Mit der Zweiten spart man besser

Mit der Zweiten spart man besser

Von der doppelten Haushaltsführung profitieren


Der Fiskus beteiligt sich an den Kosten, wenn Paare oder Singles berufsbedingt zwei Wohnungen halten. Doch die Finanzämter zeigen sich hier oft streng, und immer wieder kommt es zu Klagen. Wann Steuerzahler von der doppelten Haushaltsführung profitieren.

Arbeitsplatz auf anderem Kontinent

Manchmal verschlägt einen der Job sogar auf einen anderen Kontinent: Petra Meier* nutzte die Chance, für ihren Arbeitgeber drei Jahre lang in Mosambik zu arbeiten. Doch ihr Ehemann Sven* wollte als Geschäftsführer einer GmbH nicht einfach seine Anstellung aufgeben. Dennoch entschloss sich das hessische Paar dazu, seinen Lebensmittelpunkt in den afrikanischen Staat zu verlegen und seine komfortabel ausgestattete Wohnung in Deutschland als Zweitwohnung zu deklarieren. Der Grund für diesen ungewöhnlichen Schritt: Die beiden wollten Steuern sparen.

Die Rechnung schien aufzugehen: Bei der nächsten Einkommensteuererklärung konnte das Paar Kosten in Höhe von rund 12.000 Euro im Rahmen der doppelten Haushaltsführung geltend machen. Das Finanzamt zog jedoch nicht mit, und man sah sich vor Gericht wieder. Im Mai 2015 hat der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 71/14) nun das letzte Wort gesprochen und klargemacht, dass auch er das Steuersparmodell so nicht akzeptiert.

Schließlich habe sich Sven Meier im Streitjahr gerade einmal 18 Tage in Afrika aufgehalten, sogar die Weihnachtsfeiertage verbrachte das Paar in Deutschland. Für die obersten Finanzrichter alles untrügliche Zeichen dafür, dass der Hauptwohnsitz der Meiers noch immer in Deutschland zu finden war. Damit wertete das Gericht die Aufenthalte des Mannes in Mosambik als Besuch, die Reisen der Frau nach Deutschland hingegen als Fahrten in die Heimat.

Auf den Einzelfall kommt es an

Der Fall zeigt: Bei der doppelten Haushaltsführung sind für die steuerliche Berücksichtigung die individuellen Umstände entscheidend. Es kommt also darauf an, wie oft der Steuerzahler sich am ersten oder zweiten Wohnsitz aufhält, wie die Räumlichkeiten jeweils ausgestattet sind und über wie viele Quadratmeter sie verfügen.

Die obersten Finanzrichter mussten schon häufig Urteile zu Detailfragen fällen – und die Zahl der Streitigkeiten rund um das Thema nimmt ständig zu. „Die Finanzämter prüfen immer genauer, ob alle Bedingungen zur doppelten Haushaltsführung erfüllt sind“, beobachtet auch Stefan Rattay, Steuerberater der Steuerberatergesellschaft WWS in Aachen. Clevere Betroffene müssen sich also auf den kritischen Blick des Fiskus akribisch vorbereiten.

Der Lebensmittelpunkt zählt

„Pendler müssen bei der doppelten Haushaltsführung immer belegen, wo ihr Lebensmittelpunkt liegt“, so Rattay. Das kann unter Umständen problematisch werden, denn grundsätzlich kommt es – wie auch die Entscheidung des Bundesfinanzhofs im Fall des Ehepaars Meier zeigt – auf die gesamten Lebensumstände der Steuerpflichtigen an.

„Normalerweise ist der Lebensmittelpunkt dort zu finden, wo die persönlichen Bindungen am engsten sind“, sagt Rattay. In der Regel ist das unter jener Adresse, die gemeinsam mit der Hauptbezugsperson bewohnt wird. Der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 16/14) hat zwischenzeitlich aber auch bestimmt, wie zu verfahren ist, wenn die Eheleute während der Woche gemeinsam in der Zweitwohnung am auswärtigen Arbeitsort leben: Sogar dann muss das Finanzamt noch alle Rahmenbedingungen genau unter die Lupe nehmen, bevor es zu einem Urteil kommt – gemeint sind eben die persönlichen Verhältnisse, die Ausstattung und die Größe der Haupt- beziehungsweise Zweitwohnung sowie die sozialen Kontakte der Betroffenen.

Katzensprung nach Hause

Noch kritischer sehen die Finanzbeamten bei Singles hin. Das zeigt beispielsweise ein Fall, der vor dem Finanzgericht Hamburg landete (Aktenzeichen 5 K 3/12): Die Klägerin lebte an ihrem Arbeitsort in einer fast 65 Quadratmeter großen Wohnung. Dafür machte sie Werbungskosten geltend mit der Begründung, eigentlich lebe sie noch in ihrem Elternhaus. In dessen Umgebung wohnten schließlich auch ihre Verwandten und Freunde. Insgesamt 26-mal war sie in einem Jahr zwischen ihren beiden Wohnungen gependelt.

