Was ist die elektronische Lohnsteuerbescheinigung?

Was ist die elektronische Lohnsteuerbescheinigung?

Alle relevanten Infos fĂĽr Sie zusammengefasst


Irgendwann im Januar oder Februar eines jeden Jahres erhält sie jeder Angestellte oder Beamte  – den Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung. Doch was genau ist das? In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau in der Lohnsteuerbescheinigung steht und wofür man sie bei der Steuererklärung braucht.

Lohnsteuerbescheinigung – woher kommt sie?

Angestellte und Beamte erhalten monatlich ihre Gehalts- oder Bezügeabrechnung von ihrem Arbeitgeber oder Dienstherren. Darin kann man ablesen, wie hoch der Bruttoarbeitslohn, die darauf gezahlte Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag und ggf. die Kirchensteuer sind. Bei Angestellten sind noch  zusätzlich die Abzüge für die Sozialversicherungen darauf zu finden. Der übrig bleibende Nettolohn ist dann der Auszahlungsbetrag des Arbeitgebers.

Genau diese monatlichen Daten werden in der jährlichen elektronischen Lohnsteuerbescheinigung für das gesamte Steuerjahr zusammengefasst. Der Arbeitgeber übermittelte diese Daten bis Ende Februar des Folgejahres direkt an das Finanzamt. Zudem muss er dem Arbeitnehmer einen Ausdruck zur Verfügung stellen. Diese Pflicht besteht auch, wenn ein Arbeitsverhältnis unterjährig endet. Bestanden im Steuerjahr mehrere Dienstverhältnisse, erhält man auch mehrere elektronische Lohnsteuerbescheinigungen.

Welche Sozialversicherungen gibt es?

  • Gesetzliche Krankenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Gesetzliche Unfallversicherung
  • Deutsche Rentenversicherung
  • Pflegeversicherung

Wozu benötigt man die elektronische Lohnsteuerbescheinigung?

Sie haben eine Lohnsteuerbescheinigung bekommen – und nun? Und was bedeuten die vielen persönlichen Nummer auf dem Bescheid?

Grundlage fĂĽr die Einkommensteuer

Die elektronische Lohnsteuerbescheinigung ist ein wichtiges Steuerdokument. Alle enthaltenen Daten sind steuerlich relevant und werden in die Einkommensteuererklärung des jeweiligen Steuerjahres eingetragen.

Der Bruttoarbeitslohn wird in der Anlage N eingetragen und ergibt nach Abzug der Werbungskosten die steuerpflichtigen Einkünfte. Die Beiträge zu den Sozialversicherungen werden in der Anlage Vorsorgeaufwand berücksichtigt und sorgen als Sonderausgaben für eine Minderung des Einkommens.

Die gezahlte Lohnsteuer wiederum wird auf die Steuerlast angerechnet, sodass es im Idealfall sogar zu einer Erstattung bei der Steuererklärung kommt.

Steuer-ID, Steuernummer und eTIN

Die steuerliche Identifikationsnummer (kurz: Steuer-ID) gibt es seit 2007/2008. Das ist eine 11-stellige Nummer, die jeweils nur einmal für jede Person vergeben wird. Sie wird mit einem Brief vom Bundeszentralamt für Steuern (kurz: BZSt) mitgeteilt. Oft ist dieser Brief mit der Steuer-ID die erste Post, die ein Kind direkt nach der Geburt erhält. Die Nummer ist dann ein Leben lang gültig.

Die eTIN ist eine Art Ersatznummer des Arbeitgebers fĂĽr die Ăśbermittlung der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung an das Finanzamt. Falls dem Arbeitgeber keine Steuer-ID des Arbeitnehmers vorliegt, wird die eTIN genommen, die sich unter anderem aus dem Namen und dem Geburtsdatum des Arbeitnehmers zusammensetzt.

Die Steuernummer dagegen wird direkt vom Finanzamt vergeben und kann sich auch ändern, z. B. nach einem Umzug. Unter dieser Nummer wird der jeweilige Steuerfall beim Finanzamt geführt.

Nichts zu tun dank steuer:Abruf

Die Steuer-ID benötigt der Arbeitgeber also für die Übermittlung der Daten an das Finanzamt. Insbesondere auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung soll die Steuer-ID daher vermerkt sein. Denn so kann das Finanzamt direkt die Einkünfte einer bestimmten Person zuordnen. Mit dieser Nummer ist eine Verwechslung ausgeschlossen.

Durch die Steuer-ID auf der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung ergibt sich aber auch ein enormer Vorteil für den Steuerpflichtigen! Das Zauberwort lautet „vorausgefüllte Steuererklärung“. Über einen Freischaltcode, der z.B. im Steuerprogramm WISO steuer:Web beantragt werden kann, ist es möglich, die Daten der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung direkt an die richtige Stelle der Steuererklärung eintragen zu lassen.

Eine lästige Suche nach Belegen oder Fehler beim Abtippen erübrigen sich dann.

Dies gilt übrigens auch für andere steuerlich relevante Belege, wie z.B. die Beiträge zu Krankenversicherungen,  erhaltene Lohnersatzleistungen (z.B. Elterngeld und Arbeitslosengeld) sowie Daten zu Riester- und Rürup-Verträgen.

Der Freischaltcode wird einmal beantragt und kann dann jedes Jahr erneut zum Ausfüllen der jährlichen Einkommensteuererklärung genutzt werden.

Lohnsteuerbescheinigung Steuererklärung

Was sind ELStAM?

