Neues zum Investitionsabzugsbetrag

Neues zum Investitionsabzugsbetrag

Bleibt er weiter attraktiv?


In der Vergangenheit war der Investitionsabzugsbetrag steuerlich sehr attraktiv. Dann hat der Gesetzgeber immer weiter justiert, bis dieses Steuersparmodell, das früher noch Ansparabschreibung hieß, für Unternehmer fast keine Vorteile mehr brachte. Nun sieht es so aus, als wären die schlechten Zeiten für den Investitionsabzugsbetrag vorbei.

Die alte Ansparabschreibung

Es ist schon eine Weile her, da kannte jeder Unternehmer die Ansparabschreibung. Standen Neuanschaffungen an, wurde ein Teil der zukünftigen Anschaffungskosten bereits im Jahresabschluss vor der geplanten Investition als Betriebsausgaben angesetzt. Wurde die geplante Investition in den folgenden Jahren nicht durchgeführt, musste die Gewinnminderung der Vergangenheit rückgängig gemacht werden. Im Jahresabschluss des Jahres, in dem die Absicht der Investition aufgegeben wurde, erhöhte sich der steuerliche Gewinn. Der Vorteil aus der Verschiebung der steuerlichen Belastung war beachtlich und brachte den Unternehmen Liquidität.

Die Neuerung

Der neue Investitionsabzugsbetrag bestimmt, dass nach Aufgabe der Investitionsabsicht durch den Unternehmer der Gewinn des Jahres zu erhöhen ist, in dem die steuerliche Berücksichtigung ursprünglich stattfand. Das Jahr der Aufgabe der Investitionsabsicht spielt keine Rolle mehr.

Verzinsung

Die Änderung des Gewinns der Vergangenheit führt zur Änderung des Steuerbescheides eines Kalenderjahres, das schon längere Zeit zurückliegt. Für das längst vergangene Jahr kommt es zur Steuernachzahlung. Doch nicht nur das: Die Nachzahlung wird mit sechs Prozent jährlich verzinst.  Nur die ersten 15 Monate nach Ablauf eines Kalenderjahres sind zinsfrei.

Beispiel

Der Unternehmer, Herr Staude, plant im Jahr 2009 eine Investition für eine neue Druckmaschine. Im Jahresabschluss 2009 macht er den Investitionsabzugsbetrag gewinnmindernd geltend. Im März 2012 gibt er seine Investitionsabsicht auf und meldet dies dem Finanzamt.

Das Finanzamt erhöht den Gewinn aus Gewerbebetrieb des Jahrs 2009 um den Investitionsabzugsbetrag und fordert die Steuern nach. Der neue, am 01. April 2012 erlassene, Einkommensteuerbescheid für das Jahr 2009 setzt 30.000 Euro zusätzliche Einkommensteuer fest.

Die 30.000 Euro Mehrsteuern verzinst das Finanzamt. Der Zinslauf beginnt nach Auffassung des Finanzamts 15 Monate nach Ablauf des Jahres 2009, somit am 1. April 2011. Es werden Zinsen für ein Jahr von 1.800 Euro festgesetzt.

Entscheidung des Gerichts

Gegen die Festsetzung der Zinsen hat ein Unternehmer geklagt. Die Richter des Finanzgerichts  Niedersachsen gaben dem Kläger Recht. Maßgebend für die Verzinsung ist, den Richtern zufolge, der Zeitpunkt der Aufgabe der Investitionsabsicht. In unserem Beispiel wäre das im Kalenderjahr 2012. Demnach kann die Verzinsung erst 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres beginnen, in dem die Investitionsabsicht aufgegeben wird. In unserem Beispiel würde sich Herr Staude die Zinszahlung sparen.

Finanzgericht Niedersachsen, Aktenzeichen 1 K 266/10

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