Was sind Sonderausgaben?

Und wie kann ich damit Steuern sparen?


Sonderausgaben, Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen? Bei so vielen Begriffen verliert man schnell mal den Überblick. Dabei ist es wichtig zu wissen, was Sie wie in der Steuererklärung angeben können. Denn nur so können Sie für sich die optimale Steuererstattung herausholen.

Das Wichtigste im Überblick

Grundsätzlich sind private Kosten steuerlich nicht abzugsfähig, da sie mit keinen steuerpflichtigen Einnahmen in Verbindung stehen. Bei Sonderausgaben handelt es sich ebenfalls um Kosten der privaten Lebensführung, die der Gesetzgeber jedoch trotzdem steuerlich begünstigt. Auf diese Weise können Sie also bestimmte private Ausgaben steuermindernd ansetzen. Welche Aufwendungen abgesetzt werden können, erfahren Sie weiter unten im Beitrag.

Sonderausgaben können also die Steuerlast verringern. So weit, so gut. Doch was genau unterscheidet sie von den Werbungskosten?

Sonderausgaben vs. Werbungskosten

Der entscheidende Unterschied: Im Gegensatz zu den Werbungskosten besteht bei Sonderausgaben kein Zusammenhang mit steuerpflichtigen Einkünften (z. B. Gehalt oder Vermietungseinkünfte). Es sind also, wie eben beschrieben, rein private Ausgaben. Auch die steuerliche Wirkung von Sonderausgaben unterscheidet sich von den Werbungskosten. Lesen Sie hierzu weiter.

Zeitpunkt der Absetzbarkeit

Ein großer Vorteil von Werbungskosten: Übersteigen Ihre Werbungskosten Ihre Einnahmen, geht Ihnen die steuerliche Wirkung nicht verloren. Den Verlust, der Ihnen dadurch entsteht, können Sie nämlich in spätere Steuerjahre vortragen oder in das Vorjahr zurücktragen. So kann der Werbungskostenüberhang des einen Jahres mit Einkünften aus anderen Steuerjahren verrechnet werden.

Bei den Sonderausgaben sind Sie jedoch nicht so flexibel. Denn diese können sich steuerlich nur in dem Jahr auswirken, in dem Sie die Kosten hatten. Hatten Sie keine oder nur geringe Einnahmen, kann durch die Sonderausgaben kein Verlust entstehen. Das bedeutet, dass diese Kosten dann ins Leere laufen. Besonders gut lässt sich das am Beispiel der Bildungskosten verdeutlichen, zudem es vor kurzem ein klares Urteil gab:

  •  Aufwendungen für die Erstausbildung zählen zu den Sonderausgaben : Haben Sie z. B. im September eines Jahres Studiengebühren gezahlt, können Sie die Kosten nur in diesem Jahr absetzen. Das Problem: Falls Sie in demselben Jahr keine Einnahmen haben, auf die Sie Steuern zahlen, können Sie auch keine Ausgaben steuermindernd ansetzen. In diesem Fall verlieren Sie also den Steuervorteil.
  •  Aufwendungen für die Zweitausbildung zählen hingegen zu den Werbungskosten:  Dieselbe Fachliteratur können Sie auch hier steuermindernd absetzen. Der Unterschied: Haben Sie im Jahr der Anschaffung noch keinen Job, können Sie Ihren Verlust feststellen lassen. Wenn Sie beispielsweise im Jahr darauf Einnahmen haben, wird der Verlust mit den Einnahmen verrechnet und mindert so Ihre Steuer.

Höhe der Absetzbarkeit

Ein weiterer Unterschied ist die Höhe der Kosten, die Sie absetzen können. Werbungskosten aus Ihrer Arbeitnehmertätigkeit können Sie mit ein paar Ausnahmen unbegrenzt mit dem beruflichen Nutzungsanteil absetzen. Je nach Höhe und Art der Aufwendungen geht das auf einen Schlag oder in als jährliche AfA.

Sonderausgaben können Sie hingegen nicht immer voll ansetzen. Hier gibt es, je nach Art der Aufwendung, individuelle Regelungen. Die Kirchensteuer, die Sie in einem Jahr gezahlt haben, können Sie z. B. in voller Höhe absetzen. Andere Kosten hingegen sind auf einen Höchstbetrag gedeckelt. Für die oben beschriebenen Erstausbildungskosten gilt z. B. ein Höchstbetrag von 6.000 Euro pro Jahr.Sonderausgaben Werbungskosten Infografik

Wann kann ich Sonderausgaben steuerlich geltend machen?

