Neue Erlasse für Firmenerben

Erbschaftssteuerreform 2009


Das Erbschaftssteuerreformgesetz setzt ab Neujahr die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts um, neben Bankguthaben auch vererbte und verschenkte Unternehmen auf Marktniveau zu erfassen.

Dafür gibt es in einem zweiten Schritt neue Privilegien, wonach sogar wertvolle Firmen komplett steuerfrei bleiben können. Mit diesen Sachverhalten beschäftigen sich zwei Anwendungserlasse der obersten Finanzbehörden der Länder vom 25. Juni 2009. Nachfolgend die wichtigsten Aspekte für Firmenerben in der Praxis.

Neue Grundregeln ab 2009

Betriebsvermögen wird in den Augen des Fiskus deutlich teurer. Statt der Bilanz mit den abgeschriebenen Buchwerten sind bei Unternehmen die Ertragsaussichten der Zukunft entscheidend. Hier gibt es neue Rechengrößen, die sogar von den Zinskonditionen der Bundesbank und von der Steuerlast der Firma abhängen. Betroffene können dem Finanzamt jederzeit per Gegengutachten nachweisen, dass die Pauschalpreise viel zu hoch sind. Diese mit Kosten verbundene Arbeit kommt künftig häufiger ins Spiel, da die steuerliche Bemessungsgrundlage deutlich nach oben schwillt und nicht immer den realistischen Marktpreis widerspiegelt.

Faustregel: Der Ansatz bei Betriebsvermögen von Einzelunternehmen, Freiberuflern, Beteiligungen an Personen- und Kapitalgesellschaften ist nach der gesetzlichen Vorgabe generell der Verkehrswert. Der wird nach fünf verschiedenen Wegen ermittelt:

  1. In erster Linie aus Verkäufen unter fremden Dritten, die weniger als ein Jahr vor der Erbschaft oder Schenkung erfolgt sind. Das kommt wohl nur selten zum Ansatz.
  2. Aus aktuellen Kursen bei börsennotierten Unternehmen.
  3. Ansatz nach den in maßgeblichen Wirtschaftskreisen auch für außersteuerliche Zwecke üblicherweise angewandten Bewertungsmethoden.
  4. Ein vom Fiskus vorgegebenes vereinfachtes Ertragswertverfahren unabhängig von der Größe für alle Unternehmen. Diese Pauschalrechnung soll die Möglichkeit bieten, ohne hohen Ermittlungsaufwand oder Kosten für einen Gutachter einen Unternehmenswert auf der Grundlage der Ertragsaussichten zu ermitteln.
  5. Untergrenze ist die Summe aller Bilanzwerte auf Marktniveau, also etwa der aktuelle Preis von Aktiva minus Schulden. Dies darf aus dem Jahresabschluss vor der Übergabe abgeleitet werden. Dabei erlaubt die Verwaltung, den Verkehrswert des beweglichen Anlagevermögens mit 30 Prozent der Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu schätzen.

Generell wird es teuer, da ein Aufkäufer etwa Kundenstamm, stille Reserven, Markenname und die Aussicht auf sprudelnde Gewinne mit bezahlt. Generell müssen Freiberufler und Unternehmer daher von einem deutlich höheren Wert ihres Betriebsvermögens oder Anteilen an einer Personen- und Kapitalgesellschaft ausgehen.

Allerdings muss das nicht unbedingt zu einer höheren Steuerbelastung führen. Denn in einem zweiten Schritt bleiben 85 Prozent des Vermögens steuerfrei, wenn Bedingungen erfüllt sind. Die restlichen 15 Prozent zählen dann, wobei eine gleitende Freigrenze von 150.000 Euro abgezogen werden darf. Bei Beträgen über 150.000 Euro schmilzt die Freigrenze zur Hälfte ab, sodass sie bei einem Betriebsvermögen von 450.000 Euro entfällt.

Diese Begünstigung greift aber nur, wenn

  • der Betrieb nach dem Übergang vom Nachfolger langfristig in seinem Bestand fortgeführt wird.
  • weder Unternehmensverkauf, Betriebsaufgabe, noch die Veräußerung von wesentlichen Betriebsgrundlagen erfolgen.
  • die Arbeitsplätze über sieben Jahre mehrheitlich erhalten bleiben, indem die Lohnsumme am Ende des gesamten Zeitraums nicht unter 650 Prozent des durchschnittlichen Ausgangsniveaus der letzten fünf Jahre vor der Übertragung gesunken ist. Für Unternehmen mit nicht mehr als zehn Beschäftigten gilt diese Regelung aber nicht.
  • der Nachfolger kaum Vermögen oberhalb der erwirtschafteten Gewinne entnimmt.
  • das Unternehmensvermögen nicht überwiegend aus vermieteten Grundstücken, Wertpapiere sowie vergleichbare Forderungen, Münzen, Edelmetalle oder Kunstgegenständen besteht.

Werden diese Bedingungen eingehalten, fällt die Steuer gering aus.

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