Was ist der Lohnsteuerjahresausgleich?

So funktioniert die Abrechnung am Jahresende


„Ich muss noch meinen Lohnsteuerjahresausgleich machen!“ – Diesen Satz hört man hĂ€ufig im Zusammenhang mit der SteuererklĂ€rung. Aber sind SteuererklĂ€rung und Lohnsteuerjahresausgleich wirklich dasselbe? In jedem Fall geht es um die Korrektur zu viel oder zu wenig gezahlter Lohn- bzw. Einkommensteuer. Und doch gibt es einen wesentlichen Unterschied! Erfahren Sie hier, was das fĂŒr Sie bedeutet und wer wirklich einen Lohnsteuerjahresausgleich machen muss.

Was bedeutet „Lohnsteuerjahresausgleich“?

Es war einmal
 da hieß die freiwillige Arbeitnehmer-SteuererklĂ€rung noch „Lohnsteuerjahresausgleich“. Denn: Im besten Fall konnten Sie sich dadurch die unterjĂ€hrig zu viel gezahlte Lohnsteuer zurĂŒckholen. Das Prinzip hat sich auch bis heute nicht geĂ€ndert. Allerdings gibt es einen Unterschied zu frĂŒheren Zeiten. Denn heute wird Ihnen der reine Lohnsteuerjahresausgleich bereits von Ihrem Arbeitgeber abgenommen: zum Jahresende ĂŒberprĂŒft dieser die Lohnsteuerzahlungen eines Jahres. Kommt es dabei zu Abweichungen zwischen Ist- und Sollzahlungen, wird die Differenz mit der Dezember-Abrechnung (spĂ€testens im Februar des Folgejahres) verrechnet.

FĂŒr Sie bedeutet das erstmal: Sie selbst mĂŒssen fĂŒr den Lohnsteuerjahresausgleich nichts mehr tun. Anders sieht das bei der EinkommensteuererklĂ€rung aus


Wo ist der Unterschied zur SteuererklÀrung?

In den meisten FĂ€llen ist fĂŒr Arbeitnehmer durch den Lohnsteuerabzug Ihre „Schuld“ beim Finanzamt beglichen. In der Regel entfĂ€llt damit die Pflicht zur Abgabe der EinkommensteuererklĂ€rung. Wurde zu viel Lohnsteuer einbehalten, erhalten Sie die Differenz bereits im Rahmen des Lohnsteuerjahresausgleichs erstattet.

Sie wollen aber mehr rausholen? Dann ist Ihr eigenes Engagement gefragt. Denn Ihr Arbeitgeber berĂŒcksichtigt beim Lohnsteuerabzug nur die Merkmale, die in Ihrer elektronischen Lohnsteuerkarte vermerkt sind: zum Beispiel den Arbeitnehmerpauschbetrag oder KinderfreibetrĂ€ge. DarĂŒber hinaus können Sie mit der freiwilligen Veranlagung zur Einkommensteuer bares Geld sparen. Denn hier können Sie Ihre tatsĂ€chlichen Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen angeben.

Was ist Lohnsteuerjahresausgleich Infografik

Was ist der Lohnsteuerjahresausgleich?

So funktioniert der Lohnsteuerabzug

Die Lohnsteuer, die monatlich von Ihrem Gehalt einbehalten wird, stellt eine Art Vorauszahlung auf die Einkommensteuer dar. Diese wird auf Ihre EinkĂŒnfte eines ganzen Jahres erhoben. Ihr Arbeitgeber muss Ihr Monatsgehalt also auf das ganze Jahr hochrechnen, um die voraussichtliche Steuerlast zu ermitteln. Der im Monat an Lohnsteuer einbehaltene Betrag entspricht dann 1/12 der voraussichtlichen Steuerlast des gesamten Jahres. Wie viel Lohnsteuer Ihr Arbeitgeber monatlich einbehalt, entnehmen Sie Ihrer Lohnabrechnung.

Wann kommt es zum Lohnsteuerjahresausgleich?

Wie kann es beim Lohnsteuerabzug zu Abweichungen bzw. einem Lohnsteuerjahresausgleich kommen? Das liegt in den meisten FĂ€llen nicht daran, dass Ihr Arbeitgeber sich verrechnet hat. Vielmehr besteht immer dann Korrekturbedarf, wenn die Höhe Ihres Gehalts im Laufe des Jahres geschwankt hat. Ist Ihr Gehalt ĂŒber das Jahr gleichbleibend, stimmen die monatlichen LohnsteuerbetrĂ€ge mit der Jahressteuerlast ĂŒberein. Ein Lohnsteuerjahresausgleich ist nicht erforderlich.

