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Leibrenten

… und Steuern


Altersrente, Witwenrente, Waisenrente … die Anzahl der verschiedenen Rentenarten in Deutschland ist groß. Zusammenfassen kann man sie aber mit einem Wort: Leibrenten. Denn egal warum Sie eine Rente erhalten, versteuern müssen Sie jede davon. Wir zeigen, wie das geht.

Kurz & knapp

  • Leibrenten sind regelmäßige Zahlungen an eine Person
  • In Deutschland gibt es verschiedene Rentenarten
  • Alle Leibrenten werden nach dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung versteuert

Was sind Leibrenten?

Eine Leibrente ist eine gleichbleibende und regelmäßige Zahlung an eine Person. In der Regel fließt die Zahlung bis zum Tod des Menschen. In Deutschland gibt es verschiedene Leibrenten.

Wie werden Leibrenten besteuert?

Seit 2005 gilt für alle Leibrenten die nachgelagerte Besteuerung. Das bedeutet: Das, was Sie heute für Ihre Altersvorsorge aufwenden ist zwar steuerfrei, jedoch fallen Steuern bei der Auszahlung der Rente an. Wie hoch der steuerpflichtige Anteil Ihrer Rente ist, hängt davon ab, ab wann Sie sie erstmals erhalten. So haben alle, die bis 2005 erstmalig eine Rente bezogen haben, einen steuerpflichtigen Anteil von 50 Prozent, die übrigen 50 Prozent sind steuerfrei.

Zwischen 2006 und 2020 stieg der steuerpflichtige Anteil um 2 Prozent pro Jahr und auch 2021 erhöht er sich um 1 Prozent. Hochgerechnet bedeutet das: Alle, die 2040 in den Ruhestand gehen, müssen ihre Renteneinkünfte zu 100 Prozent versteuern.

Der Grund dafür ist eine Reform der Rentenbesteuerung aus dem Jahr 2005. Wir befinden uns also aktuell in einer Art Übergangsphase, in der der steuerpflichtige Anteil der Rente regelmäßig steigt. Und zwar bis 2040 – denn ab diesem Jahr werden Renten zu 100 Prozent versteuert.

Bei der Besteuerung gilt das „Kohorten-Prinzip“: Der steuerpflichtige Anteil wird ab Beginn der Rente errechnet, beispielsweise 50 Prozent – und der Prozentsatz bleibt dann für die restliche Laufzeit immer gleich. Der steuerpflichtige Teil erhöht sich also nicht von Jahr zu Jahr. Nur „Neu-Rentner“ in späteren Jahren müssen ihre Rente mit dem aktuellen Prozentsatz versteuern, in welchem die Rente beginnt (§ 22 EStG).

Der Gesetzgeber hat sich jedoch noch mehr einfallen lassen. Denn im zweitem Jahr der Rente wird der sogenannter Rentenfreibetrag berechnet. Dazu werden die Zahlungen im zweiten Jahr der Rente in steuerpflichtig und steuerfrei aufgeteilt. Es gilt dabei der Prozentsatz des Beginns der Rente. Der steuerfreie Teil der Rente wird dann aber als Rentenfreibetrag festgeschrieben und gilt für alle weiteren Jahre. Die Folge ist, dass sich bei den jährlichen Rentenerhöhungen der steuerfreie Anteil nicht mit erhöht. Rentenanpassungen sind damit also immer zu 100% steuerpflichtig.

Auch bei der Leibrente gilt: Steuerpflichtige Renteneinkünfte bleiben bis zur Höhe des Grundfreibetrags von 9.744 Euro (Stand 2021) steuerfrei. Liegen Ihre Einkünfte darunter, müssen Sie auch keine Steuern zahlen.

Info Leibrente Glühbirne Auch Rentner können Werbungskosten absetzen. Sie erhalten automatisch eine Werbungskostenpauschale von 102 Euro. Hatten Sie höhere Ausgaben, können Sie diese einfach in Ihre Steuererklärung eintragen. Dazu zählen beispielsweise Gewerkschaftsbeiträge oder Kosten für eine Rentenberatung.

Leibrenten mit WISO Steuer

Wie viel Steuern muss ich auf meine Rente zahlen?

Rente Steuer Aufteilung

Welche Leibrenten gibt es?

Regelaltersrente

Die Regelaltersrente können alle erhalten, die mindestens 5 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt und ein bestimmtes Alter erreicht haben.

Seit 2005 steigt die Altersgrenze, ab der man die Regelaltersrente erhalten kann, stufenweise von 65 auf 67 Jahre. Welche Grenze für Sie gilt, hängt von Ihrem Geburtsjahr ab. Ab dem Jahrgang 1964 gilt die Regelaltersgrenze von 67 Jahren.

