Pflegekosten absetzen: Steuererklärung & Pflegepauschbetrag

Wer zahlt was?


Kinder von Pflegebedürftigen, die keine Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen, müssen für ihre Eltern häufig die anfallenden Kosten tragen.

Gut, dass es für Angehörige das Schlupfloch der außergewöhnlichen Belastungen gibt. Zudem fällt Pflege in die Kategorie haushaltsnahe Dienstleistungen.

Wer pflegebedürftig ist, für den wird das Leben teuer. Die professionelle Betreuung durch medizinisches Fachpersonal kostet viel Geld. Das erfuhr Rentnerin Elfriede Hengst am eigenen Leib. Die 82-jährige leidet an Depressionen und wohnt – nicht zuletzt auf Anraten ihres Arztes – in einem Pflegeheim bei Aachen. Allein in einer Wohnung, das hätte nicht mehr funktioniert. Die Rundum-Versorgung des Heims bietet ihr den nötigen Schutz. Sohn Wolfgang Hengst besucht seine Mutter regelmäßig. Selbst kann er sie nicht pflegen, da er beruflich zu stark eingebunden ist. Das Leben im Heim, sagt er, tut seiner Mutter gut: „Im Seniorenstift ist sie in einen Tagesablauf eingebunden. Außerdem sind die Einsamkeit in ihrer Wohnung und das Alleinsein durchbrochen worden.“

Im Heim nimmt Elfriede Hengst verschiedene Pflegeleistungen in Anspruch: Waschen, Kämmen, Hilfe beim Essen. Da ihre psychische Erkrankung nicht immer gleich verläuft, kommt sie an manchen Tagen mit wenig fremder Hilfe aus, schafft es beispielsweise, sich selbst anzuziehen. Je nach Tagesform. Grundsätzlich eine positive Sache. Doch zugleich ein großes Problem.

Was sind Pflegekosten?

Hierbei handelt es sich um Ausgaben, die Ihnen für die persönliche Pflege einer Ihnen nahestehenden, dauernd hilflosen Person (Angehörige oder Lebensgefährte) in deren oder in Ihrer Wohnung entstehen.

Diese Kosten können Sie in Ihrer Steuererklärung auf zwei Wegen geltend machen:

  • als besondere außergewöhnliche Belastung in Form eines Pflegepauschbetrages oder
  • als allgemeine außergewöhnliche Belastung durch den Abzug der tatsächlich entstandenen Kosten.

Pflegepauschbetrag: 924 Euro im Jahr

Der Staat unterstützt Sie bei der Steuer mit dem Pflegepauschbetrag. Dieser beträgt pro Jahr 924 Euro. Er wird aber nur gewährt, wenn die Pflege unentgeltlich erfolgt, Sie dafür also keine Bezahlung erhalten haben.

Falls der Pflegebedürftige das Pflegegeld an die betreuende Person weitergibt, gilt Folgendes:

Verwaltet die pflegende Person das Pflegegeld lediglich treuhänderisch für den Pflegebedürftigen und verwendet sie es ausschließlich für Ausgaben des Pflegebedürftigen, ist die Pflege unentgeltlich. Andernfalls liegt eine entgeltliche Pflege vor.

Wann ist eine Person pflegebedürftig?

Unter folgenden Voraussetzungen ist eine Person pflegebedürftig:

  • bei der zu pflegenden Person liegt die Pflegestufe I, II oder III vor
  • für die zu pflegende Person wurde eine dauerhaft erhebliche Einschränkung der Alltagskompetenz festgestellt (z.B. im Fall von Demenz)
  • ein nach § 89 SGB XI anerkannter Pflegedienst wird mit der Pflege beauftragt
  • bei einer Heimunterbringung sind pflegebedingte Kosten entstanden und der Träger des Heimes hat den Pflegesatz für die inoffizielle Pflegestufe 0 mit dem Sozialversicherungsträger ausgehandelt
  • zudem muss die andere Person, für die Sie Pflegekosten übernehmen, bedürftig sein (bestimmte Obergrenzen bei Einkommen und Vermögen dürfen nicht überschritten sein)

Wie weisen Sie die Pflegebedürftigkeit nach?