Anders sieht es aus, wenn Ihr Gehalt im Jahresverlauf schwankt. Das kann z. B. durch Einmal- oder Sonderzahlungen wie dem Urlaubs- bzw. Weihnachtsgeld oder Gehaltserhöhungen der Fall sein. Das möchten wir anhand des nachfolgenden Beispiels verdeutlichen:

Beispiel
In der Tabelle sehen Sie das monatliche Gehalt eines kinderlosen Angestellten der Lohnsteuerklasse 1. Der Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenkasse wird mit 1,1 Prozent angenommen. Ab Oktober erhĂ€lt der Angestellte ein höheres Gehalt. Aus VereinfachungsgrĂŒnden werden die Kirchensteuer und der SolidaritĂ€tszuschlag nicht berĂŒcksichtigt.
Monat (2020)Gehalt (brutto) in EuroSteuerlast / Jahr
(hochgerechnet) in Euro
Lohnsteuer / Monat in Euro
Januar3.0004.889,00407,41
Februar3.0004.889,00407,41
MĂ€rz3.0004.889,00407,41
April3.0004.889,00407,41
Mai3.0004.889,00407,41
Juni3.0004.889,00407,41
Juli3.0004.889,00407,41
August3.0004.889,00407,41
September3.0004.889,00407,41
Oktober4.0008.119,00676,58
November4.0008.119,00676,58
Dezember4.0008.119,00676,58
Quelle: BMF-Steuerrechner
Der Angestellte hat im Jahr insgesamt 39.000 Euro verdient. HierfĂŒr hat der Arbeitgeber insgesamt 5.696,43 Euro Lohnsteuer einbehalten und abgefĂŒhrt. Nach dem Steuertarif fĂŒr das Jahr 2020 ergibt sich allerdings eine Steuerlast von 5.657,00 Euro. Der Arbeitgeber muss also einen Lohnsteuerjahresausgleich in Höhe von 39,43 Euro zu Gunsten des Arbeitnehmers vornehmen.

MĂŒssen Sie zu wenig einbehaltene Lohnsteuer nachzahlen?

Im Fall von zu viel gezahlter Lohnsteuer ist es eindeutig: Der Arbeitgeber muss Ihnen den Differenzbetrag mit der Dezember-Lohnabrechnung erstatten bzw. mit der Dezember-Lohnsteuer verrechnen. Anders ist es jedoch, wenn im Laufe des Jahres zu wenig einbehalten wurde. Kann er diese dann von Ihnen nachfordern? Dabei ist zu unterscheiden, ob der Lohnsteuerabzug unterjÀhrig korrekt vorgenommen wurde oder nicht.

Hat der Arbeitgeber den Lohnsteuerabzug nicht zutreffend vorgenommen? Dann muss der Differenzbetrag vom Arbeitnehmer mit der nĂ€chsten Lohnabrechnung nachgefordert werden. Wurde der Lohnsteuerabzug hingegen korrekt durchgefĂŒhrt, erfolgt auch keine Nachforderung. Falls Sie eine SteuererklĂ€rung fĂŒr das betreffende Jahr abgeben, fĂ€llt die Differenz bei der Veranlagung auf und Sie mĂŒssen Steuern nachzahlen.

Sind Sie hingegen gar nicht verpflichtet eine SteuererklĂ€rung abzugeben und tun dies auch nicht, so kommt es bei der Lohnsteuer in Höhe des Differenzbetrags endgĂŒltig zu einem Steuerausfall.

Muss jeder Arbeitgeber den Lohnsteuerjahresausgleich machen?

Nein. Besonders kleine Unternehmen mĂŒssen fĂŒr ihre Mitarbeiter den Lohnsteuerjahresausgleich nicht vornehmen. Erst ab einer Mitarbeiterzahl von 10 Personen ist der Lohnsteuerjahresausgleich verpflichtend.

Es gibt aber auch FĂ€lle, in denen der Lohnsteuerjahresausgleich gar nicht erfolgen darf. Zum Beispiel bei Mitarbeitern, die 


  • Nicht unbeschrĂ€nkt in Deutschland steuerpflichtig sind (z. B. Angestellte mit Wohnsitz im Ausland)
  • Nicht das ganze Jahr beim selben Arbeitgeber beschĂ€ftigt waren
  • Ein „U“ fĂŒr „Unterbrechung“ im Lohnkonto vermerkt ist
  • Ganz oder zeitweise in der Lohnsteuerklasse II, III oder IV waren
  • Beim Lohnsteuerabzug einen individuellen Freibetrag berĂŒcksichtigen lassen
  • Lohnersatzleistungen wie (Saison-)Kurzarbeitergeld, Schlechtwetter-, Winterausfall- oder einen Zuschuss zum Mutterschaftsgelt erhalten haben
Außerdem dĂŒrfen Sie als Arbeitnehmer auch einen Antrag stellen, dass der Lohnsteuerjahresausgleich unterbleiben soll.

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