Mobilitätsprämie für Geringverdiener

Fahrtgeld direkt aufs Konto?


Für viele Arbeitnehmer liegt der Arbeitsplatz weit vom Wohnort entfernt. Der Fahrtweg ist oft mit zeitlichem und finanziellem Aufwand verbunden. Einen Teil der Kosten über die Steuererklärung zurückholen? Das verspricht zumindest die Pendlerpauschale. Doch Steuern sparen kann bekanntlich nur, wer auch entsprechend viel verdient und Steuern zahlen muss. Geringverdiener bleiben oft auf den Kosten sitzen. Und genau diesen Fall soll ab 2021 die Mobilitätsprämie auffangen! Wir erklären Ihnen, wie …

Mobilitätsprämie und Pendlerpauschale – Wo ist der Unterschied?

Der Weg zur Arbeit ist steuerlich begünstigt. Und zwar mit der Pendlerpauschale.  30 Cent pro Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz dürfen Sie bei der Steuer ansetzen. Ab 2021 sogar 35 Cent ab dem 21. Entfernungskilometer, ab 2024 dann 38 Cent. Die Erhöhung der Pendlerpauschale ist vorerst bis Ende 2026 befristet. Mit dieser Anhebung soll den erwartungsgemäß steigenden Spritkosten aufgrund der CO2-Bepreisung Rechnung getragen werden.

Die Pendlerpauschale zählt zu den Werbungskosten. Das bedeutet: Wenn Sie Ihre Steuererklärung abgeben, werden diese Kosten von Ihren Einkünften abgezogen. Dadurch verringert sich dann Ihre Steuerlast. Sie bekommen die Pauschale also nicht ausgezahlt. Sondern Sie zahlen entsprechend weniger Steuern oder dürfen sogar mit einer Erstattung rechnen. Wie viel Sie jeweils sparen, hängt von Ihrem individuellen Steuersatz ab. Je höher die Einkünfte, desto höher der Steuersatz, desto mehr lässt sich sparen.

Was ist, wenn ich gar keine Steuern zahle?

Doch Steuern zahlen muss nur, wer ein Einkommen oberhalb des Grundfreibetrags hat. Wer also weniger verdient, zahlt keine Steuern und kann im ersten Schritt auch keine Steuern sparen. Wer also weit zur Arbeit fährt, aber wenig verdient, bleibt auf den Zusatzkosten sitzen. Ist die Erhöhung der Pendlerpauschale für Geringverdiener also ein Nullsummenspiel? Nein, denn hier kommt die Mobilitätsprämie ins Spiel.

Fahrtkostenerstattung direkt aufs Konto!

Dass das ziemlich ungerecht ist, hat auch der Gesetzgeber erkannt. Deshalb ist es ab 2021 auch für Geringverdiener möglich, sich die erhöhten Fahrtkosten erstatten zu lassen. Und zwar mit der Mobilitätsprämie. Diese gibt es ab dem 21. Entfernungskilometer. Im Gegensatz zur Pendlerpauschale handelt es sich hierbei nicht um einen Werbungskostenabzug. Sondern um eine direkte Zahlung vom Finanzamt auf Ihr Konto.

Wer bekommt die Mobilitätsprämie?

Von der Mobilitätsprämie profitieren Sie, wenn Sie

  • Ein zu versteuerndes Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags haben und
  • Ihr Arbeitsplatz mindestens 21 Kilometer vom Wohnort entfernt ist.

Insgesamt soll die Mobilitätsprämie laut Bundesfinanzministerium circa 250.000 Beschäftigte entlasten. Sie ist vorerst bis zum 31. Dezember 2026 befristet.

Info GlühbirneÜbrigens
Die Mobilitätsprämie wird auch für Fahrtwege gezahlt, die Sie für Familienheimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung hatten.

Wie hoch ist die Mobilitätsprämie?

Grundlage für die Berechnung der Mobilitätsprämie ist die Entfernungspauschale. Soweit erstmal nichts Neues. Dennoch ist der Berechnungsweg etwas komplizierter. Denn es muss ermittelt werden, wie sich die erhöhte Entfernungspauschale auswirken würde, wenn Sie Steuern zahlen würden. Letztlich beträgt die Mobilitätsprämie 14 Prozent auf einen im nachfolgenden Berechnungsschema ermittelten Betrag.