Bei einer festgestellten Pflegestufe oder einer dauerhaft erheblichen Einschränkung können Sie die Pflegebedürftigkeit für die Steuererklärung durch den Schwerbehindertenausweis (Merkmal Bl oder H) oder eine Bescheinigung der Pflegekasse bzw. des Medizinischen Dienstes nachweisen.

In den allen anderen o.g. aufgeführten Fällen durch eine Rechnung des Pflegedienstes bzw. Heimträgers.

Wie weisen Sie die Pflegekosten nach?

Die tatsächlich entstandenen Kosten müssen Sie bei der Steuererklärung dem Finanzamt nachweisen. Dies können Sie wie folgt:

  • bei einer Beschäftigung einer ambulanten Pflegekraft z.B. durch einen Arbeitsvertrag
  • bei der Unterbringung in der Pflegestation eines Altenheims oder in einem Pflegeheim durch eine Rechnung, in der die Pflegeleistungen gesondert von den Unterbringungs- und Verpflegungskosten ausgewiesen werden
  • bei der Inanspruchnahme eines Pflegedienstes durch eine Rechnung, in der die Pflegeleistungen ausgewiesen werden
  • bei Besuchsfahrten zu einem in einem Pflegeheim untergebrachten Angehörigen oder zur krankheitsbedingten Betreuung eines Angehörigen z.B. durch Vorlage von Fahrkarten und Tankquittungen

Heimunterbringung

Die Entscheidung für eine Unterbringung in einem Heim ist gefallen. Ob nun pflege-, krankheits- oder altersbedingt spielt für Sie oder Ihren Angehörigen vielleicht keine Rolle – für den Gesetzgeber aber schon.

Ist die Heimunterbringung jedoch „nur“ altersbedingt veranlasst, ist zu unterscheiden. Die Kosten für Ihre eigene Heimunterbringung können Sie nur im Rahmen einer Steuerermäßigung für haushaltsnahe Dienstleistungen berücksichtigen. Bei der altersbedingten Heimunterbringung handelt es sich um Unterstützungsleistungen Bedürftiger.

Kürzungen bei den Heimunterbringungskosten

Zuschüsse und Kostenerstattungen von Dritten mindern Ihre absetzbaren Heimunterbringungskosten. Zudem wird die Ersparnis aus der Auflösung des eigenen Haushaltes. Abgezogen. Diese Haushaltsersparnis beträgt:

 
Jahr Pro Jahr Pro Monat Pro Tag
2018 9.000,00 € 750,00 € 25,00 €
2017 8.820,00 € 735,00 € 24.50 €
2016 8.652,00 € 721,00 € 24,03 €

Betreutes Wohnen

Immer mehr ältere Menschen entscheiden sich für Betreutes Wohnen in einem Seniorenheim. Dort unterhalten Sie einen eigenen Haushalt mit Kochgelegenheit. Doch die Verträge der Heimbetreiber sehen meist vor, dass der Bewohner verpflichtend für Mittagsmenüs im hauseigenen Restaurant bezahlen muss.

Hier war lange Zeit strittig, ob die Zubereitung von Mahlzeiten und das Servieren der Mahlzeiten im Speisesaal eines Seniorenheimes steuerlich begünstigt sind. Nun gilt: Menüs senken die Steuer, und zwar als haushaltsnahe Dienstleistung.

Die Kosten werden als Steuerermäßigung in Höhe von 20 Prozent direkt von der Steuerschuld abgezogen, maximal 4.000 Euro im Jahr

Abzug der tatsächlichen Pflegekosten

Der Ansatz der tatsächlichen Kosten kommt insbesondere dann in Betracht, wenn die gepflegte Person zwar pflegebedürftig, aber nicht hilflos ist oder die Pflege nicht zu Hause erfolgt, sondern in einem Pflegeheim.

Zu fit für die Pflegestufe 1

Denn nur wenn der Medizinische Dienst der Krankenkasse den Pflegebedürftigen in eine Pflegestufe einordnet, fließen Leistungen aus der Pflegeversicherung. Weil Elfriede Hengst nicht immer so viel Pflege benötigt, fällt sie in keine der Kategorien. Um die niedrigste Pflegestufe 1 zu erreichen, müsste sie – so heißt es wörtlich im Gesetzestext – regelmäßig und auf Dauer, täglich und durchschnittlich mindestens 90 Minuten Hilfe in Anspruch nehmen. Das ist aber nicht der Fall. Da sie in ihrer Alltagskompetenz aber grundsätzlich eingeschränkt ist, spricht man gemeinhin von Pflegestufe 0. Mit Blick auf die Heimkosten bringt ihr das zunächst nichts. Die muss sie komplett aus eigener Tasche tragen.

