Bogen rund

Mobbing am Arbeitsplatz

Mindern die Behandlungskosten die Steuer?


Die Zahl psychischer Krankheiten und Verhaltensstörungen hat insbesondere in der Arbeitswelt in den letzten Jahren drastisch zugenommen. Wenn die Gründe beruflich begründet sind, können dann die Behandlungskosten die Steuer mindern?

Psychische Krankheiten in der Berufswelt

Die Gründe sind unterschiedlich: Zeitdruck, Komplexität der Arbeit, mangelnde Wertschätzung, Mobbing, defizitäres Führungsverhalten usw.. Wenn also die Krankheitsursache ausschließlich oder fast ausschließlich im beruflichen Bereich beruht, müssten die Aufwendungen zur Behandlung der Erkrankung als Werbungskosten absetzbar sein, oder?

 Mobbing: Beruflich veranlasst

Nun hat das Finanzgericht Rheinland-Pfalz die Kosten für zwei Aufenthalte in einer Privatklinik für Psychotherapie und psychosomatische Gesundheitsentwicklung als Werbungskosten anerkannt. Die Behandlung war erforderlich geworden wegen Mobbing und einem langwierigen psychosozialen Konflikt am Arbeitsplatz. Daraus entstand ein “chronisch psychophysischer Erschöpfungszustand mit depressiver Entwicklung”. Die Krankheitskosten seien ausschließlich beruflich veranlasst, weil der Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der Berufstätigkeit eindeutig feststehe (Urteil des FG Rheinland-Pfalz. Aktenzeichen 2 K 1152/12).

Der Fall

Durch jahrelanges “Bossing” durch den Vorgesetzten war der Mitarbeiter psychisch erkrankt und auf professionelle Hilfe angewiesen. Facharzt und Hausarzt bescheinigten, dass die Behandlung ausschließlich aus der beruflichen Konflikt- und Überlastungssituation resultierte. Der lang andauernde berufliche Konflikt war offensichtlich für das Erschöpfungssyndrom mit depressiven Störungen ausschlaggebend gewesen. “Ob tatsächlich Mobbing durch den Vorgesetzten vorlag oder ob der Mitarbeiter dies nur so empfunden hatte, spielt für den Abzug der Krankheitsaufwendungen als Werbungskosten ebenso wenig eine Rolle, wie die Frage, ob der Klinikaufenthalt notwendig bzw. unabdingbar war. Entscheidend ist, dass die Erkrankung offensichtlich objektiv durch die beruflichen Verhältnisse des Mitarbeiters veranlasst und die Aufwendungen von ihm subjektiv im weitesten Sinne zur Förderung seines Berufs, nämlich zur Bewältigung seiner durch die Konfliktsituation hervorgerufenen psychosomatischen Krankheit, getätigt wurden”.

Burnout: Keine Berufskrankheit

Eine psychosomatische Erkrankung mit den Symptomen des “Burnout” und eines psychophysischen Erschöpfungssyndroms stellt hingegen keine typische Berufskrankheit dar. Es handelt sich vielmehr um eine schwer objektivierbare Erkrankung, die Menschen aller Bevölkerungskreise, unabhängig von einer Erwerbstätigkeit treffen kann.

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