Sofern Sie die Kosten tatsächlich selbst getragen haben, können Sie sie als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Eine Ausnahme: Sie sind verheiratet und haben sich für eine Zusammenveranlagung entschieden? Dann spielt es keine Rolle, wer von Ihnen beiden die Kosten bezahlt hat.

Wichtig ist dabei auch, dass die Kosten immer nur in dem Jahr abgesetzt werden können, indem sie bezahlt wurden. Das nennt man auch Abflussprinzip.

Sie hatten keine Sonderausgaben? In diesem Fall gewährt der Fiskus Ihnen einen kleinen Bonus. Denn Sie erhalten jährlich eine Sonderausgaben-Pauschale von 36 Euro (bei Ledigen) bzw. 72 Euro (bei Verheirateten). Die Angabe der Kosten lohnt sich für Sie also, sobald deren Höhe die Pauschale übersteigen.

Welche Kosten gehören zu den Sonderausgaben?

Wie bereits erwähnt können nicht alle Kosten der privaten Lebensführung als Sonderausgaben abgesetzt werden. Mit welchen Aufwendungen Sie Steuern sparen können, haben wir im Folgenden für Sie aufgelistet.

Vorsorgeaufwendungen

Besonders mit Vorsorgeaufwendungen können Sie ordentlich Steuern sparen. Diese teilen sich in zwei Kategorien auf:

  1. Altersvorsorgeaufwendungen
  2. Sonstige Vorsorgeaufwendungen

Altersvorsorgeaufwendungen

Hierzu gehören Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zur Rürup-Rente oder den berufsständischen Versorgungswerken.

Grundsätzlich gilt hier ein Höchstbetrag, der an den Höchstbeitrag der knappschaftlichen Rentenversicherung gekoppelt ist. Für das Jahr 2020 liegt der Höchstbetrag bei 90 Prozent von 25.046 Euro, bei zusammen veranlagten Ehepaaren oder Lebenspartnern 50.092 Euro. Bis zu dieser Grenze wirken sich Ihre Kosten steuerlich aus. Im Jahr 2025 können Sie 100 Prozent der gezahlten Beiträge als Sonderausgaben geltend machen. Bis dahin erhöht sich der abzugsfähige Teil um jährlich 2 Prozent.

Für das Jahr 2019 konnten Sie 88 Prozent der Aufwendungen geltend machen. Für das Jahr 2020 steigt die Grenze folglich auf 90 Prozent und für 2021 auf 92 Prozent an.

Steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse zu den Vorsorgeaufwendungen müssen in voller Höhe abgezogen werden. Das gilt z. B. für den Arbeitgeber-Anteil zu Ihrer gesetzlichen Rentenversicherung.

Sie haben einen Riester-Vertrag? Dann können Sie entweder eine Altersvorsorgezulage erhalten oder die Beiträge als Sonderausgaben ansetzen. Für die Riester-Rente gilt ein gesonderter Höchstbetrag von 2.100 Euro pro Jahr und Person.

In jedem Fall geben Sie Ihre gezahlten Beiträge in der Anlage AV an. Das Finanzamt prüft dann automatisch, welche Option für Sie die günstigere ist.

Sonstige Vorsorgeaufwendungen

Neben den Beiträgen zur Altersvorsorge, können Sie auch einige Versicherungsbeiträge als Sonderausgaben steuermindernd ansetzen. Dazu gehören Beiträge für:

  • Kranken- und Pflegeversicherung
  • Krankenversicherung des Kindes
  • Arbeitslosenversicherung
  • Erwerbsunfähigkeitsversicherung
  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Unfallversicherung
  • Haftpflichtversicherung (zum Beispiel Privathaftpflichtversicherung und Kfz-Haftpflichtversicherung)
  • Risikolebensversicherung
  • Renten- und Kapitallebensversicherungen (die vor 2005 abgeschlossen wurden)
Versicherungen, die explizit für den Beruf abgeschlossen wurden, wie beispielsweise die Berufsrechtschutzversicherung, können Sie als Werbungskosten absetzen.

