Kindergeld in Ausbildung& Studium

Wann Sie Kindergeld bekommen


Das Kindergeld stockt gerne die klamme Kasse von Studenten und Azubis auf. Doch wann bekommt man es? Wir zeigen Ihnen, wann Sie Anspruch auf Kindergeld haben.

Volljährig oder nicht?

Unter 18 ist’s ganz einfach: Hier gibt’s Kindergeld ohne Wenn und Aber. Die Familienkasse zahlt dies auf Antrag an die Eltern – und meist leiten diese das an ihr Kind weiter.

Ab Volljährigkeit hängt das Kindergeld ganz von der Art der Ausbildung ab. Kindergeld in der Ausbildung gibt’s dann allerspätestens bis zum 25. Lebensjahr – also am 25. Geburtstag des Kindes ist in der Regel endgültig Schluss.

192 Euro pro Monat Kindergeld

Das Kindergeld beträgt in 2017 192 Euro pro Monat. Bei zwei größeren Geschwistern, steigt es auf 198 Euro, bei drei älteren Geschwister gar auf 223 Euro. Ab 2018 erhöhen sich die Beträge jeweils um zwei Euro.

Für das Kindergeld ist es grundsätzlich egal, ob das Kind parallel noch arbeiten geht, Bafög bekommt oder sonst Geld erhält. Das Kindergeld muss von den Eltern bei der Familienkasse beantragt werden. Ihnen wird das Geld dann auch überwiesen.

Ausbildung: Kein Problem bei Erstausbildung

Grundsätzlich erhält man Kindergeld, wenn man in Ausbildung ist – allerdings nur bei der ersten Ausbildung. Bei der Zweiten wird die Zahlung an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Und hier wird’s haarig: Denn was Erst- und was Zweitausbildung ist, das weiß das Finanzamt selbst nicht so genau. Nicht selten landen die Fälle daher vor Gericht.

Nebenjob: Bei Zweitausbildung max. 20 Stunden pro Woche

Solange Ihr Kind in der ersten Ausbildung oder Studium ist, kann es nebenher arbeiten. Kindergeld bekommen Sie immer. Kritisch wird es erst ab der zweiten Ausbildung. Denn dann darfst Ihr Kind neben Ausbildung oder Studium nicht mehr als 20 Stunden pro Woche arbeiten. Die gute Nachricht hier: FĂĽr Anstellungen und Praktika im Rahmen der Ausbildung/Studium gilt das natĂĽrlich nicht.

Kindergeld im Studium: Studieren mit Anwesenheit

Grundvoraussetzung: Das Kind muss studieren. Aber richtig! Es reicht nicht, dass Ihr Kind eingeschrieben ist und alle paar Wochen mal in einer Vorlesung sitzt. Hier ist der Staat hinterher: Neben der Immatrikulationsbescheinigung kann er auch Leistungsnachweise angefordert werden.

Kindergeld im dualen Studium?

Kindergeld nur bis zum betrieblichen Abschluss?

Die Familienkassen meinen, dass mit dem betrieblichen Berufsabschluss die erstmalige Berufsausbildung erreicht ist. Deshalb sei die weitergehende Ausbildung an der Hochschule als Zweitausbildung zu werten. Und wenn das Kind neben dem Studium mehr als 20 Wochenstunden im Betrieb arbeitet, entfalle der Anspruch auf Kindergeld.

Auch das Hessische Finanzgericht stößt ins gleiche Horn: Für die Zeit nach dem ersten Berufsabschluss bestehe kein Anspruch mehr auf Kindergeld, weil das Kind mit seiner Tätigkeit im Betrieb einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei (Aktenzeichen 8 K 807/12, Revision XI R 1/14).

Anspruch auf Kindergeld bis zum Abschluss

Nun hat das Finanzgericht Münster in einem vergleichbaren Fall gegen die Familienkasse entschieden: Für ein Kind, dass sich zwischen betrieblichem Berufsabschluss und Hochschulabschluss befindet, haben die Eltern auch weiterhin Anspruch auf Kindergeld oder steuerliche Freibeträge.

