Ruheständler und Steuererklärung

Ruheständler und Steuererklärung

Wann Sie eine Erklärung abgeben müssen


Rentner sind per Gesetz verpflichtet eine Einkommensteuererklärung beim Finanzamt einreichen. Aber nur, wenn bestimmte Kriterien auf eine Überschreitung des steuerfreien Grundfreibetrages schließen lassen. Aber auch, wenn noch nicht versteuerte Einkünfte vorliegen oder wenn bei Pensionären der bereits während des Jahres einbehaltene Lohnsteuerabzug zu niedrig war.

Ansonsten muss nach der Abgabenordnung eine Steuererklärung angefertigt werden, wenn das Finanzamt dazu auffordert.

Rentner ohne Arbeitslohn

Erhalten Sie als Rentner und der Ehepartner keine Werkspension, keine Beamtenpension und auch keinen lohnsteuerpflichtigen Arbeitslohn aus aktiver Nebenbeschäftigung? Dann müssen Sie eine Steuererklärung nur abgegeben werden, wenn der Gesamtbetrag der Einkünfte den steuerfreien Grundfreibetrag überschreitet.

Dieser beträgt bei Alleinstehenden/bei Einzelveranlagung bzw. für Verheiratete/bei Zusammenveranlagung:

  • 2015: 8.472 Euro bzw. 16.944 Euro
  • 2016: 8.652 Euro bzw. 17.304 Euro

Pensionäre sowie Rentner mit Arbeitslohn

Beamtenpensionäre sowie Rentner mit Versorgungsbezügen (Werkspension) oder zusätzlichen anderweitigen lohnsteuerpflichtigen Einkünften aus Arbeitnehmertätigkeit müssen wie normale Arbeitnehmer auch eine Steuererklärung abgeben, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn

  • bestimmte steuerfreie, aber dem Progressionsvorbehalt unterliegende Lohnersatzleistungen (z.B. Arbeitslosengeld I, Aufstockungsbetrag bei Altersteilzeit) von mehr als 410 Euro im Jahr des Eintritts in den Ruhestand bezogen worden sind;
  • ein Pensionär gleichzeitig Arbeitslohn von mehreren Arbeitgebern bezogen hat (als Arbeitslohn in diesem Sinne gelten auch Versorgungsbezüge und Betriebsrenten aus früheren Dienstverhältnissen);
  • beide Ehepartner/eingetragene Lebenspartner Arbeitslohn bezogen haben und einer von ihnen für das Kalenderjahr oder einen Teil des Kalenderjahres nach der Steuerklasse V oder VI besteuert worden ist oder beide die Steuerklassen-Kombination IV/IV mit Faktor gewählt haben;
  • vom Finanzamt ein Lohnsteuerfreibetrag eingetragen worden ist (Ausnahmen: Behinderten-Pauschbetrag, Freibeträge für Kinder). Die Veranlagungspflicht entfällt aber, wenn der im Kalenderjahr 2015 insgesamt erzielte Arbeitslohn 10.800 Euro bzw. bei zusammen veranlagten Partnern 20.500 Euro nicht übersteigt und keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte vorliegen;
  • beide Elternteile eine Aufteilung des einem Kind zustehenden Pauschbetrags für Behinderte oder Hinterbliebene in einem anderen Verhältnis als je zur Hälfte beantragen;
  • einer der Ehe-/Lebenspartner die Einzelveranlagung beantragt;
  • beim Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber Entschädigungen (z.B. eine Abfindung) oder Arbeitslohn für mehrere Jahre ermäßigt besteuert worden sind (Anwendung der Fünftelregelung);
  • die Ehe des Ruheständlers im Veranlagungszeitraum durch Tod, Scheidung oder Aufhebung aufgelöst worden ist und er oder sein Ehegatte der aufgelösten Ehe im Veranlagungszeitraum wieder geheiratet hat (das gilt für eine eingetragene Lebenspartnerschaft entsprechend);
  • die Summe der Einkünfte, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterlegen haben (zum Beispiel freiberufliche oder gewerbliche Einkünfte, Renteneinkünfte, Auslands-Kapitalerträge ohne Kapitalertragssteuerabzug), mehr als 410 Euro beträgt (Härteausgleich). Bei der Ermittlung der 410-Euro- Grenze sind Kapitalerträge nicht zu berücksichtigen, soweit sie der Abgeltungsteuer unterlegen haben;
  • die beim Lohnsteuerabzug berücksichtigte Mindestvorsorgepauschale zu hoch war, weil der vom Arbeitgeber angesetzte Teilbetrag für die Kranken- und Pflegeversicherung höher war als die tatsächlich von Ihnen zur Basisabsicherung geleisteten Versicherungsbeiträge (z.B. wegen einer Beitragsrückerstattung). In diesem Fall entfällt jedoch die Veranlagungsplicht für Pensionäre und Betriebsrentner mit einem jährlichen Bruttoarbeitslohn 2015 bis 10.800 Euro bei Einzelveranlagung bzw. bis 20.500 Euro gemeinsamer Arbeitslohn bei zusammen veranlagten Ehe-/Lebenspartnern.

In dieser Aufzählung sind die wichtigsten Fallgruppen aufgeführt. Der vollständige aktuelle Katalog der sogenannten Pflichtveranlagungsfälle für Arbeitnehmer finden Sie im Einkommensteuergesetz im § 46 Abs. 2 Nr. 1–7.

Was für die Erben gilt

Erben müssen ebenfalls aufpassen: Hätte der Erblasser (also der Verstorbene) aufgrund der erzielten Einkünfte eine Steuererklärung abgeben müssen? Dann sind die Erben verpflichtet, eine Erklärung für ihn einzureichen. In dieser Erklärung sind alle Einkünfte anzugeben, die vom Erblasser bis zu dem Todestag erzielt wurden und steuerpflichtig waren. Nach dem Todestag erzielte Einkünfte sind von den Erben in ihrer eigenen Steuererklärung anzugeben.

Mehrere Erben müssen gemeinsam einen Bevollmächtigten bestellen, der die steuerliche Abwicklung vornimmt. Unabhängig von einem vorhandenen Bevollmächtigten ist die Erklärung von allen Erben eigenhändig zu unterschreiben.

Bis zum Todestag entstandene Steuerschulden des Verstorbenen sind beim Erben als Nachlassverbindlichkeit bei der Erbschaftssteuer abzuziehen (Urteil des Bundesfinanzhofes, Aktenzeichen II R 15/11).

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