Für sonstige Versorgungsaufwendungen gilt ein Höchstbetrag von 1.900 Euro pro Person. Wichtig dabei ist, dass diese Grenze insgesamt für alle Aufwendungen gilt. Haben Sie den Höchstbetrag z. B. schon mit Ihren Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung erreicht, können Sie keine weiteren Kosten mehr absetzen.

Die Höchstgrenze gilt jedoch nicht für die Kranken- und Pflegeversicherung. Denn diese Beiträge können Sie in voller Höhe auch über den Maximalbetrag hinaus absetzen. Wichtig ist, dass es sich dabei um Beiträge zur Basisabsicherung handelt. Damit Sie Ihre Beiträge nicht aufwändig aufdröseln müssen, kürzt das Finanzamt Beiträge zur Krankenversicherung bei Pflichtversicherten jährlich pauschal um 4 Prozent.

Wo trage ich Vorsorgeaufwendungen ein?

Wo Sie Ihre Sonderausgaben eintragen, hängt davon ab, um welche Kosten es sich handelt. Denn hier gibt es verschiedene Anlagen.

Die Anlagen zur Einkommensteuererklärung können von Jahr zu Jahr unterschiedlich sein.

Für die Steuererklärung 2019 tragen Sie Beiträge zur Altersvorsorge sowie zu den Versicherungen in der Anlage Vorsorgeaufwendungen ein. Möchten Sie Versicherungsbeiträge angeben, die Sie für Ihr kindergeldberechtigtes Kind gezahlt haben, benötigen Sie die Anlage Kind. Für Altersvorsorgeaufwendungen für die Riester-Rente benötigen Sie die Anlage AV.

Spenden

Auch mit Spenden können Sie Steuern sparen, denn auch sie zählen zu den Sonderausgaben. Hier kommt es jedoch darauf an, welche Organisation Sie unterstützen. Denn nicht für jede ist der steuerliche Abzug zugelassen. Alles Wissenswerte rund um das Absetzen Ihrer Spenden finden Sie hier: Spenden absetzen.

Grundsätzlich können Sie pro Jahr Spenden für gemeinnützige Organisationen und Vereine bis zu einer Höhe von 20 Prozent Ihrer gesamten Einkünfte absetzen. Für Parteien und Wählervereinigungen gelten andere Höchstbeträge. Für Steuererklärungen bis 2018 tragen Sie die Aufwendungen im Mantelbogen ein. Ab der Steuererklärung 2019 gibt es hierfür die Anlage Sonderausgaben.

Kirchensteuer

Steuern von der Steuer absetzen? Ja – zumindest im Fall der Kirchensteuer. Und das Beste daran: Ihre gezahlte Kirchensteuer können Sie sogar in voller Höhe ansetzen. Auch das allgemeine und besondere Kirchgeld ist steuerlich abziehbar. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Religionsgemeinschaft als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist und Ihnen die gezahlten Beiträge bestätigt.

Kirchensteuer wird nicht nur von Ihrem Lohn oder Gehalt einbehalten. Sie wird auch auf Kapitalerträge gezahlt. Auch in diesem Fall können Sie sie als Sonderausgaben ansetzen. Das geht aber nur dann, wenn Sie die Erträge mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Kirchensteuer, die im Rahmen der Abgeltungsteuer einbehalten wurde, können Sie nicht absetzen.

Für die Angabe der Kirchensteuer in Ihrer Steuererklärung gilt dasselbe wie bei Spenden: Bis 2018 geben Sie die Höhe im Mantelbogen an. Ab 2019 tragen Sie den Gesamtbetrag in Zeile 4 der Anlage Sonderausgaben ein.

Auch Kirchensteuer, die Sie aufgrund von Steuernachzahlungen zahlen müssen, ist im Jahr der Zahlung als Sonderausgabe abzugsfähig. Umgekehrt müssen Sie die Sonderausgabe aber kürzen, wenn Sie eine Kirchensteuererstattung bekommen haben.

Unterhaltszahlungen an den getrenntlebenden oder geschiedenen Ehegatten

In bestimmten Fällen können Sie Unterhaltszahlungen an Ihren Ex-Partner steuermindernd ansetzen. Wann und wie das geht, erfahren Sie in unserem Beitrag zum Ehegattenunterhalt.

