Splitting-Tarif

Splitting-Tarif

Noch zeitgemäß?


Heftig diskutiert wird immer: Aktuell ist das Thema Ehegatten-Splitting in den Fokus gerückt. Angeheizt wird das Thema durch die Forderung der SPD, dass für künftig geschlossene Ehen der Splittingtarif nicht mehr angewendet werden soll. Die FDP fordert hingegen die Abschaffung der Steuerklasse V.

Wie wirkt der Splitting-Tarif

Alleinstehende müssen jährlich auf ihre eigenen Einkünfte Steuern zahlen. Dabei steigt der persönliche Steuersatz mit steigendem Einkommen. So kann der persönliche Steuersatz zwischen 14 Prozent und 45 Prozent (Reichensteuer) liegen, je nach Höhe des Einkommens.

Werden Ehepartner zusammen veranlagt, berechnet sich die Steuer nach dem Gesamteinkommen beider. Dabei wird das Einkommen gleichmäßig auf die Eheleute verteilt. Ist das Einkommen eines Ehepartners höher als das seines Partners, wird ein Teil des Einkommens dem Partner zugerechnet, so dass der persönliche Steuersatz sinkt. Der Steuersatz des anderen Partners erhöht sich. Insgesamt wirkt sich dieses Verfahren meist positiv auf die gesamte Steuerlast der Eheleute aus. Verdienen beide Partner etwa gleich, tendiert der Vorteil durch das Splitting-Verfahren gegen Null.

Wie wirken die Steuerklassen bei Eheleuten?

Die Steuerklassen geben dem Arbeitgeber vor, wie er die Lohnsteuer des Arbeitnehmers berechnen muss:

  • Entweder haben beide Ehepartner die Steuerklasse IV gewählt. Dann zahlt jeder Ehepartner Lohnsteuer entsprechend seines Einkommens. In diesem Fall verlangt die Finanzverwaltung keine Steuererklärung.
  • Oder die Ehepartner wählen die Kombination III/V. Dann gibt es einen Hauptverdiener in der Ehe. Die einbehaltene Lohnsteuer wird für beide Eheleutegeschätzt. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Hauptverdiener 60 Prozent des Familieneinkommens verdient. Da die Steuerlast nur geschätzt ist, sind Eheleute in diesem Fall verpflichtet, eine Steuererklärung zu erstellen. Erst bei der Veranlagung wird die genaue Höhe des Ehepartnereinkommens für die Steuerfestsetzung ermittelt.

In der Steuerklasse III werden auch die Kinderfreibeträge berücksichtigt. Insgesamt ist die Lohnsteuer bei Steuerklasse V mit prozentual höheren steuerlichen Abzügen belastet. Das hat den psychologischen Effekt, dass viele Eheleute, die die Steuerklasse V haben, wegen der „Abzüge“ nicht voll arbeiten.

Zukunftsmusik?

Ob es in der heutigen Zeit noch sinnvoll ist, dass Eheleute von dem Splitting-Tarif profitieren, ist nun Gegenstand der Diskussion. Der Tarif stammt noch aus einer Zeit, da meist der Ehemann für das Familieneinkommen verantwortlich war und die Ehefrau überwiegend die Kinder und den Haushalt versorgt hat. Die klassische Rollenverteilung dürfte heute eher die Ausnahme sein. Ehepartner sollten gleichberechtigt und gleichverpflichtet sein, wenn es um die Verteilung der Rollen in der Familie geht. Auch darf die hohe Zahl der Alleinerziehenden nicht unberücksichtigt bleiben.

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