Sparen Sie sich die Nachzahlungszinsen

Sparen Sie sich die Nachzahlungszinsen

Was Sie nun wissen sollten


Steuernachzahlungen werden unter bestimmten Voraussetzungen verzinst. Dies bedeutet: zusätzlich zu der ohnehin schon unangenehmen Steuernachzahlung müssen Sie auch noch weitere Zinszahlungen an das Finanzamt leisten.

Das Verheerende daran: die Zinsen betragen für jeden vollen Monat des Zinslaufes 0,5 Prozent. Für ein Jahr müssen Sie somit stolze sechs Prozent Nachzahlungszinsen berappen! Insgesamt also ein teures Vergnügen.

Warum wird verzinst?

Die Verzinsung soll im Interesse der Gleichmäßigkeit der Besteuerung und zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen einen Ausgleich dafür schaffen, dass die Steuern trotz eines gleichen gesetzlichen Entstehungszeitpunkts zu unterschiedlichen Zeitpunkten festgesetzt und erhoben werden. Der Zinslauf beginnt im Regelfall 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist.

Dies bedeutet bei der Einkommensteuer: Ergeht der Einkommensteuerbescheid 2016 mit der darin enthaltenen Nachzahlung erst nach Ablauf des Monats März 2018 (Ablauf von 15 Monaten) fallen zusätzlich für jeden Monat 0,5 Prozent Nachzahlungszinsen an.

Frage der Verfassungsmäßigkeit

Vor allem in der aktuellen Niedrigzinsphase wirkt eine Jahresverzinsung von sechs Prozent wie Wucher. Dementsprechend sind auch bereits zahlreiche Verfahren anhängig, in denen die Regelung gerichtlich überprüft wird. Ziel ist dabei meist die Höhe des Zinssatzes als verfassungswidrig zu brandmarken.

Ganz aktuell ist in diesem Zusammenhang beim Bundesfinanzhof (Az: IX R 42/17) sogar die Rechtsfrage neu anhängig, ob sich der Normzweck von § 238 Abs. 1 Satz 1 AO mit einem Zinssatz in Höhe von 0,5 Prozent pro Monat durch die Niedrigzinsphase nicht vollends erledigt hat.

Vorzeitige Zahlung hilft

Wer jedoch nicht auf den Ausgang der zahlreichen Verfahren warten möchte, kann teure Nachzahlungszinsen verhindern: durch eine vorzeitige Zahlung. Insbesondere mit Blick auf die aktuelle Niedrigzinsphase gilt dabei sogar, dass eine Darlehensfinanzierung der vorzeitigen Steuerzahlung günstiger sein dürfte, als nachher sechs Prozent Nachzahlungszinsen an das Finanzamt zu zahlen.

Grundsätzlich werden Zinsen zwar auch dann festgesetzt, wenn der Steuerzahler schon vor Festsetzung der Steuer freiwillig zahlt. In solchen Fällen aber erlässt das Finanzamt die Nachzahlungszinsen aus sachlichen Billigkeitsgründen, soweit der Steuerzahler auf die sich aus der Steuerfestsetzung ergebende Steuerzahlungsforderung bereits vor Wirksamkeit der Steuerfestsetzung freiwillige Zahlung erbracht hat und das Finanzamt diese Leistungen angenommen und behalten hat. Nachzahlungszinsen sind im Ergebnis dann nur für den Zeitraum bis zum Eingang der freiwilligen Zahlung zu erheben.

Aktuelle Rechtsprechung bestätigt

Dass Sie auf diese Weise Nachzahlungszinsen unterm Strich verhindern können, ist auch einer aktuellen Entscheidung des BFH (Az: I R 92/15) zu entnehmen. Danach ist es zur vollständigen Verhinderung der Nachzahlungszinsen nicht mal erforderlich, dass Sie die freiwillige Zahlung vor Beginn des Zinslaufes, also innerhalb von 15 Monaten nach Steuerentstehung, entrichten müssen.

Ausreichend ist vielmehr sogar ein Zahlungseingang beim Finanzamt innerhalb des ersten Monats nach Beginn des Zinslaufes. Mit vorgenannter Entscheidung stellt der Bundesfinanzhof nämlich klar, dass auch noch eine freiwillige Zahlung am 30. April im 16. Monat nach der Steuerentstehung die Vollverzinsung komplett verhindern kann.

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