Kind besucht Jüngerschaftsschule

Kind besucht Jüngerschaftsschule

Erhalten die Eltern Kindergeld?


Eltern erhalten bis zur Volljährigkeit ihrer Sprösslinge Kindergeld. Ist das Kind zwischen 18 und 25, muss es sich in Ausbildung befinden. Doch was ist beim Besuch einer Jüngerschaftsschule? Zählt diese als Ausbildung?

Was genau ist eine Jüngerschaftsschule?

Die Jüngerschaftsschule ist ein sechsmonatiges Programm für Jugendliche zwischen 17 und 25 Jahren, das neben der Vermittlung von christlichen Glaubensinhalten und Werten den Jugendlichen Orientierung bei der Berufswahl und Lebensplanung geben sowie ihnen bei der Charakter- bzw. Persönlichkeitsentwicklung helfen möchte.

Inhaltlich setzt sich die Jüngerschaftsschule zum Ziel, den Jugendlichen in den Bereichen Jüngerschaft, Persönlichkeit und Beruf eine Orientierung zu geben.

Gilt der Besuch einer Jüngerschaftsschule als Berufsausbildung?

Und ist daraus ein Anspruch auf Kindergeld begründet? Leider nein. Das Finanzgericht Münster hat nun für den Besuch der Jüngerschaftsschule einen Anspruch auf Kindergeld verneint.

Es handelt sich nicht um eine Berufsausbildung, weil ein hinreichender Zusammenhang mit einem konkret angestrebten Beruf fehlt. Mangels Berufsausbildung scheidet auch ein Kindergeldanspruch in der Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten aus (Aktenzeichen 6 K 2896/15 Kg).

Begründung der Richter

Vielmehr dient das Programm als Lebens- und Persönlichkeitsschule für junge Christen, in der die Jugendlichen auf den Ebenen Jüngerschaft, Persönlichkeit und Vorstellung geistlicher Berufe Orientierung erhalten sollten. Dabei stehen in den einzelnen Abschnitten die Vermittlung biblischen Wissens, die Stärkung der Persönlichkeit der Teilnehmer und das Ausloten ihrer Begabungen im Vordergrund.

Zwar werden neben der Vermittlung von theoretischem Bibelwissen und aktiver Mitarbeit in verschiedenen Gemeinden und Institutionen geistliche Berufsbilder vorgestellt. Dies allein reicht jedoch nicht aus, um einen konkreten Bezug zu einer späteren Berufsausübung im geistlichen Bereich anzunehmen.

Doch es geht auch anders

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hatte im Jahre 2011 den Besuch der Jüngerschaftsschule als Berufsausbildung anerkannt. Doch jener Fall war anders gelagert: Das Kind hatte im Anschluss an das erste juristische Staatsexamen die Jüngerschaftsschule mit dem Ziel besucht, als Volljuristin in einem christlichen Werk oder als Diakonin zu arbeiten.

Bereits vor dem Besuch der Jüngerschaftsschule war es im Leitungsteam eines Jugend-Cafés tätig und hatte Aufnahmegespräche in den Mitarbeiterkreis der überkonfessionellen Initiative „Christ und Jurist“ durchgeführt. Auch für eine möglich spätere Anwaltstätigkeit versprach sich das Kind durch den Besuch der Jüngerschaftsschule Vorteile bei der Generierung von christlichen Mandanten (Aktenzeichen 11 K 1908/10).

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