Reine Männervereine nicht gemeinnützig?

Reine Männervereine nicht gemeinnützig?

Freimaurer verlieren Gemeinnützigkeit


Eine Freimaurerloge verlor nun Ihre Gemeinnützigkeit. Dies könnt auch anderen Vereinen drohen, die Frauen aufgrund ihres Geschlechtes als Mitglieder ausschließen.

Gemeinnützigkeit für den Spendenabzug wichtig

Spenden und Mitgliedsbeiträge können Sie bei der Steuererklärung als Sonderausgaben absetzen. Vorausgesetzt, sie werden für steuerbegünstigte Zwecke geleistet. Dazu gehören neben mildtätigen und kirchlichen Zwecken vor allem gemeinnützige Zwecke.

Wie sich Spenden bei Ihrer Steuererklärung auswirken

 

Männerverein: Im Dienste der Allgemeinheit?

Die Gemeinnützigkeit eines Vereins setzt voraus, dass seine Tätigkeit der Allgemeinheit zugutekommt. Die Vereinstätigkeit muss also darauf gerichtet sein, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet zu fördern. Dies ist nicht gegeben, wenn der Kreis der geförderten Personen infolge seiner Abgrenzung dauernd nur klein sein kann.

So fördert ein Verein nicht die Allgemeinheit, wenn seine Tätigkeit in erster Linie seinen Mitgliedern zugute kommt und er den Kreis der Mitglieder durch hohe Aufnahmegebühren oder Mitgliederbeiträge klein hält.

Freimaurerloge nicht gemeinnützig

Das aktuelle Urteil des Bundesfinanzhofes erschüttert nun die deutsche Vereinskultur: Ein Verein soll also nicht mehr gemeinnützig sein, wenn er Frauen ohne sachlich zwingenden Grund von der Mitgliedschaft ausschließt.

In diesem Fall fördert der Verein nicht die „Allgemeinheit“, da auch Frauen – wer hätte das gedacht- ein Teil der Allgemeinheit sind. Das Urteil erging zu einer traditionellen Freimaurerloge, die nur Männer als Mitglieder aufnimmt und nur diesen das Ritual in den Tempelarbeiten ermöglicht (Aktenzeichen V R 52/15).

Gemeinnützige Zwecke der Freimaurerloge vorhanden

Die Freimaurerloge fördert edle und gemeinnützige Zwecke. Nach § 1 ihrer Satzung ist sie eine auf vaterländischer und christlicher Grundlage beruhende Vereinigung wahrheitsliebender, ehrenhafter Männer zur Pflege der Freimaurerei.

Dies umfasst „die Förderung wahrer christlicher Religiosität, allgemeiner Menschenliebe, Hebung der Sittlichkeit und Erhöhung der Würde und des Wohles der Menschheit durch vorbildlichen, einwandfreien Lebenswandel, Duldsamkeit auf allen Gebieten der Kultur und Eintreten für freundschaftliche Annäherung der Völker unter Wahrung der Liebe zum eigenen Vaterland“.

Männerverein diskriminiert Frauen durch Nichtaufnahme

Doch nach neuer Einsicht des BFH ist ein Verein, der entgegen Art. 3 Abs. 3 GG die wesensmäßige Gleichheit aller Menschen in Abrede stellt, mangels Förderung der Allgemeinheit nicht als gemeinnützig einzustufen.

Die Freimaurerloge diskriminiert Frauen, da sie nur Männer als Mitglieder aufnimmt. Damit steht nur diesen das Erlebnis des Rituals in den Tempelarbeiten offen. Für den Ausschluss von Frauen konnte die Loge keine zwingenden sachlichen Gründe anführen.

Ausnahme: Religionsgemeinschaften

Ohne Erfolg verweisen die Freimaurer darauf, dass katholische Ordensgemeinschaften als gemeinnützig anerkannt würden, obwohl sie ebenfalls Männer oder Frauen von der Mitgliedschaft ausschließen. Doch dies spielt hier keine Rolle, denn die Orden sind wegen „Förderung mildtätiger oder kirchlicher Zwecke“ anerkannt, nicht wegen „Förderung der Allgemeinheit“.

Tradition kein Grund für Ausschluss von Frauen

Der Ausschluss von Frauen als Mitglieder wird auch nicht durch die Tradition der Freimaurerlogen gerechtfertigt. Die heutige Freimaurerei ist aus sog. Steinmetzbruderschaften des Mittelalters hervorgegangen, also den Vereinigungen jener Kunsthandwerker, die mit der Errichtung von Kathedralen ihren Unterhalt verdienten. Der Hinweis auf die geschichtliche Tradition ist allerdings nicht geeignet, die Ungleichbehandlung im Urteilsfall zu rechtfertigen.

Auch andere Vereine betroffen

Wer die Allgemeinheit wirklich „selbstlos fördern“ will, wie es das Gesetz fordert, kann nicht einfach die eine Hälfte dieser Allgemeinheit von vornherein ausschließen. Und sich zugleich aber und seine Gönner vom Staat mit Steuervorteilen päppeln lassen.

Das neue BFH-Urteil wird möglicherweise Auswirkungen auf zahlreiche Vereine haben, die die Gemeinnützigkeit in Anspruch nehmen, aber ein Geschlecht – Männer oder Frauen – ohne sachlichen Grund von der Mitgliedschaft ausschließen, z.B. Schützenbruderschaften, Männergesangsvereine, Frauenchöre, Burschenschaften, Studentenvereinigungen, Junggesellenvereine, katholische Männervereine.

Aktuell hat bereits die Thüringer Finanzministerin Heike Taubert auf das neue Urteil reagiert. Sie verkündete: „Die Existenz unserer als gemeinnützig anerkannten Vereine in Thüringen sehe ich grundsätzlich nicht bedroht. Die Vorstände und Mitglieder gemeinnütziger Vereine müssen keine Angst haben. In Thüringen darf in Männer- und Frauenchören weiter gesungen werden“ (PM vom 11.8.2017).

1 comment

eigener Kommentar
  1. 1
    J. D. Brützel

    schön, daß wir uns jeden Unsinn leisten können. Wir haben allerdings zu viele Leute die aus Langeweile so lange auf ihrem Bleistift herumkauen dürfen bis ihnen was einfällt, hoch bezahlt natürlich. Gender ist für jeden Schwachsinn gut.

+ Kommentar hinterlassen