Bogen rund

Private Nutzung beim Firmenwagen

Welcher Wert zählt?


Wer einen Firmenwagen vom Arbeitgeber auch privat nutzen darf, muss einen privaten Nutzungswert als geldwerten Vorteil versteuern. Nur welcher Wert ist für die 1-Prozent-Regelung maßgeblich: Der Brutto-Neupreis oder der tatsächliche Kaufpreis?

Listenpreis entscheidend

Nach Auffassung der Finanzverwaltung ist der Listenpreis auch für Gebrauchtwagen zugrunde zu legen, die wesentlich weniger als den Brutto-Listenpreis gekostet haben. Ebenfalls ist der Listenpreis maßgebend, wenn der Arbeitgeber beim Kauf einen hohen Rabatt erhalten hat oder wenn das Fahrzeug zu Beginn der Nutzungsüberlassung bereits abgeschrieben ist.

Auch bei Gebrauchtwagen

Nun hat der Bundesfinanzhof die Praxis der Finanzverwaltung bestätigt: Die 1-Prozent-Pauschalregelung ist auch bei Gebrauchtwagen vom Bruttolistenneupreis zu berechnen. Dass der Bruttolistenpreis, wie er im Zeitpunkt der Erstzulassung gilt, auch Jahre später bei Gebrauchtwagen und bei Käufen mit hohen Rabatten für die Berechnung des geldwerten Vorteils zugrunde gelegt wird, begegnet keinen verfassungsrechtlichen Bedenken.

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Der Fall

Der Arbeitnehmer erhielt als Firmenwagen ein drei Jahres altes Gebrauchtfahrzeug, das 32.000 Euro gekostet hatte. Der Bruttolistenpreis betrug 81.400 Euro. So musste der Mitarbeiter für die private Nutzung monatlich 814 Euro als Arbeitslohn versteuern – und nicht etwa bloß 320 Euro. Gleichwohl halten die BFH-Richter diese Regelung für verfassungsgemäß.

Pauschale Bewertung

Die 1-Prozent-Pauschalregelung ist eine stark typisierende und pauschalierende Bewertungsregelung. Deshalb bleiben individuelle Besonderheiten hinsichtlich der Art und der Nutzung des Dienstwagens grundsätzlich ebenso unberücksichtigt wie nachträgliche Änderungen des Fahrzeugwertes. So erhöht etwa der nachträgliche Einbau von Zusatzausstattungen ebenfalls nicht die Bemessungsgrundlage. Andererseits bleibt der inländische Listenpreis auch dann Bemessungsgrundlage, wenn der Arbeitgeber das Fahrzeug gebraucht angeschafft hat, beim Kauf einen hohen Rabatt erhalten hat oder bereits einen Großteil der Anschaffungskosten abgeschrieben hat.

Vorteile der Berechnung

Die Richter weisen darauf hin, dass der Vorteil der 1-Prozent-Regelung nicht nur das Zurverfügungstellen des Fahrzeugs selbst umfasst, sondern auch die Übernahme sämtlicher damit verbundener Kosten wie Steuern, Versicherungsprämien, Reparatur- und Wartungskosten sowie insbesondere der Treibstoffkosten. Alle diese Kosten seien ohnehin weder im Bruttolistenneupreis noch in den tatsächlichen Anschaffungskosten abgebildet.

Arbeitslohn

Bei Anwendung der Pauschalmethode ist jeden Monat 1 Prozent des Listenpreises dem Arbeitslohn hinzurechnen. Der Listenpreis ist die unverbindliche Preisempfehlung des Fahrzeug-Herstellers auf dem deutschen Markt – einschließlich Umsatzsteuer. Dieser Wert ist auf volle 100 Euro abzurunden. Maßgebend ist der Listenpreis im Zeitpunkt der Erstzulassung.

Tipp: Um in diesen Fällen eine krasse Überbesteuerung zu vermeiden, hilft nur eins: Ermitteln und versteuern Sie den privaten Nutzungswert nach der Fahrtenbuchmethode. Das ist zwar mit deutlich mehr Mühe verbunden, denn alle dienstlichen und privaten Fahrten müssen lückenlos in einem Fahrtenbuch aufgezeichnet werden. Doch der Lohn der Mehrarbeit liegt in einem wesentlich niedrigeren Steuerbetrag.

Bundesfinanzhof, Aktenzeichen VI R 51/11

Wenn der Firmenwagen mehr als 10 % privat gefahren wird

Welche Voraussetzungen hat der Steuervorteil?