Ihr Sohn versuchte daher, für seine Mutter die Pflegeaufwendungen als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abzusetzen. Zur Erklärung: Elfriede Hengst ist wegen hoher Mieteinkünfte auch im Rentenalter noch steuerpflichtig. Ein erster Versuch scheiterte 1999. Das Finanzamt ließ die Kosten für die Pflegeleistungen nicht zu. Denn, so der Fiskus, Aufwendungen wegen Pflegebedürftigkeit seien nur bei Menschen zu berücksichtigen, die durch den Medizinischen Dienst mindestens der Pflegestufe 1 zugeordnet worden seien. Wer dagegen wie Elfriede Hengst zur Kategorie Pflegestufe 0 gehöre, dürfe die Heimrechnung nicht von der Steuer absetzen.

Werner Hengst zieht vor Gericht, klagt sich in mehr als neun Jahren durch die Instanzen bis zum Bundesfinanzhof. Und die Richter in München geben Werner Hengst recht (Urteil vom 10. Mai 2007, Az. III R 39/05). Ihre Begründung: Auch bei einem geringeren Grad der Pflegebedürftigkeit sind Pflegeaufwendungen abziehbar, wenn die Hilfsbedürftigkeit nachgewiesen und Pflegeleistungen tatsächlich angefallen sind. Denn stellt das Heim einem Bewohner Pflegesätze in Rechnung, die es mit dem Sozialhilfeträger für einen Pflegebedarf unterhalb der Pflegestufe 1 vereinbart hat, ist davon auszugehen, dass der Heimbewohner pflegebedürftig war. Schließlich hat das Heim die entsprechend notwendigen Leistungen erbracht. Damit die Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung anerkannt werden, muss grundsätzlich eine Krankheit vorliegen, die entsprechende Pflegeleistungen erfordert. Heimkosten müssen in der Rechnung detailliert ausgewiesen werden.

Wenn die Kinder zahlen müssen

Doch nicht jeder kann wie Elfriede Hengst seine Heimkosten selbst zahlen. Häufig müssen die Kinder der Pflegebedürftigen zumindest anteilig für die Kosten aufkommen. Sind sie ihren Eltern gegenüber unterhaltspflichtig, haben sie ebenfalls die Möglichkeit, die Kosten von der Steuer abzusetzen. Wer allerdings ohne gesetzliche Verpflichtung zahlt, kann die Heimkosten in der Regel nicht steuerlich geltend machen. Das interpretiert der Fiskus als eine freiwillige Leistung. Elfriede Hengst und ihr Sohn haben beim Bundesfinanzhof ein wichtiges Urteil erstritten. Darauf sind sie stolz. Denn für betroffene Heimbewohner ohne Pflegestufe bedeutet es eine große steuerliche Entlastung.

Heimkosten bei Pflegestufe 1- 3 als außergewöhnliche Belastung

Wer in eine der drei Pflegestufen gruppiert ist, kann die Heimrechnung von der Steuer absetzen. Allerdings muss er sich einige Abzüge gefallen lassen:

  • Die sogenannte Haushaltsersparnis in Höhe von 7.680 Euro pro Jahr. Die Finanzämter gehen davon aus, dass Lebenshaltungskosten immer anfallen. Unabhängig davon, ob jemand krank ist oder nicht. Und die können nicht abgesetzt werden.
  • Die zumutbare Eigenbelastung. Je nach Einkommen und Familienstand können zwischen einem und sieben Prozent der Gesamteinkünfte nicht abgesetzt werden. Das gilt ebenfalls für Kinder, die ihren Eltern Unterhalt zahlen.

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.

Auch wenn die kostenlosen und frei zugänglichen Inhalte dieser Webseite mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, übernehmen wir keine Gewähr für deren Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Der Aufruf dieser Inhalte begründet mangels Rechtsbindungswillens unsererseits keinerlei Vertragsverhältnis. Außer im Falle von Vorsatz übernehmen wir keine Haftung für etwaige aus der Verwendung der Inhalte resultierende Schäden.

Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen