Kleine Geschenke vom Chef

Kleine Geschenke vom Chef

Jetzt öfter und leichter steuerfrei


Barlohn vom Arbeitgeber – auch eine noch so kleine Prämie zu einem besonderen Anlass – ist immer als Arbeitslohn steuer- und sozialversicherungspflichtig. Sachlohn hingegen kann steuer- und sozialversicherungsfrei sein – und zwar bis zu einem Wert von 44 EUR pro Monat.

Solche Sachbezüge können Waren sein, die der Arbeitgeber den Mitarbeitern direkt gewährt, z.B. ein Buch, ein Weinpräsent. Das können aber auch Warengutscheine sein, die der Mitarbeiter anderswo einlösen kann.

„Für Benzin 44 Euro“

Aber ein Warengutschein stellt nur dann einen begünstigten Sachbezug dar, wenn auf dem Gutschein die Ware oder Dienstleistung konkret bezeichnet und kein Euro-Betrag angegeben ist. Bei einem Tankgutschein muss es beispielsweise heißen: „Gutschein über 35 Liter Benzin“ (bei einem Literpreis von 1,25 Euro). Schädlich wäre die Angabe: „Für Benzin 44 Euro“ oder „35 Liter Benzin, höchstens 44 Euro“. Dann nämlich muss die Gabe als Barlohn voll versteuert werden. Mit solch unverständlichen und überzogenen Anforderungen trägt der Fiskus dazu bei, dass unser Steuerrecht so verschwurbelt ist.

Geld oder Ware

Der Bundesfinanzhof hat sich in drei Urteilen zu diesem Thema Stellung genommen: Ob Barlohn oder Sachbezug vorliegt, entscheidet sich danach, was der Arbeitgeber dem Mitarbeiter zugesagt hat – Geld oder eine Ware. Dann spielt es keine Rolle, auf welche Art und Weise der Arbeitgeber den Anspruch erfüllt und seinem Mitarbeiter den zugesagten Vorteil verschafft. In Betracht kommen Hingabe eines Warengutscheins, Übergabe eines Geldgutscheins zum Erwerb von – konkreten oder beliebigen – Waren, Zahlung eines Geldbetrages zum Erwerb von Waren, Kostenerstattung nach Erwerb von Waren (BFH-Urteile vom 11.11.2010, VI R 21/09, VI R 27/09, VI R 41/10).

Die BFH-Richter räumen gründlich mit den komplizierten Vorschriften auf, denn es geht hier nur um eine Kleinigkeit. Es soll künftig leichter für Arbeitgeber sein, den Mitarbeitern eine Sachzuwendung bis 44 EUR monatlich steuerfrei zu gewähren.

Nach neuer Vorgabe der BFH-Richter ist es für einen Sachbezug nun

  • gleichgültig, ob der Mitarbeiter die Sache / Ware / Dienstleistung unmittelbar vom Arbeitgeber erhält, ob der Arbeitgeber die Sache beim Dritten (Tankstelle, Buchhandlung, Blumenladen, Supermarkt) bezieht und sie an den Mitarbeiter weitergibt oder ob der Mitarbeiter die Sache unmittelbar von einem Dritten auf Kosten des Arbeitgebers bezieht.
  • unerheblich, ob der Arbeitgeber eine konkrete Sache gewährt oder ob er einen Gutschein gibt, mit dem der Mitarbeiter eine Sache selber auswählen kann oder den er bei einem Dritten einlösen oder den er auf den Kaufpreis einer Sache anrechnen kann.
  • unschädlich, wenn auf dem Gutschein neben der Bezeichnung der Sache auch ein Betrag oder ein Höchstbetrag angegeben ist. Sogar der Aufdruck nur eines Geldbetrages ist zulässig.
  • nicht erforderlich, dass Art und Menge der Sache konkret bezeichnet sind und der Mitarbeiter keine eigene Wahl hat. Denn auch wenn der Mitarbeiter selbst aus einem großen Angebot eine beliebige Sache auswählt, bleibt dieser Vorteil eine Sachzuwendung.

Geld mit Auflage

Ein begünstigter Sachbezug liegt nach neuer BFH-Auffassung sogar auch dann vor, wenn der Arbeitgeber dem Mitarbeiter unmittelbar einen Geldbetrag mit der Auflage gibt, damit eine zugesagte Sache zu erwerben. Ein begünstigter Sachbezug liegt ebenfalls vor, wenn der Arbeitgeber dem Mitarbeiter nach dem Erwerb der zugesagten Sache die Kosten erstattet oder einen Kostenzuschuss leistet. In diesen Fällen liegt eine Sachlohnzuwendung im Wege der abgekürzten Leistungserbringung vor. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Finanzverwaltung die großzügigen neuen Regelungen akzeptiert. Allerdings sind Zweifel hierbei nicht unangebracht.

FAZIT: Barlohn ist, wenn der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter einen Geldbetrag von 44 EUR gibt, mit dem er beliebige Waren einkaufen kann. Sachbezug ist, wenn der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter einen Gutschein im Wert von 44 EUR überlässt, der zum Erwerb beliebiger Waren berechtigt. (BFH-Urteil vom 11.11.2010, VI R 27/09).

Es gibt allerdings doch einen Haken, den der Arbeitgeber beachten muss: Er darf dem Mitarbeiter nicht ein Wahlrecht einzuräumen, anstelle des Sachbezugs auch Bargeld verlangen zu können. In diesem Fall handelt es sich um Barlohn, und zwar auch dann, wenn tatsächlich die Sache zugewendet wird. Barlohn liegt also vor, wenn der Arbeitgeber anstelle von Urlaubsgeld wahlweise einen Warengutschein anbietet und dieser angenommen wird (BFH-Urteil vom 6.3.2008, BStBl. 2008 II S. 530).

Aufgrund der neuen großzügigen BFH-Rechtsprechung kann der Arbeitgeber dem Mitarbeiter anstelle einer Gehaltserhöhung Sachwerte bis zu 528 EUR steuer- und sozialversicherungsfrei zuwenden. Dabei spart auch er seinen Sozialabgabenanteil.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

eigener Kommentar