Rentner

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So mindern Sie Ihre Steuerlast


Viele Rentner und Pensionäre sind steuerpflichtig – und müssen eine Einkommensteuererklärung abgeben. Doch das heißt nicht automatisch, dass Sie auch Steuern zahlen müssen. Wir haben einige nützliche Tipps zusammengestellt, wie Sie am besten Ihre Steuerlast drücken.

Spenden

Zuwendungen an Kirche, Wohlfahrtsverbände oder Parteien können die Steuer mindern. Bei Spenden bis 200 Euro genügt der Nachweis der Zahlung anhand einer Kopie des Kontoauszugs. Bei Spenden über 200 Euro muss die Spendenbescheinigung im Original der Erklärung beigelegt werden.

Tipp: Sind Sie dem Spendenaufruf einer Fernsehsendung nachgekommen? Da bei solchen Anrufaktionen häufig die Spenden über die Telefonrechnung abgerechnet werden, legen Sie der Steuererklärung eine Kopie Ihrer Telefonrechnung bei, um die Zahlung nachzuweisen.

Seniorenstudium

Bilden Sie sich auch noch im Alter fort? Dann können Sie die Ausgaben für Ihr Seniorenstudium bei der Steuer ansetzen – mit bis zu 4.000 Euro im Jahr. Voraussetzung für den Abzug ist, dass Sie nach Abschluss eine studiumsbezogene Berufstätigkeit anstreben. Dafür reicht es aus, wenn Sie sich für eine Teilzeitbeschäftigung bewerben -auch wenn Sie wegen Ihres Alters nur geringe Chance haben, die Stelle zu erhalten. Weisen Sie dies anhand der Bewerbungsunterlagen nach

Krankheitskosten

Ausgaben für Ihre Gesundheit können Sie als außergewöhnliche Belastungen abziehen – soweit die Kosten die so genannte zumutbare Eigenbelastung übersteigen.Dazu gehören zum Beispiel Kosten für Medikamente, Zahnersatz, Hilfsmittel wie Prothesen oder Krankenhausaufenthalte. Diese Kosten können Sie aber nur dann absetzen, wenn die Krankenkasse sie nicht für Sie übernommen hat.

Kur

Haben Sie vor, aus gesundheitlichen Gründen auf Kur zu gehen und müssen einen Großteil der Kosten selbst bezahlen? Auch dies zählt zu den absetzbaren Krankheitskosten. Lassen Sie sich aber vor Kurantritt unbedingt ein amtsärztliches Attest ausstellen, welches bescheinigt, dass dieser Aufenthalt medizinisch notwendig ist.

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Pflegeheim

Bewohner eines Pflegeheims, Altenheims oder einer Seniorenresidenz können die Ausgaben für die Unterbringung steuerlich geltend machen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie aus krankheitsbedingten Gründen in einem Pflegeheim untergebracht sind. Dafür muss mindestens ein Schweregrad der Pflegebedürftigkeit bestehen (Pflegestufe I, II oder III).

Für Bewohner eines Heimes gilt nach Abschluss eines Heimvertrages Folgendes: Aufwendungen für Dienstleistungen, die innerhalb des Appartements erbracht werden, sind begünstigt. So auch die Reinigung des Appartements. Aufwendungen für Dienstleistungen, die außerhalb des Appartements erbracht werden, sind nur dann begünstigt, wenn im Heim ein eigenständiger und abgeschlossener Haushalt geführt wird.

Rückwirkende Feststellung einer Behinderung beantragen

Sind Sie körperlich, seelisch oder geistig wegen einer Erkrankung im Alltag eingeschränkt? Dann bemühen Sie sich beim Versorgungsamt um die Feststellung einer Behinderung. Denn je nach Schwere der Behinderung stehen ihnen für die typischen Krankheitskosten folgende Pauschbeträge zu:

Grad der Behinderung (in Prozent) Behinderten-Pauchbetrag (jährlich)
25 -30 310 €
35-40 430 €
45-50 570 €
55-60 720 €
65-70 890 €
75-80 1.060 €
85-90 1.230 €
95-100 1.420 €

 

 

 

 

 

 

 

Tipp: Stellt das Versorgungsamt eine Behinderung für rückwirkende Jahre fest, muss das Finanzamt alte Steuerbescheide dementsprechend ändern.

Pauschale Fahrtkosten bei Behinderung

Neben dem Behinderten-Pauschbetrag können Sie auch Fahrtkosten steuerlich abziehen. Dafür muss ein Grad der Behinderung von mindestens 80 Prozent oder mindestens 70 Prozent mit Merkzeichen G vorliegen. Für jede durch ihre Behinderung unvermeidbare Fahrt (zu Ärzten, Behandlungen, Behörden usw.) können Sie ohne Nachweis 30 Cent je Kilometer ansetzen- für bis zu 3.000 gefahrene Kilometer. Auch für 5.000 weitere Kilometer können Sie die Ausgaben ansetzen, nur ist hierfür ein Einzelnachweis erforderlich.

