Steuererklärung zu spät abgegeben

Steuererklärung zu spät abgegeben

Wer die Frist verpasst, muss zahlen


Halten Sie die Abgabefrist nicht ein und geben Ihre Steuererklärung zu spät oder gar nicht ab, kann es teuer werden: Es drohen Verspätungszuschläge, Zwangsgelder oder gar Schätzungen.

Verspätungszuschlag: Max. 10 Prozent der festgesetzten Steuer

Der Verspätungszuschlag dient dem Finanzamt als Sanktion für eine Pflichtverletzung – die verspätete Abgabe der Steuererklärung. Sie haben bereits in den letzten Jahren Ihre Erklärung verspätet abgegeben? Dann ist die Festsetzung eines Verspätungszuschlages bei erneuter Abgabe ziemlich wahrscheinlich. Bei erstmaliger Verspätung drückt der Bearbeiter aber meist noch ein Auge zu.

Sie haben keine Schuld an der verspäteten Abgabe der Steuererklärung? Dann muss das Finanzamt von der Festsetzung des Verspätungszuschlages absehen. Hier können nicht vorhersehbare Umstände wie Krankheit oder Tod ein Entschuldigungsgrund sein. Ob tatsächlich ein Grund vorliegt vom Verspätungszuschlag abzusehen, muss der Finanzbeamte im Einzelfall entscheiden.

Auch die Höhe des Verspätungszuschlages liegt im Ermessen des Finanzbeamten. Doch übertreiben darf er es damit nicht: Dieser darf höchstens zehn Prozent der festgesetzten Steuer betragen – und nicht über 25.000 Euro.

Strengere Regeln ab 2019

Ab 2019 haben Sie für die Abgabe der Steuererklärung zwei Monate mehr Zeit – diese muss dem Finanzamt zum 31.07. vorliegen. Versäumen Sie dann die Frist, langt der Fiskus ordentlich zu: So werden mindestens 25 Euro fällig – und das für jeden verspäteten Monat!

Zwangsgeld: Meist zwischen 100 und 500 Euro

Wenn Sie bereits per Brief vom Finanzamt aufgefordert wurden, Ihre Steuererklärung einzureichen, sollten Sie reagieren. Ansonsten müssen Sie mit der Festsetzung eines Zwangsgeldes rechnen. Hierbei kommt es vor allem darauf an, wie Sie in der Vergangenheit Ihre Erklärungspflichten erfüllt haben. Bei erstmaliger Androhung eines Zwangsgeldes wegen Nichtabgabe setzen die Finanzämter meist ein Zwangsgeld zwischen 100 Euro und 500 Euro fest. Maximal kann es bis zu 25.000 Euro betragen.

Bei Androhung muss das Finanzamt eine angemessene Frist bestimmen, in der Sie die Erklärung abzugeben haben. Nach Ablauf dieser Frist wird das Zwangsgeld festgesetzt. Geben Sie darauf hin die Erklärung ab, wird der Vollzug des Zwangsgeldes zwar eingestellt, Verspätungszuschläge zahlen müssen Sie dennoch.

Schätzung: Finanzamt muss realitätsnah schätzen

Die Zwangsgeldfestsetzung lässt Sie kalt? Wenn Sie auch nach mehreren Aufforderungen nicht reagieren, kommt das nächste Druckmittel des Finanzamtes: die Schätzung.

Der Finanzbeamte darf aber nicht einfach nach Lust und Laune horrende Phantasienachzahlungen festsetzen. Er muss Ihre Besteuerungsgrundlage genau wie möglich schätzen. Dabei helfen Erfahrungs- und Vergleichswerte.

Wollen Sie sich gegen einen Schätzungsbescheid wehren, müssen Sie innerhalb der Rechtsbehelfsfrist von einem Monat Einspruch einlegen. Tun Sie dies nicht, tritt die Bestandskraft des geschätzten Bescheides ein. Auch eine Korrektur des Steuerbescheides aufgrund neuer Tatsachen ist dann nicht mehr möglich, weil Sie im Zweifel ein grobes Verschulden am nachträglichen Bekanntwerden der Tatsachen trifft. Möglich ist einzig und alleine in wirklich unbilligen Fällen ein Erlass.

Auch eine Schätzung befreit Sie nicht von der Verpflichtung, weiterhin eine Steuererklärung abzugeben! Und damit nicht genug: Reichen Sie die Steuererklärung nicht ein, weil die Steuerschätzung günstiger ist als die tatsächlich zu zahlende Steuer, liegt sogar Steuerhinterziehung vor.

Strafen nur bei Pflichtveranlagungen

Das Finanzamt kann eine verspätete Abgabe nur bestrafen, wenn Sie auch zur Abgabe verpflichtet sind. Gründe für eine Abgabepflicht bei Arbeitnehmern können beispielsweise sein:

  • Auf Ihrer Lohnsteuerkarte wurde ein Freibetrag eingetragen (ausgenommen Behinderten- und Hinterbliebenenpauschbetrag).
  • Sie und Ihr Ehepartner haben die Steuerklassen III/V oder IV/IV mit Faktor gewählt.
  • Sie haben als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer Arbeitslosengeld I, Kurzarbeitergeld, Krankengeld, Elterngeld, Aufstockungsbeträge bei Altersteilzeit oder ausländische Einkünfte von mehr als 410 Euro bezogen.
  • neben Ihrem Arbeitslohn haben Sie noch weitere Einkünfte, beispielsweise Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung, Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung oder sonstige Einkünfte bezogen, die mehr als 410 Euro betragen.
  • Sie haben Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielt, für die Sie keine Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer) zahlen müssen
  • Sie haben nebeneinander von mehreren Arbeitgebern Arbeitslohn (einschließlich Versorgungsbezüge) bezogen.
  • Der Arbeitgeber hat einen sonstigen Bezug von Ihnen ermäßigt besteuert, z. B. Entlassungsentschädigung, Arbeitslohn für mehrere Jahre, Lohnzahlungen durch Dritte.
  • Sie haben einen Betrieb und erzielen damit einen Gewinn von mehr als 410 Euro. Dabei ist es unerheblich, ob Sie diesen nur nebenbei betreiben.

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