Preisgelder aus Fernsehshows

Preisgelder aus Fernsehshows

Trotz Millionengewinn kein Millionär


Sie schießen wie Pilze aus dem Boden: Unterhaltungssendungen wie „Millionärswahl“ oder „Die Farm“. Gelockt wird mit hohen Preisgeldern. Doch wann müssen diese mit dem Finanzamt geteilt werden?

Fiskus sucht den Millionär

Zappt man durch das Fernsehprogramm kommt man an ihnen nicht mehr vorbei: Reality-Shows, bei denen sich Teilnehmer unter widrigen Bedingungen für einen längeren Zeitraum wegsperren lassen. Die Kamera immer dabei. Gesucht werden Supertalente, Superstars – und auch Millionäre. Denn am Ende des skurrilen Spektakels wird ein Sieger gekürt, der meist mit einem verlockend hohen Preisgeld „entschädigt“ wird. Doch auch Vater Staat hält die Hand auf…

Axtwerfen und Melken steuerpflichtig?

Die neueste Entscheidung betrifft den Sieger der RTL-Show „Die Farm“ aus 2010. In diesem Format mussten zwölf Kandidaten über sieben Wochen auf einem abgelegenen Bauernhof leben. Dabei nahmen sie an Ausscheidungsspielen wie Axtwerfen oder Melken teil. Jeder Kandidat erhielt für die Dauer der Teilnahme eine Wochenpauschale. Der Gewinner des letzten Spieles bekam zudem einen von RTL vertraglich zugesicherten Gewinn i.H.v. 50.000 Euro ausgezahlt. Das Finanzamt wollte sowohl Wochenpauschale als auch den „Projektgewinn“ versteuern.

Der Teilnehmer klagte dagegen. Er sah bei dem Preisgeld einen Gewinn ähnlich wie beim Glücksspiel – diese unterliegen nicht der Steuer. Der Ausgang der Spiele sei stark vom Zufall abhängig und daher wie ein Glücksspiel zu beurteilen. Doch das Finanzgericht Münster entschied gegen ihn und für den Fiskus. Der Gewinn muss versteuert werden.

Glück oder Können?

Begründung der Richter beim jüngsten Urteil: Den „Projektgewinn“ habe der Teilnehmer durch Geschicklichkeit und Wissen erlangt. Mit Glück habe dies nichts zu tun. Die Wochenpauschale sei eine Gegenleistung für seine ständige Anwesenheit gewesen. Auch habe der Kläger die Einnahmen als Gegenleistung für seine Teilnahme an der Sendung, seine ständige Anwesenheit sowie die Überlassung der Verwertungsrechte am Bild- und Tonmaterial erhalten.

Selbst die unentgeltliche Unterkunft und Verpflegung wurde vom Gericht als Einnahmen nach den amtlichen Bezugswerten angesetzt.Trostpflaster für den vermeintlichen Glückspilz: Die Pauschalen für Verpflegungsmehraufwendungen wurden als Werbungskosten in seiner Steuererklärung berücksichtigt.

Allgemeinwissen ist Glücksache

Auch Deutschlands nächste Superstars aus DSDS müssen ihre 500.000 Euro Gewinn mit dem Fiskus teilen. Gleiches gilt für andere Formate wie „Big Brother“ oder „Einsatz in vier Wänden“. Wer seine Millionen nicht mit dem Staat teilen möchte, wohl aber mit Kameras, kann sich immerhin noch bei „Wer wird Millionär“ bewerben: Der Gewinn aus der Quiz-Sendung ist steuerfrei, da er mit einem Lottogewinn gleichstellt wird.

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