Eine Voraussetzung für die Bildung eines IABs ist, dass der Firmenwagen mindestens bis zum Ende des folgenden Jahres, das auf die Investition folgt, ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt wird. Ist diese Bedingung bei geplanter Anschaffung eines Pkw realistisch?

Ein Pkw wird ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt, wenn Sie ihn zu nicht mehr als zehn Prozent privat nutzen. Dabei können Sie die Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb der betrieblichen Nutzung zurechnen. Falls Sie den Privatanteil nach der Ein-Prozent-Pauschalmethode ermitteln, gehen die Finanzämter grundsätzlich von einer privaten Nutzung von mehr als zehn Prozent aus. Negative Folge: sie verweigern die Anerkennung des IABs.

Ein-Prozent-Methode nicht erlaubt

Nun hat das Finanzgericht Sachsen die Auffassung der Finanzverwaltung bestätigt. Es entschied, dass bei Anwendung der Ein-Prozent-Pauschalmethode für ein betriebliches Fahrzeug ein IABs nicht abgezogen werden darf. Der in einem Vorjahr für die Anschaffung des Fahrzeugs gebildete IAB mangels einer nahezu ausschließlich betrieblichen Nutzung rückgängig zu machen ist.

Es widerspreche jeglicher Lebenserfahrung, dass ein Firmenwagen mit Ein-Prozent-Regelung ausschließlich oder nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird. Denn die Besteuerung mittels Ein-Prozent-Regelung entspreche einem Privatanteil von 20 bis 25 Prozent. Und dies ist nicht mehr eine fast ausschließlich betriebliche Nutzung (Aktenzeichen 8 K 1799/15).

Versicherungsvertreter wurde IAB rückwirkend aberkannt

Ein Versicherungsvertreter hatte einen IAB für einen Firmenwagen steuermindernd abgezogen. Da er den neu angeschafften Pkw auch privat nutzte, legte er dem Finanzamt ein Fahrtenbuch vor. Doch dieses verwarfen die Beamten als nicht ordnungsgemäß. Stattdessen kam zur Ermittlung des privaten Nutzungsanteils die Ein-Prozent-Pauschalmethode zum Einsatz. An dieser Methode scheiterte schließlich der IAB.

Weil das Fahrtenbuch verworfen wurde, nahm das Finanzgericht also an, dass der Versicherungsvertreter den Pkw nur zu 75 Prozent bis 80 Prozent betrieblich genutzt hatte. Daher wurde ihm der IAB rückwirkend wieder aberkannt.

Wie Sie den Steuervorteil trotzdem erhalten

Für den neu angeschafften Firmenwagen dürfen Sie also nicht die Ein-Prozent-Pauschalmethode anwenden. Vielmehr ist die fast ausschließlich betriebliche Nutzung nur mittels Fahrtenbuches nachzuweisen. Sollten Sie für das alte Fahrzeug die Pauschalmethode angewendet haben, können Sie für das neue Fahrzeug die Fahrtenbuchmethode wählen.

Versprechen Sie dem Finanzbeamten, den Umfang der betrieblichen Nutzung des neuen Fahrzeugs in den ersten zwei Jahren durch ein Fahrtenbuch zu dokumentieren. Berufen können Sie sich dabei auf den Bundesfinanzhof (Aktenzeichen VIII B 190/09).

Was gilt beim Mittagessen zu Hause?

Was aber gilt, wenn der Arbeitnehmer den Firmenwagen nicht nur für die morgendliche Hinfahrt zur Arbeit und die abendliche Rückfahrt zur Wohnung nutzt, sondern auch noch für die mittäglichen Heimfahrten zur Einnahme des Mittagessens? Sind diese Fahrten ebenfalls mit dem Zuschlag von 0,03 Prozent abgegolten?

Privatfahrten

Das Finanzgericht Baden-Württemberg hat eine Entscheidung zu Ungunsten der Arbeitnehmer gefällt: Die mittäglichen Heimfahrten mit dem Firmenwagen gelten nicht als “Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte” und sind daher nicht mit dem 0,03 Prozent-Zuschlagswert abgegolten. Vielmehr sind diese Fahrten den “Privatfahrten” zuzurechnen und im 1 Prozent-Nutzungswert enthalten. Sofern aber wegen des Verbots der Privatnutzung die 1 Prozent-Pauschalmethode nicht zur Anwendung kommt, muss allein wegen der Mittagheimfahrten ein Nutzungswert von 1 Prozent des Listenpreises versteuert werden (FG Baden-Württemberg vom 27.10.2011, EFG 2012 S. 604).

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