Kinderfreibetrag

Mit den Kleinen ganz groß sparen


Familien werden in Deutschland mit dem Kindergeld unterstützt – das ist vermutlich jedem bekannt. Der Staat bietet jedoch noch eine weitere Form der Unterstützung: den Kinderfreibetrag. Was genau das ist, wie er sich vom Kindergeld unterscheidet und wie Sie den Kinderfreibetrag nutzen können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Wie funktioniert der Kinderfreibetrag?

Im Gegensatz zum Kindergeld wird der Kinderfreibetrag nicht ausgezahlt. Dabei handelt es sich eher um einen festen Betrag, der Ihre Steuer mindert. Der Kinderfreibetrag wird nämlich von Ihrem Jahreseinkommen abgezogen, sodass nur noch auf das niedrigere Einkommen Steuern anfallen.

Wie immer im Leben, kann man jedoch nicht alles haben. Es geht immer nur entweder das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten.[Sprungmarke]

Grundsätzlich steht jedem Elternteil die Hälfte des Freibetrags zu. In manchen Fällen, kann aber auch ein Elternteil den gesamten Freibetrag erhalten:

  • Verwitwete: Ab dem Sterbemonat des anderen Elternteils.
  • Beschränkte Steuerpflicht: Wenn der andere Elternteil nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist.
  • Unbekannter Wohnsitz: Wenn der Wohnsitz des anderen Elternteils nicht ermittelt werden kann.

Auch, wenn Eltern sich trennen, kann der gesamte Freibetrag auf einen Elternteil übertragen werden. Mehr dazu lesen Sie weiter unten. [Sprungmarke]

Wie hoch ist der Kinderfreibetrag?

Die folgende Tabelle zeigt die Höhe des Kinderfreibetrags der letzten Jahre. Die Höhe gilt pro Jahr und Kind. Bei einer getrennten Veranlagung steht jedem Elternteil die Hälfte zu.

Steuerjahrinsgesamtpro Elternteil
20164.608 Euro2.304 Euro
20174.710 Euro2.358 Euro
20184.788 Euro2.394 Euro
20194.980 Euro2.490 Euro
20205.172 Euro2.586 Euro
Für das Jahr 2021 soll der Kinderfreibetrag um weitere 576 Euro steigen. Damit würde der Freibetrag pro Kind und Jahr 5.748 Euro (also 2.874 Euro pro Elternteil) betragen.

Der BEA-Freibetrag

Neben dem Kinderfreibetrag erhalten Eltern auch den BEA-Freibetrag (Bildungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsfreibetrag). Wie der Name schon sagt, sollen damit Eltern bei der Betreuung und Ausbildung Ihrer Kinder unterstützt werden.

Der BEA-Freibetrag liegt seit 2010 unverändert bei 2.460 Euro pro Kind und Jahr. Bei einer Getrenntveranlagung erhält jeder Elternteil also 1.230 Euro.

Gesamthöhe der Freibeträge der Kinder

Der Kinderfreibetrag und BEA-Freibetrag bilden zusammen die Freibeträge für Kinder. Diese werden als Gesamtsumme in Ihrer Steuererklärung berücksichtigt. Insgesamt erhalten Sie also:

Steuerjahrinsgesamtpro Elternteil
20167.068 Euro3.534 Euro
20177.176 Euro3.588 Euro
20187.248 Euro3.624 Euro
20197.440 Euro3.720 Euro
20207.632 Euro3.816 Euro
20218.208 Euro4.104 Euro

Voraussetzungen für die Freibeträge der Kinder

Für die Kinderfreibeträge gelten dieselben Voraussetzungen, wie für das Kindergeld. Mit einem kleinen Unterschied: Während die Familienkasse das Kindergeld in der Regel nur für Kinder mit einem Wohnort im Inland oder der EU/ EWR zahlt, gewährt das Finanzamt die Freibeträge auch für Kinder mit einem ausländischen Wohnsitz. Je nachdem welches Land es ist, aber nur anteilig. Dabei werden die Länder in die Ländergruppen 1-4 geteilt. Eltern aus der Ländergruppe 1 erhalten die vollen Freibeträge für ihre Kinder, wohingegen für die Ländergruppe 4 lediglich ein Viertel der Gesamthöhe berücksichtigt wird. Mehr dazu erfahren Sie in unserer steuer:Hilfe.

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Automatische Günstigerprüfung: Freibeträge für Kinder oder Kindergeld?

Wie bereits erwähnt, kann man nicht sowohl die Freibeträge für Kinder als auch das Kindergeld nutzen. Sie haben jedoch das Recht darauf, das zu wählen was für Sie günstiger ist.

Doch was ist günstiger? Kindergeld oder Freibetrag? Darüber müssen Sie sich keine Gedanken machen, denn das übernimmt das Finanzamt für Sie. Das nennt man die Günstigerprüfung. Dafür brauchen Sie auch keinen Antrag zu stellen. Denn mit Abgabe Ihrer Steuererklärung vergleicht das Finanzamt für jedes Kind automatisch, ob der steuerliche Vorteil durch die Freibeträge für Kinder höher ist als das Kindergeld. Dabei sind die Freibeträge meist für Eltern vorteilhafter, die ein höheres Einkommen haben.

