Spaghettimonster-Kirche ist keine Religionsgemeinschaft

Spaghettimonster-Kirche ist keine Religionsgemeinschaft

Was Pastafaris nun fürchten müssen


Kein Witz: Die „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ gibt es wirklich. Sie wurde 2005 vom US-Physiker Bobby Henderson gegründet. Es handelt sich dabei um eine Religionssatire, die als Persiflage der kreationistischen Pseudowissenschaft Intelligent Design gedacht war. Diese sollte damals gleichberechtigt neben der Evolutionstheorie im Biologieunterricht gelehrt werden.

Der Kreationismus nennt keinen bestimmten Gott als Schöpfer. Daher argumentierte Henderson, es handele sich dabei nicht um den christlichen, sondern um seinen Gott, das „Fliegende Spaghettimonster“.

Monsterunser im Himmel…

Inzwischen hat die satirische Religionsgemeinschaft weltweit Anhänger, die sich stolz „Pastafari“ nennen. Als Gottheit verehren sie das Spaghettimonster. Der Verein imitiert als Mittel der Satire Texte und Symbole der christlichen Religion, wie zum Beispiel im „Monsterunser“.

Der Verein „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.“ mit Sitz in Templin ist lt. eigenen Angaben wegen Förderung kirchlicher und gemeinnütziger Zwecke als gemeinnützig anerkannt. Somit kann er auch steuerbegünstigt Spenden und Mitgliedsbeiträge empfangen und bescheinigen.

Spaghettimonster-Kirche keine Religionsgemeinschaft

Doch nun hat das Oberlandesgericht Brandenburg gegen die Pastafaris entschieden. Der eingetragene Verein „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters Deutschland e.V.“ ist weder als Religionsgemeinschaft noch als Weltanschauungsgemeinschaft zu beurteilen. Daher hat der Verein auch nicht die Rechte einer Kirche (Aktenzeichen 4 U 84/16).

Nach Auffassung der Richter fehlt es schon nach dem Inhalt der Satzung und dem eigenen Vortrag des Vereins an dem für Religionsgemeinschaften charakteristischen Gottesbezug. Der Verein sei aber auch nicht als Weltanschauungsgemeinschaft einzuordnen, da eine gemeinsame Weltanschauung der Mitglieder fehle.

Wesentliches Merkmal einer Weltanschauung sei ein konsistentes Gedankensystem, das sich umfassend mit Fragen nach dem Wesen und Sinn der Welt und der Existenz des Menschen in der Welt befasse und zu daraus abgeleiteten Werturteilen gelange. Der Zweck des Vereins bestehe ausschließlich darin, eine öffentliche Satire der christlichen Religion zu betreiben.

Pastafaris dürfen Nudelmesse nicht bewerben

Der Verein wollte an den Ortseingängen von Templin Schilder aufstellen, die auf die wöchentlich stattfindende „Nudelmesse“ hinweisen. Da der Verein aber keine Religionsgemeinschaft ist, darf er auch keine Hinweisschilder auf Gottesdienste aufstellen, wie dies den christlichen Kirchen erlaubt ist.

Hinweis

 Angesichts dieses Urteils muss die Finanzverwaltung nun wohl überprüfen, ob der Verein weiterhin als gemeinnützig anzuerkennen ist und Spenden und Mitgliedsbeiträge weiterhin steuerlich absetzbar sein können.

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