburtsort und Steuer-Identifikationsnummer beim Kunden abfragen und den Finanzbehörden melden.

Zudem sollen Auskünfte zu gemeinsamen Konten bzw. zu gemeinsam gehaltenem wirtschaftlichen Eigentum qualitativ verbessert werden.

Keine Umgehung der Richtlinie möglich

Die Umgehung der Richtlinie soll verhindert werden: Falls bei Kapitalanlagen Einrichtungen oder Rechtsvereinbarungen zwischengeschaltet sind, müssen deren Identitäten besser erfasst werden.

So soll die Umgehung der Richtlinie durch Einschaltung juristischer Personen (z. B. einer Stiftung) oder Einrichtungen (z. B. eines Fonds) in Nicht-EU-Ländern, verhindert werden.

Achtung

Auch Österreich und Luxemburg haben sich bereit erklärt, schon ab 2015 von der anonymen Zinssteuer abzukehren und wie alle anderen EU-Staaten Kontrollmitteilungen zu versenden.

Die EU-Kommission ist bestrebt, die Nicht-EU-Staaten Schweiz, Andorra, Liechtenstein, Monaco und San Marino in die Kontrollmitteilungen einzubeziehen.

Bis Ende Februar gab es bereits zwei Verhandlungsrunden, in denen alle fünf Staaten grundsätzlich signalisiert haben, die bestehenden Abkommen mit der EU um einen automatischen Informationsaustausch zu ergänzen.

Automatischer Informationsaustausch

Noch weiter als die Kontrollmitteilungen nach der neuen EU-Zinsrichtlinie geht der automatische Informationsaustausch nach neuem OECD-Standard, der am 21.07.2014 veröffentlicht wurde.

Nach neuem Standard sollen jährlich Informationen über Finanzkonten ausgetauscht werden, und zwar über alle Arten von Kapitaleinkommen und Kontoständen, also auch über Beteiligungs- und Veräußerungserträge.

Im März 2014 haben sich bereits 44 Staaten und Gebiete zu diesem weitreichenden Informationsaustausch bereit erklärt, darunter auch Liechtenstein sowie die britischen Inseln Man, Guernsey und Jersey, ferner Anguilla, Bermuda, Britische Jungferninseln, Cayman Islands, Gibraltar, Montserrat, Turks and Caicos.

Der Zeitplan sieht vor, dass die neuartigen Kontrollmitteilungen im Jahre 2017 versandt werden und dabei Konten erfassen, die Ende 2015 bestehen (BMF-PM vom 19.03.2014).

Die Datenmenge wächst und wächst

Und es kommt noch krasser: Schon ab 2015 werden aufgrund der EU-Amtshilferichtlinie 2011/16/EU, die mit dem „Amtshilferichtlinie-Umsetzungsgesetz“  2013 in deutsches Recht umgesetzt wurde, fünf weitere Kategorien von Einkommen in den automatischen Informationsaustausch einbezogen:

  • Vergütungen aus unselbstständiger Arbeit
  • Aufsichts- oder Verwaltungsratsvergütungen
  • Renten und Pensionen
  • Lebensversicherungsprodukte, die nicht durch die EU-Zinsrichtlinie erfasst werden
  • Eigentum an unbeweglichem Vermögen und Einkünfte daraus (z.B. Mieten).

Fazit: Der Fiskus weiß bald alles – auch von Ihren Aktivitäten im Ausland!

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