Damit das Finanzamt eine Günstigerprüfung durchführen kann, müssen Sie die Anlage Kind ausfüllen. Das Ergebnis der Prüfung können Sie in Ihrem Steuerbescheid sehen. Nutzen Sie WISO Steuer, wird Ihnen das günstigste Ergebnis bereits in der Berechnung angezeigt.

Hat die Prüfung ergeben, dass die Kinderfreibeträge für Sie günstiger sind, müssen Sie das Kindergeld zurückzahlen. Auch das erledigt das Finanzamt für Sie, indem das erhaltene Kindergeld im Steuerbescheid direkt hinzugerechnet wird.

Unser Tipp: Auch wenn Sie sicher sind, dass der Kinderfreibetrag für Sie günstiger ist: beantragen Sie trotzdem Kindergeld. Denn:

  • Das Kindergeld bekommen Sie sofort monatlich ausgezahlt und nicht erst dann, wenn Sie die Steuererklärung abgeben haben.
  • Das Finanzamt geht immer davon aus, dass alle Eltern Kindergeld erhalten. Das bedeutet: Auch wenn Sie keines beantragt haben, wird es bei der Günstigerprüfung trotzdem angesetzt.

Was passiert mit dem Kinderfreibetrag bei einer Scheidung?

Bei geschiedenen, dauernd getrennt lebenden und unverheirateten Eltern kann der gesamte Kinderfreibetrag auf einen Elternteil übertragen werden. Wichtig dabei ist, ob Sie bzw. Ihr Ex-Partner der Unterhaltspflicht nachkommen und in welchem Umfang die Betreuung erfolgt.

Verletzung der Unterhaltspflicht

Möchten Sie den vollen Kinderfreibetrag nutzen, müssen Sie Ihren Unterhaltspflichten nachkommen. Ist das Kind bei Ihnen gemeldet, erfüllen Sie Ihre Unterhaltspflichten in der Regel durch Pflege und Erziehung des Kindes. Erfüllt der andere Elternteil seine Unterhaltspflichten zu weniger als 75%, können Sie die Übertragung des Kinderfreibetrages beantragen.

Streitpunkt BEA-Freibetrag

Der Freibetrag für den Betreuungs- und Erziehungs- oder Ausbildungsbedarf, wird auf Antrag dem Elternteil gewährt, bei dem das Kind gemeldet ist. Will der andere Elternteil der Übertragung widersprechen, muss er zeigen, in welchem Umfang er sich an den Betreuungskosten des Kindes beteiligt hat.

Die Betreuungskosten beinhalten alle Aufwendungen für die Betreuung, Erziehung oder Ausbildung des Kindes bis zur Vollendung seines 18. Lebensjahres. Hierzu zählen beispielsweise Aufwendungen für die regelmäßige Unterbringung an Wochenenden.

Wesentliche Betreuung

Antrag stellen und Freibetrag nutzen? So einfach ist das leider nicht. Denn der andere Elternteil kann der Übertragung des Betreuungsfreibetrags auch widersprechen. Und zwar dann, wenn er das Kind in wesentlichem Umfang betreut. Eine wesentliche Betreuung ist bereits dann gegeben, wenn eine Vereinbarung über einen regelmäßigen Umgang an Wochenenden und in den Ferien besteht. Es handelt sich also nicht nur um gelegentliche Kontakte mit dem Kind. Im Gegenteil: Die Betreuung erfolgt nachhaltig, da immer wieder Kontakt zwischen dem Elternteil und dem Kind besteht.

Bei kurzzeitigem, anlassbezogenem Kontakt, beispielsweise zum Geburtstag, zu Weihnachten und zu Ostern, liegt eine Betreuung in nicht wesentlichem Umfang vor. Der andere Elternteil kann in diesem Fall der Übertragung des Betreuungsfreibetrages auch nicht widersprechen.

Wenn einer der Elternteile den Kinderfreibetrag für sich allein beantragt, wird der Betreuungsfreibetrag automatisch auch auf ihn übertragen. Umgekehrt bedeutet die Übertragung des Betreuungsfreibetrags nicht, dass einem auch der volle Kinderfreibetrag zusteht.

Das Finanzamt wägt bei Widersprüchen ab

Da von der Übertragung der Freibeträge beide Elternteile betroffen sind, sollten Sie im Idealfall übereinstimmende Erklärungen abgeben.

Doch auch den Finanzämtern ist klar, dass die Kommunikation zwischen getrennt lebenden Eltern schwierig sein kann. Daher reicht es aus, wenn Sie die Übertragung in Ihrer Steuererklärung beantragen. Ihr Finanzamt muss dann Kontakt zum Finanzamt des anderen Elternteils aufnehmen und die Erklärungen abgleichen. Liegen widersprüchliche Angaben vor, wendet sich das Finanzamt an Ihren Ex-Partner.

Die Entscheidung des Finanzamtes, ob der Kinderfreibetrag übertragen wird, erfolgt in keinem extra Schreiben. Das Ergebnis erhalten Sie mit Ihrem Steuerbescheids. Wenn Sie also die Übertragung des Kinder- oder Betreuungsfreibetrags beantragt haben und der Bescheid abweicht, lohnt sich ein Blick in die Erläuterungen Ihres Steuerbescheides.

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