Zwar schließt das Kind mit dem Berufsabschluss seine erste Berufsausbildung ab, doch die Berufsausbildung läuft weiter. Auch im Rahmen einer Zweitausbildung gibt’s Kindergeld, wenn diese im Rahmen eines Ausbildungs-Dienstverhältnisses stattfindet. Und das ist im dualen Studium der Fall. Wie umfangreich die Tätigkeit während des Studiums im Betrieb ist, spielt keine Rolle (Aktenzeichen 4 K 635/14 Kg).

In einem anderen Fall hat das FG Münster sogar entschieden, dass das duale Studium insgesamt als Erstausbildung anzusehen ist. Denn diese Ausbildung sei erst abgeschlossen, wenn der angestrebte akademische Grad erreicht sei bzw. das Studium aus anderen Gründen abgeschlossen sei (Aktenzeichen 2 K 2949/12 Kg, Revision III R 52/13; ebenfalls FG Münster, Aktenzeichen 3 K 711/13 Kg).

Tipp: Sind Sie in vergleichbarer Lage, beantragen Sie Kindergeld für das Kind bis zum Abschluss des Studiums. Wehren Sie sich, wenn dies abgelehnt wird und legen Sie Einspruch ein. Verweisen Sie auf die Revisionsverfahren III R 52/13 und XI R 1/14 (Vorinstanz FG Hessen) und erklären sich mit einem Ruhenlassen einverstanden.

Kindergeld fĂĽr Master-Studenten?

Wer den Bachelor in der Tasche hat, kann bereits eine erste abgeschlossene Ausbildung nachweisen. Und hier liegt der Hund begraben: in wieweit baut der Master auf dem Bachelor auf? Ist der Master vielleicht doch Teil eines mehrstufigen Erststudiums – und somit den Kinderzuschlag trotz umfangreichem Minijob sicher? Momentan ist das noch nicht geklärt – und Abwarten angesagt.

Zweitstudium: Höchstens 20 Stunden in der Woche

Ein Zweitstudium zählt nicht automatisch als Zweitausbildung. Das bedeutet, Sie können trotzdem Kindergeld bekommen. Vorausgesetzt, Sie haben nicht länger als 20 Stunden die Woche gearbeitet und keine Einkünfte aus einer Angestelltentätigkeit, sind nicht selbstständig tätig und haben auch kein Gewerbe.

Achtung! Praktikum kann Kindergeld mindern

Wichtig für’s Kindergeld ist hier, dass das Praktikum im Zusammenhang mit der Berufsausbildung bzw. dem Studium steht. Wie zum Beispiel ein Pflichtpraktikum oder wenn es als Zugangsvoraussetzung oder Ergänzung empfohlen wird. Dann gibt es immer Kindergeld. Besteht kein Zusammenhang mit Ausbildung oder Studium, kommt es wieder auf Arbeitsstunden an. Bei weniger als 20 Wochenstunden Arbeit gibt es weiter den Kinderzuschlag.

FSJ/FĂ–J: Einsatz wird belohnt!

Während deines freiwilligen sozialen oder ökologischen Jahres bekommst du natürlich auch Kindergeld. Dein Engagement wird schließlich belohnt.

Kindergeld ohne Ausbildungsplatz?

Findet ein volljähriges Kind keinen Ausbildungsplatz, bekommen die Eltern unter folgenden Voraussetzungen Kindergeld:

  • Das Kind hat das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet
  • Das Kind muss sich um einen Ausbildungsplatz bemĂĽhen.
  • Die Ausbildung, die das Kind absolvieren möchte, ist fĂĽr das Kind auch möglich (Qualifikationen sind erfĂĽllt).

Welche Nachweise Sie bringen sollten

Hat Ihr Kind einen geringen Bildungsabschluss, sollten Sie der Familienkasse folgende Nachweise erbringen:

  • Ihr Kind sollte als ausbildungsplatzsuchend bei der Agentur fĂĽr Arbeit gemeldet sein.
  • FĂĽr den Nachweis des Ausbildungswillens sollte Ihr Kind mindestens fĂĽnf bis zehn Bewerbungen pro Monat nachweisen können.
  • Ablehnungsschreiben sollten Sie zum Nachweis aufheben.
  • Auch regelmäßige Fortbildungskurse empfehlen sich, um den Ausbildungswillen nachzuweisen.

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