Leiharbeit

Leiharbeit

Tatsächliche Fahrtkosten


Leiharbeiter, die lediglich bei einem Entleiher eingesetzt werden, können nun ihre tatsächlichen Fahrtkosten ansetzen. Dies hat das Finanzgericht Münster entschieden.

Zu den Werbungskosten eines Arbeitnehmers zählen auch seine Aufwendungen für die Wege zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte. Im Sinne des Fiskus, ist eine Entfernungspauschale von 30 Cent für jeden vollen Kilometer der Entfernung anzusetzen.

Regelmäßige Arbeitsstätte

Laut dem Bundesfinanzhof liegt eine regelmäßige Arbeitsstätte vor, wenn ein Arbeitnehmer diese regelmäßig und nachhaltig aufsucht. Die Arbeitsstätte muss außerdem als ortsfeste Betriebsstätte des Arbeitgebers und als dauerhaften Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit definiert sein. Der Fiskus geht von einer regelmäßigen Arbeitsstätte aus, wenn der Steuerpflichtige diese in jeder Kalenderwoche an mindestens einem Tag aufsucht.

Entfernungspauschale versus tatsächlich gefahrene Kilometer

Der Kläger war im Streitjahr als Leiharbeiter tätig. Sein Arbeitsvertrag mit dem Entleiher wurde auf fünf Monate befristet aber stets verlängert. Der Steuerpflichtige wurde über den kompletten Zeitraum im Betrieb des Entleihers eingesetzt. Aufgrund dessen kannte die Finanzbehörde lediglich 30 Cent für jeden vollen Kilometer der Entfernung auf Basis der Entfernungspauschale an.

Der Kläger hatte aber den Eindruck, dass ihm 30 Cent pro tatsächlich gefahrenen Kilometer zustehen.

Zu Recht!

Der 13. Senat des Finanzgerichtes Münster gewährte den Ansatz der tatsächlich gefahrenen Kilometer. Schon aufgrund der fehlenden regelmäßigen Arbeitsstätte kommt der Ansatz der Entfernungspauschale nicht in Betracht. Nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz wird ein Leiharbeiter dem Entleiher vertraglich zugeordnet. Dabei ist es gleich, ob der Entleiher seinen Angestellten an einem Standort oder deutschlandweit einsetzt. Mangels einer festen Arbeitsstätte konnte der Kläger sich nicht fest auf eine feste Arbeitsstätte einstellen.

Wer sich in Leiharbeit begibt, kann sich nicht auf eine feste Arbeitsstätte einstellen und somit auch keine Fahrtkosten einsparen. Aufgrund des Leiharbeitsvertrages zwischen Verleiher und Kunden (Entleiher) wird eine Arbeitskraft geliehen. Deshalb stellt der Einsatzort des Klägers keine regelmäßige Betriebsstätte dar. Das Finanzgericht Münster wiedersprach mit diesem Urteil der herrschenden Meinung der Finanzverwaltung. Da die Streitfrage höchstrichterlich noch nicht geklärt ist, hat das Gericht die Revision zum Bundesfinanzhof zugelassen.

Finanzgericht Münster, Aktenzeichen 13 K 456/10

Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 25/04

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