Das war den Richtern zu wenig: Denn der Heimatort der Steuerzahlerin lag nicht einmal 60 Kilometer vom Arbeitsort entfernt – ein Katzensprung also, und somit hätte es für die Steuerzahlerin kein Problem sein dürfen, noch öfter nach Hause zu fahren.

Das Urteil ist insofern interessant, als es den geltenden Lohnsteuerrichtlinien widerspricht. Danach haben Singles ihren Lebensmittelpunkt nämlich dort, wo sie mindestens zweimal im Monat außerhalb ihres Beschäftigungsorts hinfahren. Diese Vorgabe hatte die Klägerin eindeutig erfüllt.

Aber, so die Auffassung der Richter, keine Regel ohne Ausnahme. Übrigens: Verheiratete müssen sich laut Lohnsteuerrichtlinien nur mindestens sechsmal im Jahr bei ihrer Familie sehen lassen, damit die doppelte Haushaltsführung anerkannt wird.

Um nicht auch zum Ausnahmefall vor Gericht zu werden, zeigen clevere Alleinstehende deshalb dem Fiskus von sie ihre Füße unter den Tisch der Eltern stellen, finanziert das Finanzamt das Hotel Mama nicht mit.

Partner müssen mindestens zehn Prozent der Kosten tragen

Seit 2014 existiert übrigens noch eine zwingende Voraussetzung dafür, dass die doppelte Haushaltsführung bei Ledigen anerkannt wird: Sie müssen sich mit mehr als zehn Prozent an den Kosten der monatlichen Haushaltsführung beteiligen, wenn sie mit jemanden zusammen wohnen.

Ausgenommen sind nur Arbeitnehmer in den Steuerklassen III, IV oder V – hier gehen die Finanzbeamten ohne Wenn und Aber grundsätzlich von einer finanziellen Beteiligung aus. „Mitbewohner sollten sicherheitshalber einen schriftlichen Mietvertrag abschließen und die Mieten grundsätzlich überweisen, um alle Zahlungen per Kontoauszug dokumentieren zu können“, rät WWS-Steuerberater Rattay.

Höchstgrenze: 1.000 Euro

Ist die Zweitwohnung erst einmal anerkannt, lassen sich allerdings nicht alle Aufwendungen dafür unbegrenzt absetzen. Seit Anfang 2014 sind nur noch Unterkunftskosten bis monatlich 1.000 Euro als Werbungskosten absetzbar.

Dazu zählen bei einer Mietwohnung neben dem monatlichen Miet-Obolus auch die Betriebs-, Renovierungs-, Reinigungskosten oder Rundfunkgebühren. Wer eine Eigentumswohnung am Arbeitsort besitzt, kann auch die Finanzierungskosten und die Gebäudeabschreibung abziehen.

30 Cent je Kilometer der Heimfahrt

Erfreulicherweise finanziert der Fiskus jede Woche eine Heimfahrt mit, außerdem die Fahrtkosten jeweils zu Beginn und zum Ende der doppelten Haushaltsführung bis hin zu Umzugskosten oder Verpflegungsmehraufwendungen für einen Zeitraum von drei Monaten. Familienheimfahrten bezuschusst die Finanzverwaltung mit 30 Cent pro Entfernungskilometer.

Darüber hinaus akzeptiert das Finanzamt Einrichtungs- oder Anschaffungskosten für beruflich genutztes IT-Equipment. Absetzbar sind auch die Maklerkosten – sie zählen zu den Umzugskosten, so der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VI R 7/13).

Wenn  im Hotelzimmer gelebt wird

Wem das alles zu viel Dokumentationsaufwand ist, der kann auch auf die eigenen vier Wände verzichten und am Arbeitsort die Woche über ein Hotelzimmer buchen. Doch vorsichtig, auch bei Übernachtungen in Hotels oder Pensionen steckt der Teufel im Detail: Das Finanzamt berücksichtigt nur die Kosten für die reine Übernachtung. An den Kosten beispielsweise für das Frühstück beteiligt es sich dagegen nicht.

„Es lassen sich tatsächlich angefallene Unterkunftskosten von bis zu 12.000 Euro pro Jahr absetzen“, sagt WWS-Experte Rattay und ergänzt: „Steuerzahler können nicht ausgeschöpfte Beträge auf andere Monate übertragen.“ Unter diesen Umständen kann ein Hotel als Bleibe am Arbeitsort durchaus als bezahlbare Alternative infrage kommen.

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Eine Zusammenfassung, wie Sie mit Ihrer Zweitwohnung Steuern sparen können, sehen Sie hier:

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