Kommt für Sie ein Abzug als Sonderausgabe in Frage, füllen Sie in Ihrer Steuererklärung die Anlage U aus. Aber Achtung: Ihr Ex-Partner muss dem Abzug zustimmen und die Anlage U ebenfalls unterschreiben.

Ausbildungskosten für die Erstausbildung

Wie unter Sonderausgaben vs. Werbungskosten bereits erwähnt, können Sie Aufwendungen für Ihre Erstausbildung nur als Sonderausgaben abziehen. Dazu gehört z. B. der Bachelor-Studiengang oder die erste Berufsausbildung, sofern es sich um keine berufsbegleitende Ausbildung handelt. In diesem Fall können Sie Ihre Ausgaben bis zu einer maximalen Höhe von 6.000 Euro pro Jahr absetzen – und zwar in dem Jahr, in dem Sie sie gezahlt haben.

Die Aufwendungen für Ihre Erstausbildung können Sie in der Steuererklärung 2019 in Zeile 13 der Anlage Sonderausgaben eintragen.

Beachten Sie aber: Ihre Ausbildungskosten wirken sich als Sonderausgaben nur dann steuermindernd aus, wenn Sie in dem Jahr steuerpflichtige Einnahmen hatten.

Schulgeld

Ihr Kind besucht ein Internat, eine Privatschule oder eine Waldorfschule? Dann fallen Ihnen regelmäßig Aufwendungen für die Schulausbildung Ihres Kindes an. Das Schuldgeld können Sie bis zu einem Höchstbetrag ebenfalls als Sonderausgaben ansetzen. Lesen Sie hier mehr dazu, wie Sie das Schulgeld absetzen können.

In der Steuererklärung tragen Sie die Höhe Ihrer Kosten Sie in der Anlage Kind ein.

Sie können nur die Gebühren für die Schule absetzen. Aufwendungen für die Unterkunft, Verpflegung oder Betreuung sind hingegen nicht absetzbar.

Kinderbetreuungskosten

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie auch Kosten absetzen, die Ihnen im Zusammenhang mit der Kinderbetreuung anfallen. Auch hierfür gilt ein spezieller Höchstbetrag. Mit welchen Kosten genau Sie hier sparen können, erfahren Sie in unserem Beitrag zu Kinderbetreuungskosten absetzen.

Kinderbetreuungskosten tragen Sie, wie auch das Schulgeld, in die Anlage Kind ein.

Sanierungskosten für Baudenkmäler

Sie haben ein Baudenkmal zu Ihrem Zuhause umgebaut? Auch mit einem Denkmalschutz lässt sich einiges an Steuern sparen. Im Gegensatz zu den übrigen Sonderausgaben, setzen Sie Ihre Sanierungskosten nicht auf einen Schlag ab, sondern über mehrere Jahre verteilt. Dabei handelt es sich um die Denkmalabschreibung. Insgesamt können Sie so 90 Prozent Ihrer Kosten auf 9 Jahre verteilt abschreiben. Wenn Sie die Immobilie vermieten, können sie sogar 100 Prozent der Kosten auf 12 Jahre verteilt absetzen.

Sonderausgaben mit WISO Steuer

Sparen Sie sich die Sucherei aller Anlagen. Denn mit WISO Steuer geben Sie unter den jeweiligen Punkten einfach an, was Sie gezahlt haben. Das Programm fügt es anschließend automatisch an der richtigen Stelle in Ihrer Steuererklärung ein.

Steuererklärung Sonderausgaben Titelbild

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.
Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

    • 2
      Carina Hagemann

      Guten Tag,

      der Vorwegabzug ist ein Betrag, um den die abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen gekürzt wurden. Aufgrund des Alterseinkünftegesetzes aus dem Jahr 2004 wurde dieser Betrag seit 2011 schrittweise gesenkt, sodass er im Jahr 2020 auf 0 ist. Für das Jahr 2019 beträgt der Vorwegabzg 300 Euro für Einzelveranlagte und 600 Euro bei Zusammenveranlagung.
      Bis einschließlich dem Steuerjahr 2019 hat das Finanzamt bei der Prüfung der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen immer eine Günstigerprüfung vorgenommen: Und zwar, ob für Sie die Vorsorgeaufwendungen nach Abzug des Vorwegabzugs oder nach Anwednung der neuen Rechtsvorschrift günstiger ist.

      Viele Grüße,
      Carina Hagemann
      Tax Specialist bei steuernsparen

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