5 Jahre Rentenversicherung – das zählt dazu

Um Anspruch auf die Altersrente zu haben, mĂĽssen Sie mindestens 5 Jahre in die Rentenkasse einbezahlt haben. Das bedeutet aber nicht gleichzeitig, dass Sie in dieser Zeit angestellt sein mĂĽssen. BerĂĽcksichtigt werden unter anderem auch:

  • 3 Jahre Erziehungszeit pro Kind
  • freiwillige Zahlungen in die Rentenkasse
  • Monate, in denen Sie einen Angehörigen gepflegt haben
  • Beiträge während Minijobs, die Sie und Ihr Arbeitgeber beide gezahlt haben (zahlt nur der Arbeitgeber, wird das anteilig angerechnet)
  • Monate aus dem Rentensplitting unter Ehe- und Lebenspartnern
  • Monate aus dem Versorgungsausgleich bei Scheidung

Erwerbsminderungsrente

Sind Sie gesundheitlich dauerhaft so stark eingeschränkt, dass Sie nicht mehr arbeiten können, zahlt Ihnen die Rentenversicherung unter bestimmten Voraussetzungen eine Erwerbsminderungsrente. Wie viel Sie erhalten, hängt unter anderem davon ab, wie viel Sie noch arbeiten können.

Eine Rente bei teilweiser Erwerbsminderung erhalten Sie nur, wenn Sie mindestens 3 Stunden, aber nicht mehr als 6 Stunden am Tag arbeiten können. Schaffen Sie nur weniger als 3 Stunden zu arbeiten, können Sie die volle Erwerbsminderungsrente erhalten.

Weitere Voraussetzungen fĂĽr diese Leibrente sind:

  • Sie waren mindestens 5 Jahre Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • In den 5 Jahren haben Sie mindestens 3 Jahre lang Pflichtbeiträge eingezahlt.
Blitz Icon Erwerbsminderungsrente Die Erwerbsminderungsrente erhalten Sie nicht Ihr Leben lang. Sobald Sie das entsprechende Alter erreicht haben, wird sie von der Regelaltersrente abgelöst.

Witwenrente

Zu den Leibrenten zählt auch die Witwen- bzw. Witwerrente. Diese erhalten Sie, wenn Ihr Partner verstirbt. Auf diese Weise soll die Existenz des hinterbliebenen Partners gesichert werden. Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in unserem Beitrag zur Witwenrente.

Waisenrente

Auch wenn ein oder sogar beide Elternteile versterben, greift der Staat unter die Arme: mit der Halbwaisen- oder Vollwaisenrente. Diese Leibrente erhalten Kinder in der Regel bis zu ihrem 18. Geburtstag – sofern der verstorbene Elternteil gesetzlich rentenversichert war. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Leibrente aber bis zum 27. Lebensjahr gezahlt werden. Und zwar, wenn das Waisenkind

  • sich in einer Schul- oder Berufsausbildung befindet oder einen Freiwilligendienst leistet;
  • sich in einer Ăśbergangszeit von maximal 4 Monaten zwischen 2 Ausbildungsabschnitten befindet;
  • durch eine Behinderung nicht fĂĽr sich selbst sorgen kann.

Bei der Halbwaisenrente erhalten Kinder 10 Prozent der Rente, auf die der verstorbene Elternteil Anspruch gehabt hätte. Bei der Vollwaisenrente gibt es 20 Prozent.

Info Vollwaisenrente Halbwaisenrente Icon GrafikSeit dem 01.07.2015 wird bei der Halb- und Vollwaisenrente das eigene Einkommen der Kinder nicht mehr angerechnet.

Erziehungsrente

Sind Sie geschieden und Ihr Ex-Partner verstorben? Dann können Sie einen Antrag auf die Erziehungsrente stellen. Mit dieser Leibrente soll der ausbleibende Unterhalt ausgeglichen werden.

Die Erziehungsrente wird jedoch nicht aus der Versicherung des verstorbenen Ex-Partners, sondern des Rentenempfängers gezahlt. Das bedeutet: Sie müssen seit mindestens 5 Jahren gesetzlich rentenversichert sein.

Weitere Voraussetzungen sind:

  • Sie erziehen ein minderjähriges Kind. Das gilt fĂĽr eigene sowie gemeinsame leibliche oder Stief- und Pflegekinder, eigene Kinder des Verstorbenen sowie Enkel und Geschwister.
  • Sie haben nicht wieder geheiratet.
  • Ihre Ehe wurde nach dem 30.06.1977 geschieden. Wurde Sie vorher geschieden, richtete sich Ihr Unterhaltsanspruch nach dem DDR-Recht

Unfallrente

Auch Zahlungen aus einer gesetzlichen Unfallversicherung zählen zu den Leibrenten. Eine Unfallrente erhalten Sie dann, wenn Sie aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit für längere Zeit oder auf Dauer nicht mehr in Ihrem Beruf arbeiten können.

Sie zahlen gar nicht in eine Unfallversicherung ein? Keine Sorge: Die gesetzliche Unfallversicherung ist Sache Ihres Arbeitgebers. Er meldet seinen Betrieb bei einem Unfallversicherungs-Träger an und zahlt den vollen Beitrag selbst. Jeder Angestellte des Unternehmens ist dann automatisch mitversichert.

