Pfarrer auf Reisen

Pfarrer auf Reisen

Sind die Aufwendungen Werbungskosten?


Aufwendungen eines Pfarrers für die Pilgerfahrt nach Rom und die Tertiatskursfahrt von Seelsorgern nach Jordanien können ganz als Werbungskosten abgezogen werden, wenn für die Reisen ein unmittelbarer beruflicher Anlass zugrunde liegt. Private Gründe für die Reisen dürfen nur von ganz untergeordneter Bedeutung sein.

Dies haben die Richter des Bundesfinanzhofs entschieden und wie folgt begründet:

Romreise

Ein beruflicher Anlass ist gegeben, wenn die Organisation und die Durchführung der Reise Dienstaufgabe des damit betrauten Arbeitnehmers ist. Entsprechendes gilt für einen Lehrer, der eine Klassenfahrt organisiert und durchführt.Betreut ein Pfarrer die pfarrangehörigen Pilger geistlich auf ihrer Reise und hat er eine dienstrechtliche Genehmigung, dann ist die Situation mit einem Lehrer auf genehmigter Klassenfahrt vergleichbar.

Jordanienreise

Für eine berufliche Veranlassung ist neben der fachlichen Organisation vor allem maßgebend, dass das Programm auf die besonderen beruflichen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Der Teilnehmerkreis sollte im Wesentlichen gleichartig sein.Maßgebend ist auch, ob die Teilnahme freiwillig oder verpflichtend ist. Erfüllt die Teilnahme eine Dienstpflicht, indiziert dies in besonderer Weise den beruflichen Veranlassungszusammenhang, auch wenn der Arbeitnehmer sich der Teilnahme hätte entziehen können.

Private und betriebliche Gründe

Eine abschließende Beurteilung konnte im Fall des Pfarrers nicht vorgenommen werden, da bisher nicht geklärt wurde, inwiefern nennenswerte private Gründe zur Teilnahme an den Reisen vorlagen. Falls auch private Gründe von nicht nur untergeordneter Bedeutung für die Teilnahme an der jeweiligen Reise gegeben sind, ist nach neuer Rechtsprechung zu prüfen, ob die beruflichen und die privaten Veranlassungsbeiträge objektiv abgrenzbar sind. Dies würde bedeuten, dass die Kosten möglichst in beruflich veranlasst und privat veranlasst aufzuteilen sind. Nur der berufliche Teil der Aufwendungen wäre Werbungskosten.

Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 42/09

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