Kundenfahrten

Kundenfahrten

Zum Hauptauftraggeber: Voll abziehbar


Gleiches Recht für alle. Arbeitnehmer können die vollen Fahrtkosten bei einer längeren Tätigkeit im Betrieb des Kunden absetzen. Warum nicht auch Selbstständige?

Volle Fahrtkosten für Arbeitnehmer

Oftmals sind Arbeitnehmer über lange Zeit im Betrieb eines Kunden tätig. Nach neuer Rechtsprechung des BFH stellt die betriebliche Einrichtung eines Kunden keine regelmäßige Arbeitsstätte dar. Der Arbeitnehmer muss sich somit nicht mit der Entfernungspauschale von 30 Cent je Entfernungskilometer begnügen – er kann die Fahrten mit der Dienstreisepauschale von 30 Cent je Fahrtkilometer absetzen (z. B. Urteile des BFH, Aktenzeichen VI R 21/07 und VI R 47/11).

Bei Selbstständigen: Auslegungssache?

Und wie der Fall zu beurteilen, wenn ein Selbstständiger längere Zeit im Betrieb eines Kunden bzw. Auftraggebers tätig ist? Oftmals sind Freiberufler zu einem Großteil nur für einen Hauptauftraggeber tätig und in dessen Betrieb eingegliedert. Manche Finanzämter wollen die neue vorteilhafte BFH-Rechtsprechung nicht auf Selbstständige anwenden. Daher unterstellen sie, dass der Betrieb des Kunden als ihre Betriebsstätte anzusehen ist. Somit werden die Fahrten auch nur mit der Entfernungspauschale berücksichtigt.

Tatsächliche Kosten absetzbar

Jetzt hat das Finanzgericht Münster entschieden, dass bei einem Steuerberater der Betrieb des Kunden keine regelmäßige Betriebsstätte darstellt. Er ist als freier Mitarbeiter im Betrieb seines Hauptkunden tätig und bezieht von ihm rund 60 Prozent seiner Einkünfte. Die Fahrten zwischen dem häuslichen Büro und dem Kundenbetrieb sind daher nicht mit der Entfernungspauschale, sondern mit den tatsächlichen Kosten als Betriebsausgaben absetzbar (Urteil des finanzgerichtes Münster, Aktenzeichen 10 K 1769/11 E).

Gleichbehandlung

Nach Auffassung der Richter ist aus Gründen der Gleichbehandlung die Anwendung der neuen BFH-Rechtsprechung zur regelmäßigen Arbeitsstätte bei Arbeitnehmern auch auf die übrigen Steuerpflichtigen anzuwenden. Folge: Selbstständige haben auch bei längerfristiger Tätigkeit im Betrieb des Kunden dort keine Betriebsstätte.

Tipp: Das letzte Wort hat nun der Bundesfinanzhof. Daher empfiehlt es sich, in einem vergleichbaren Fall die Fahrten zum Betrieb des Auftraggebers in voller Höhe bei den Betriebsausgaben zu verbuchen und bei Ablehnung Einspruch einzulegen. Zur gleichen Streitfrage ist bereits ein Revisionsverfahren vor dem BFH anhängig, auf das Sie sich beziehen können (Aktenzeichen X R 13/13).

 

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