Grundlage für die monatliche Gehaltsabrechnung und damit auch für die jährliche Lohnsteuerbescheinigung sind die sogenannten „ELStAM“ – die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale. Das ist die digitale Form der früheren Lohnsteuerkarte. Steuerklasse, Zahl der Kinder- und andere Freibeträge, aber auch das Kirchensteuerabzugsmerkmal – alles ist heute beim Bundeszentralamt für Steuern digital hinterlegt. Von dort kann der Arbeitgeber die Daten für die Lohnbuchhaltung abrufen. Sollen Daten der ELStAM geändert werden, z.B. die Lohnsteuerklasse, kann dies durch ein entsprechendes Formular beim zuständigen Finanzamt beantragt werden.

Welche Angaben gibt es noch?

Neben den genannten Angaben kann die Lohnsteuerbescheinigung aber auch noch mehr. Der Arbeitgeber muss darin noch diverse andere Daten aufführen. Dazu zählen z.B. Zuschüsse an den Arbeitnehmer bei Fahrtkosten oder Verpflegungsmehraufwendungen. Ebenso tauchen dort Lohnersatzleistungen wie Kurzarbeitergeld oder Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld auf.

Insgesamt muss der Arbeitgeber also in der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung alle steuerlich relevanten Daten aus dem Dienstverhältnis für die Einkommensteuer des Arbeitnehmers bescheinigen.

Elektronische Lohnsteuerbescheinigung bei Rentnern und Pensionären?

Auch ehemalige Beamte erhalten als Pensionäre weiter eine jährliche elektronische Lohnsteuerbescheinigung. Der Hintergrund ist, dass die Altersbezüge als Pensionen steuerlich noch als laufender, nachträglicher Arbeitslohn gelten. Einkommensteuerlich werden diese Einkünfte als Versorgungsbezüge bezeichnet.

Anders sieht es bei Rentnern aus, die Zahlungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. Die Zahlungen der Deutschen Rentenversicherung sind sozusagen „echte“ Altersbezüge. Steuerlich ist dies kein Arbeitslohn mehr. Allerdings gelten auch bei ehemaligen Angestellten bestimmte Betriebsrenten als Versorgungsbezüge, für die dann noch eine elektronische Lohnsteuerbescheinigung ausgestellt werden muss.

Ein Muster der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung fĂĽr das Jahr 2019 findet man direkt beim Bundesfinanzministerium.

 

 

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.
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6 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Matthias Wastl

    Ist jeder Arbeitgeber verpflichtet, seinem Mitarbeiter/Angestellten jährlich eine elektronische LSt-Bescheinigung auszuhändigen? Mit welchen Fristen? Wo ist das gesetzlich geregelt?

    • 2
      Alexander MĂĽller

      Sehr geehrter Herr Wastl,
      vielen Dank fĂĽr Ihre Frage. In § 41b Abs.1 S.3 Einkommensteuergesetz steht: „Der Arbeitgeber hat dem Arbeitnehmer die elektronische Lohnsteuerbescheinigung nach amtlich vorgeschriebenem Muster binnen angemessener Frist als Ausdruck auszuhändigen oder elektronisch bereitzustellen.“…“Er hat dem Arbeitnehemer diese Bescheinigung auszuhändigen“. Die angemessene Frist ist sicher ein wenig Auslegungssache. Da der Arbeitgeber aber spätestens bis zum Ende Februar auch die Daten elektronisch ans Finanzamt senden muss, wird die angemessene Frist fĂĽr den Arbeitnehmer auch bis Ende Februar gesehen.

      Viele GrĂĽĂźe,
      Alexander MĂĽller von der steuer:Redaktion

    • 4
      Anna Maringer

      Sehr geehrter Herr Schierbaum,

      vielen Dank für Ihren Hinweis. Es handelte sich tatsächlich um einen Schreibfehler, den wir umgehend behoben haben.

      Viele GrĂĽĂźe
      Anna aus Ihrer :buhl-Redaktion

  2. 5
    JĂĽrgen Katerkamp

    Ich vermisse in den Erläuterungen Hinweise auf mögliche Abweichungen zwischen elektr. LStBesch und Jahressummen der Lohnabrechnungen (tats. Abzüge) bei den SozVers-Beiträgen, z. B. bei Zusatzversorgung im öffentlichen Dienst. Oder muss die elektr. LStBesch immer mit den tatsächlich einbehaltenen, vom AG abgeführten SozVers-Beiträgen übereinstimmen?

    • 6
      Alexander MĂĽller

      Sehr geehrter Herr Katerkamp,
      vielen Dank für Ihre Frage. Grundsätzlich muss die elektronische LSt-Bescheinigung mit den vom Arbeitgeber einbehaltenden Beiträgen übereinstimmen. Gerade bei den Sozialversicherungen sind die prozentualen Werte z.B. bei der Rentenversicherung oder Arbeitslosenversicherung gesetzliche vorgegeben.

      Bei der Lohnsteuer ist der Arbeitgeber nach den Vorgaben des §42b EStG (Einkommensteuergesetz) verpflichtet einen Lohnsteuer-Jahresausgleich vorzunehmen. Dies kann sein, wenn es hinsichtlich des Brutto-Arbeitslohns z.B. durch Weihnachtsgeld oder bei Abfindungen zu falschen Abzugswerten gekommen ist. Die Folge ist, dass z.B. in der Dezemberabrechnung dann eine weniger oder mehr Lohnsteuer berechnet wird. Jedoch gibt es auch Ausnahmen im §42b EStG.

      Sollten die Daten der elektronischen Lohnsteuer-Bescheinigung falsch sein, kann man natürlich dem Finanzamt immer (mit den entsprechenden Belegen) andere Daten nachweisen. Gerade wenn es um z.B. freiwillige Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung oder um Beiträgen zu ständischen Versorgungswerken geht, benötigt man natürlich Nachweise außerhalb der Lohnsteuerbescheinigungen.

      Viele GrĂĽĂźe,
      Ihre buhl:Redaktion

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