Reserveoffizier-Anwärter

Reserveoffizier-Anwärter

Kindergeld während Ausbildung?


Seit 2011 wird der Wehrdienst nur noch freiwillig geleistet. Eingeführt wurde stattdessen ein neuer freiwilliger Wehrdienst, bestehend aus sechs Monaten Probezeit und bis zu 17 Monaten zusätzlichem Wehrdienst. Doch haben die Eltern während dieser Zeit Anspruch auf Kindergeld?

Ausbildung als Zeitsoldat

Wie beim früheren gesetzlichen Wehr- oder Zivildienst werden Kinder auch beim freiwilligen Wehrdienst steuerlich nicht berücksichtigt. Anders aber ist dies, wenn der Wehrdienst als Berufsausbildung zu werten ist, wie dies bei Offiziersanwärtern und Unteroffiziersanwärtern der Fall ist.

Gilt dies auch, wenn der Sohn als Zeitsoldat eine Ausbildung zum Reserveoffizier-Anwärter durchläuft?

Anspruch auf Kindergeld

Nun hat der Bundesfinanzhof entschieden, dass auch für Reserveoffizier-Anwärter Anspruch auf Kindergeld oder die steuerlichen Freibeträge besteht. Denn die Ausbildung zum Reserveoffizier-Anwärter entspricht bezüglich Ablauf, Inhalten und Dauer der Ausbildung der aktiven Offizieranwärter des Truppendienstes ohne Studium.

Auch die Reserveoffizier-Anwärter haben vor der Beförderung zum Leutnant eine Offizierprüfung mit Erfolg abzulegen, die bei Nichtbestehen einmal wiederholt werden kann (Aktenzeichen III R 41/13).

Wie Berufsausbildung anzusehen

Nicht nur der „Offizier des Truppendienstes“, sondern auch der „Reserveoffizier“ ist ein Beruf gemäß Einkommensteuergesetz. Es ist durchaus möglich, dass Reserveoffizier-Anwärter als Offiziersanwärter übernommen und Reserveoffiziere zu Berufsoffizieren ernannt werden. Es steht dem Kind also grundsätzlich offen, seine Dienstzeit zu verlängern und nach der Beförderung zum Leutnant den Beruf des Offiziers des Truppendienstes auszuüben.

 Hinweis

Übrigens ist es nicht erforderlich, im erlernten Beruf später auch tatsächlich tätig zu werden.

Es liegt also eine Berufsausbildung vor, „auch wenn das Kind sich noch nicht festgelegt hat, ob es einen Antrag auf Verlängerung der Dienstzeit oder auf Übernahme als Berufssoldat stellt oder ob es am Ende der Dienstzeit als Reserveoffizier aus der Bundeswehr ausscheidet.“

Freibeträge und Vergünstigungen

Seit.2012 hängen die Vergünstigungen nicht mehr von der Höhe des Kindeseinkommens ab, denn die Einkommensprüfung ist weggefallen. Jetzt prüfen die Familienkassen und Finanzämter, ob die Berufsausbildung eine Erst- oder Zweitausbildung ist.

Eine Erstausbildung ist unschädlich. Sollte es sich um eine Zweitausbildung handeln, wäre eine Erwerbstätigkeit von mehr als 20 Wochenstunden zwar schädlich, doch dies ist hier nicht der Fall, weil die Tätigkeit ein Ausbildungsdienstverhältnis darstellt. Die Eltern erhalten jetzt unabhängig vom Einkommen des Kindes Kindergeld, bis das Kind 25 Jahre alt wird. Außerdem besteht Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag.

Auch haben die Eltern Anspruch auf den Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro, sofern das Kind auswärts untergebracht ist. Seit 2012 spielt das Einkommen des Kindes keine Rolle mehr, und deshalb bekommen die Eltern den Ausbildungsfreibetrag, solange Anspruch auf Kindergeld besteht.

Vorteile für das Kind

Für das Kind selber bedeutet die BFH-Entscheidung auch einen großen Vorteil: Die Ausbildung zum Reserveoffizier-Anwärter gilt als Erstausbildung. Falls das Kind nach dem Wehrdienst ein Studium aufnimmt oder eine andere Ausbildung außerhalb eines Dienstverhältnisses (Lehre) absolviert, sind alle Kosten in unbegrenzter Höhe als Werbungskosten absetzbar, führen bei fehlendem Einkommen zu einem Verlustvortrag und später im ersten Berufsjahr zu einer wunderbaren ordentlichen Steuererstattung.

 

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