Die Höhe der Unfallrente hängt von zwei Faktoren ab:

  • Höhe Ihres Verdienstes vor dem Unfall oder der Krankheit
  • Minderung Ihrer Erwerbsfähigkeit

Sind Sie zu 100 Prozent erwerbsunfähig, erhalten Sie die volle Unfallrente. Liegt die Minderung Ihrer Erwerbsfähigkeit beispielsweise bei 60 Prozent, erhalten Sie auch nur 60 Prozent der vollen Unfallrente.

Info Icon GrafikDie gesetzliche Unfallrente ist steuerfrei. Allerdings unterliegt sie dem Progressionsvorbehalt. Ihr übriges Einkommen wird dadurch mit einem höheren Steuersatz versteuert.

Leibrenten in der Steuererklärung mit WISO Steuer

Tragen Sie Ihre Leibrente ganz einfach in WISO Steuer ein. Das geht über Thema hinzufügen > Weitere Einkunftsarten > Rentner. Das Programm übernimmt Ihre Angaben dann in die richtige Stelle Ihrer Steuererklärung.

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9 Kommentare

Kommentar hinterlassen
  1. 1
    Harald Blas

    Hallo Steuerteam, wird die Rentenbesteuerung auch bei privat Versicherten genauso angewendet als wĂĽrde ich eine staatlichen Rente beziehen?
    LG
    Harald Blas

  2. 2
    Peter Gothe

    Ihre Erklärung zum steuerfreien Teil der Rente ist m.E. nicht ganz korrekt, bzw. misverständlich.
    Mit dem Rentenbeginn wird, entsprechend des Eintrittsjahres , einmalig der in jenem Jahr gültige Freibetrag ausgerechnet. Dieser ist dann der Betrag, der in allen weiteren Jahren als Freibetrag verwendet wird. Das bedeutet, dass bei Rentenerhöhungen der Freibetrag nicht auf die neue Rente berechnet wird, sondern die Erhöhung praktisch voll versteuert werden muss.
    Bei mir hat sich der zu versteuernde Teil der Rente dadurch innerhalb von 2 Jahren praktisch bereits von 78% auf fast 79% erhöht.
    Dieser Mechanismus wird leider im allgemeinen nicht deutlich gemacht.

    Viele GrĂĽĂźe

    • 3
      Alexander MĂĽller

      Hallo Herr Gothe,
      danke für Ihren Kommentar. Tatsächlich wieder der Rentenfreibetrag im ersten Jahr mit vollem Rentenbezug festgestellt. Das ist in der Regel das zweite Jahr der Rente. Im ersten Jahr erhält man oft nur einige Monate Rente. Maßgeblicher Prozentsatz bleibt jedoch das erste Jahr der Rente. Ab dem dritten Rentenjahr wird also immer der Freibetrag aus dem zweiten Rentenjahr angesetzt. Sämtliche folgende Rentenerhöhungen sind dann leider zu 100% steuerpflichtig, völlig korrekt. Danke für den Hinweis, wir schauen uns den Artikel nochmal an.
      Viele GrĂĽĂźe,
      Alex von steuernsparen.de

  3. 4
    JĂĽrgen Loch

    Meine Frage: Oben auf den gedruckten Einkommensteuerformularen ist der Vermerk ‘Anleitung vorhanden’ mit einer Zeichnung ausgedruckt. Wie kann ich das auf den Formularen löschen.

    • 5
      Alexander MĂĽller

      Hallo,
      der Vermerk zur Anleitung ist direkt von der Finanzverwaltung darauf positioniert. Zum löschen des Hinweises benötigen Sie ein entsprechendes Programm zur Bearbeitung von pdf-Dateien.
      Viele GrĂĽĂźe,
      Alex von steuernsparen.

    • 7
      Anna Maringer

      Guten Tag Frau Glesel,

      vielen Dank für Ihren Vorschlag. Den Hinweis haben wir im Beitrag ergänzt.

      Viele GrĂĽĂźe
      Anna von Steuern-Sparen

    • 9
      Carina Hagemann

      Sehr geehrter Herr Metzger,

      Bei Betriebsrenten hängt die Erfassung davon ab, um welche Art von Betriebsrente es sich handelt.
      Bekommen Sie fĂĽr Ihre Betriebsrente eine Lohnsteuerbescheinigung, erfassen Sie diese im Bereich “Arbeitnehmer, Betriebsrentner und Pensionäre”.
      Bekommen Sie hingegen eine Leistungsmitteilung, wählen Sie ĂĽber “Thema hinzufĂĽgen” > “Weitere Einkunftsarten” > “Rentner” > “Leistungen aus Altersvorsorgeverträgen” aus und erfassen dort die Betriebsrente.

      Viele GrĂĽĂźe
      Carina Hagemann von Steuern-Sparen

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