Bei Merkzeichen „aG“, „Bl“ oder „H“ können Sie für alle Privatfahrten bis zu insgesamt 15.000 Kilometer je 30 Cent geltend machen. Dem Finanzamt müssen Sie dafür ein Fahrtenbuch vorlegen. Sind beide Ehepartner behindert, können Sie die Kosten doppelt abziehen, selbst wenn Sie nur ein gemeinsames Auto benutzen.

Haushaltshilfe

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Haben Sie eine Haushaltshilfe im regulären Dienstverhältnis engagiert? Oder kommt täglich ein ambulanter Pflegedienst zu Ihnen und reinigt die Wohnung? Dann können Sie 20 Prozent der Gehaltszahlungen, max. 4.000 Euro steuerminderd ansetzen. Bei Anstellung auf 400-Euro-Basis beträgt die Anrechnung ebenfalls 20 Prozent der Gehaltszahlungen, maximal jedoch 510 Euro. Ausgaben für Essen auf Rädern können nicht als haushaltsnahe Dienstleistung, jedoch als außergewöhnliche Belastungen angesetzt werden. (Urteil des Finanzgerichts Münster, Aktenzeichen 14 K 1226/10 ).

Tipp: Bei Personen, bei denen eine Pflegebedürftigkeit der Stufen I bis III vorliegt, nach § 43 Abs. 3 SGB XI als Härtefall anerkannt sind oder Leistungen von der Pflegeversicherung beziehen, wird der Höchstbetrag der Steuerermäßigung auf 1.020 Euro verdoppelt.

Unterhaltsleistungen

Unterstützen Sie Ihr Kind finanziell? Dann können Sie bis zu 8.004 Euro steuermindernd ansetzen. Voraussetzung ist, dass Sie für das Kind kein Kindergeld mehr erhalten und es kein eigenes Vermögen über 15.500 Euro hat. Hatte es im Jahr eigene Einkünfte über 624 Euro, werden diese vom absetzbaren Höchstbetrag abgezogen. Weisen Sie die von Ihnen getragenen Kosten durch Kontoauszüge nach.

Sind Sie gegenüber Ihren Enkelkindern unterhaltsverpflichtet, da Ihr Kind zur Unterstützung finanziell nicht in der Lage ist? Dann können Sie den sogenannten BEA-Freibetrag (Freibetrag für Betreuung, Erziehung und Ausbildung) auf sich übertragen lassen. Dieser beträgt 1.320 Euro bzw. 2.160 Euro, wenn Sie mit Ihrem Ehepartner eine gemeinsame Steuererklärung abgeben.

Werbungskosten

Das Finanzamt zieht von Ihrer Rente automatisch eine Pauschale von 102 Euro ab. Können Sie höhere Ausgaben wie Kosten für Rentenberater nachweisen, so erkennt das Finanzamt auch diese Ausgaben an.

Versicherungsbeträge

Rentner, die eine gesetzliche Rente beziehen, sollten dem Finanzamt in der Steuererklärung jeden Cent für Versicherungsbeiträge auflisten. Dabei sind folgende Arten zu unterscheiden:

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Krankenversicherung/ Pflegeversicherung: Die Beitragszahlungen sind in Höhe der Grundversorgung voll als Sonderausgaben abziehbar.

Sonstige Versicherungsbeiträge: Beiträge (Kfz-Haftpflicht, Privathaftpflicht, etc.) wirken sich steuerlich nur aus, wenn die Beitragszahlungen zur Kranken- und Pflegeversicherung 1.900 Euro bei Ledigen (bei Ehepaare 3.800 Euro) pro Jahr nicht übersteigen.

Gnadensplitting

Ist Ihr Ehepartner verstorben, geben Sie dies unbedingt in der Steuererklärung an. Ihr Einkommen wird im Jahr, das auf das Todesjahr folgt, ausnahmsweise noch nach der günstigen Splittingtabelle berechnet.

Was tun bei fehlenden Belegen?

Sie dachten, Sie müssen keine Steuererklärung mehr abgeben und haben deshalb keine Belege aufgehoben? Nun haben Sie eine Aufforderung vom Finanzamt und können keine Nachweise für Ihre Ausgaben erbringen? Dann gehen Sie wie folgt vor:

• Rekonstruieren Sie Ihre Ausgaben anhand Kontoauszügen.

• Fragen Sie bei Apotheken und Ärzten nach Rechnungsduplikaten.

• Listen Sie auf, welche Ausgaben Sie wann und warum getätigt haben. Vermerken Sie auf diesen Eigenbelegen, dass Sie die Originalbelege nicht aufgehoben haben, da Sie nicht mehr mit einer Steuerpflicht gerechnet haben.

3 Comments

eigener Kommentar
  1. 2
    C. Bahr

    Denn je nach Schwere der Behinderung stehen ihnen für die typischen Krankheitskosten folgende Pauschbeträge zu:
    80 Grad der Behinderung = 1.060 €. Was
    bedeutet das im einzelnen für mich ?!

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