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So berechnet das Finanzamt die Mobilitätsprämie

Kilometer mal Pauschale mal 14 Prozent gleich Erstattung? Klingt logisch, aber es wäre nicht das deutsche Steuerrecht, wenn es so einfach wäre. Die Berechnung ist leider etwas komplizierter. Denn das Finanzamt berücksichtigt neben der Entfernung und der Pauschale auch die Höhe des zu versteuernden Einkommens, den Grundfreibetrag und den Arbeitnehmerpauschbetrag. So wird vereinfacht gesagt errechnet, wie viel Steuerersparnis Ihnen aufgrund der erhöhten Entfernungspauschale entgeht. Wir möchten Ihnen die Berechnung an einem Beispiel erklären.

Beispiel

Stefanie fährt 40 Kilometer zur Arbeit. Insgesamt ist sie im Jahr 2021 nach Abzug von Urlaubs- und Krankheitstagen an 150 Tagen im Büro gewesen. Ihr zu versteuerndes Einkommen beträgt 9.100 Euro. Neben den Fahrtkosten hatte sie keine weiteren Werbungskosten.

Schritt 1: Entfernungspauschalen berechnen

für die ersten 20 Kilometer:
150 Tage x 20 km x 30 Cent = 900 Euro

ab dem 21. Kilometer berechnen
150 Tage x 20 km x 35 Cent = 1.050 Euro

insgesamt
900 Euro + 1.050 Euro = 1.950 Euro

Schritt 2: Arbeitnehmerpauschbetrag (1.000 Euro) abziehen

1.950 Euro – 1.000 Euro = 950 Euro

Schritt 3: Differenz zwischen zu versteuerndem Einkommen und Grundfreibetrag (2021: 9.744 Euro) bilden

9.744 Euro – 9.100 Euro = 644 Euro

Schritt 4: Ergebnis von Schritt 3 vom Ergebnis aus Schritt 2 abziehen

950 Euro – 644 Euro = 306 Euro

Schritt 5: Ergebnis von Schritt 2 mit dem Ergebnis von Schritt 4 vergleichen

950 Euro > 306 Euro

Schritt 6: Die Prämie von 14 Prozent auf den kleineren Betrag berechnen

306 Euro x 14 Prozent = 42,84 Euro

Ergebnis

Stefanie bekommt vom Finanzamt eine Mobilitätsprämie in Höhe von 42,84 Euro erstattet. Das wären also die Kosten, die sie zusätzlich zahlen müsste, weil sich die erhöhte Entfernungspauschale steuerlich bei ihr nicht auswirkt.

Wie stelle ich den Antrag für die Mobilitätsprämie?

Die gute Nachricht: Die Mobilitätsprämie wird auf altbewährte Weise beantragt. Und zwar über die jährliche Steuererklärung. Hierfür wird es ein zusätzliches Formular geben. Sobald die Steuerformulare für das Steuerjahr 2021 vorliegen, stellen wir sie Ihnen selbstverständlich zur Verfügung. Die Mobilitätsprämie beantragen Sie also erstmals mit der Steuererklärung für das Jahr 2021. Haben Sie in der Vergangenheit bereits regelmäßig Steuererklärung eingereicht, kommt keine Zusatzarbeit auf Sie zu. Wichtig ist nur, dass Sie Angaben zu Ihren Fahrtwegen zur Arbeit machen.

Haben Sie bisher keine Steuererklärung abgegeben, so kann sich das im Zuge der Mobilitätsprämie lohnen! Dabei gibt es zahlreiche Tipps und Tricks, wie Sie sich das Ganze so leicht wie möglich machen können. Werfen Sie doch einfach einen Blick in unseren Beitrag: Steuererklärung selbst machen.

Blitz IconLeider hat die Mobilitätsprämie einen schalen Beigeschmack. Nicht nur die Berechnung ist kompliziert und der Erstattungsbetrag meist niedriger als erhofft. Auch wird die Prämie nicht ausbezahlt, wenn sie weniger als 10 Euro beträgt.

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  1. 1
    Harald Mauch

    Stefanie fährt dann 150 x die Strecke zur Arbeitsstelle und zurück. Also 150km x 2 x 40km. Bei einem Verbrauch an Sprit von 7 Liter/100km und 1,40 Euro/Liter hat sie Spritkosten 1176 Euro/Jahr. Verschleiß nicht mit eingerechnet. Vom Finanzamt bekommt sie dann 42,84 Euro zurück erstattet. Blanker Hohn!
    Stefanie macht dann ihr Kreuz bei der Bundestagswahl sicher nicht bei der Partei die so ein Hohn ausdenkt.

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