Kleinunternehmer aufgepasst

Kleinunternehmer aufgepasst

Wann durchlaufende Posten zur Überschreitung führen


Gewerbetreibende und Freiberufler mit eher geringen Umsätzen können sich von den Unannehmlichkeiten der Umsatzsteuer befreien, wenn sie von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen. Und das geht, wenn Ihr Umsatz

  • im Vorjahr nicht höher als 17.500 Euro war und
  • im laufenden Jahr voraussichtlich nicht höher als 50.000 Euro sein wird.

Bei der Ermittlung der Kleinunternehmergrenze sind „echte“ durchlaufende Posten nicht zu berücksichtigen. Das ist zum Beispiel die Verauslagung von Gebühren. Handelt es sich jedoch um Weiterberechnungen von Lieferungen oder Leistungen an Kunden „ohne Aufschlag“, liegt zwar wirtschaftlich betrachtet ebenfalls ein durchlaufender Posten vor. Doch hier gilt: Dieser ist als Umsatz bei der Berechnung der Kleinunternehmerschwelle einzubeziehen.

Finanzgericht Hamburg entscheidet

Das Finanzgericht Hamburg hat mit seinem Urteil vom 10.08.2018 entschieden, dass ein „echter“ durchlaufender Posten nur vorliegt, wenn unmittelbare Rechtsbeziehungen zwischen dem Zahlungsempfänger und dem Kunden bestehen und der Unternehmer nur als Mittels- oder Zwischenperson fungiert (Az.: 2 K 82/18).

Der Fall

Der Kläger war in der Vergangenheit als Kleinunternehmer tätig. In seiner Einkommensteuererklärung für 2014 erklärte er jedoch einen Gewinn aus freiberuflicher Tätigkeit von 17.300 Euro, dem Umsätze von rund 28.000 Euro zugrunde lagen. Das Finanzamt forderte ihn daraufhin auf, ab 2015 eine Umsatzsteuererklärung und -voranmeldungen abzugeben, weil in 2014 die Umsatzgrenze von 17.500 Euro überschritten worden sei. Hiergegen wandte der Kläger ein, er sei weiterhin Kleinunternehmer und er habe seinen Kunden bestimmte Leistungen „ohne Aufschlag“ weiterberechnet. Einspruch und Klage blieben jedoch erfolglos.

Das FG Hamburg ist der Auffassung, dass die Einnahmen nur dann nicht zum umsatzsteuerlichen Entgelt gehören, wenn der Unternehmer sie im Namen und für Rechnung eines anderen vereinnahmt und verausgabt (durchlaufende Posten). Die Verauslagung in fremdem Namen und für fremde Rechnung setze voraus, dass unmittelbare Rechtsbeziehungen zwischen zwei Beteiligten bestehen, in die der Unternehmer nur als Zahlstelle zwischengeschaltet ist.

Darüber hinaus sei ein eindeutiger Nachweis der Betätigung des Unternehmers als Zwischenperson erforderlich. Daher müssten der Zahlungsverpflichtete und der Zahlungsberechtigte jeweils den Namen des anderen und die Höhe des gezahlten Betrages erfahren. Der Unternehmer müsse darüber hinaus die in fremdem Namen und für fremde Rechnung vereinnahmten Beträge in seiner Buchführung als durchlaufende Posten behandelt haben.

Im Streitfall fehlte es an den Voraussetzungen für durchlaufende Posten. Der Kläger habe die in Rede stehenden Beträge nicht im fremden Namen und für fremde Rechnung verauslagt, sondern ist im eigenen Namen aufgetreten. Auch in seiner Buchführung, soweit vorhanden, habe er keine Trennung zwischen durchlaufenden Posten und regulären Umsätzen vorgenommen. Folglich gehören die – wirtschaftlich betrachtet – durchlaufenden Posten umsatzsteuerrechtlich zu den zu berücksichtigenden Entgelten.

Vereinnahmen Sie durchlaufende Posten, sollten Sie lieber zwei Mal hinsehen. In Zweifelsfällen sollten Sie davon ausgehen, dass ein Umsatz vorliegt, der in die Kleinunternehmergrenze einzubeziehen ist bzw. für den Umsatzsteuer anfällt.