Steuererklärung – Pflicht oder Kür?

Steuererklärung – Pflicht oder Kür?

Wann Sie zur Abgabe verpflichtet sind


Pflichtveranlagung

Für die so genannte Pflichtveranlagung gibt es mehrere Gründe. Dabei unterscheidet man zwischen Arbeitnehmern und Personen, die im Kalenderjahr keinen Arbeitslohn bezogen haben – zum Beispiel Gewerbetreibende, Freiberufler und Rentner.

Arbeitnehmer

Bei Beschäftigten in einem Arbeitsverhältnis ist die Einkommensteuer grundsätzlich durch den Lohnsteuerabzug abgegolten. In bestimmten Fällen ist die aber dennoch die Abgabe einer Steuererklärung verpflichtend. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn

  •  bestimmte steuerfreie, aber dem Progressionsvorbehalt unterliegende Lohnersatzleistungen über 410 Euro im Jahr bezogen worden sind (z.B. Arbeitslosengeld I);
  • ein Arbeitnehmer gleichzeitig Arbeitslohn von mehreren Arbeitgebern bezogen hat (dazu zählen auch Versorgungsbezüge aus früheren Dienstverhältnissen);
  • beide Ehepartner/eingetragene Lebenspartner Arbeitslohn bezogen haben und einer von ihnen für das Kalenderjahr oder einen Teil des Jahres nach der Steuerklasse V oder VI besteuert worden ist oder beide die Steuerklassen-Kombination IV/IV mit Faktor gewählt haben
  • vom Finanzamt ein Lohnsteuerfreibetrag eingetragen worden ist (Ausnahmen: Behinderten-Pauschbetrag, Freibeträge für Kinder). Die Veranlagungspflicht entfällt aber, wenn der in 2013 erzielte Arbeitslohn 10.500 Euro (ab 2014: 10.700 Euro) bzw. bei zusammen veranlagten Partnern 19.700 Euro (ab 2014: 20.200 Euro) nicht übersteigt und keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte vorliegen;
  • beide Elternteile eine Aufteilung des einem Kind zustehenden Pauschbetrags für Behinderte oder Hinterbliebene in einem anderen Verhältnis als je zur Hälfte beantragen
  • einer der Ehe-/Lebenspartner die Einzelveranlagung beantragt
  • beim Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber Entschädigungen oder Arbeitslohn für mehrere Jahre ermäßigt besteuert worden sind (Anwendung der Fünftelregelung);
  • eine Urlaubsvergütung aus der Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft gezahlt wurde
  • die Ehe des Arbeitnehmers im Veranlagungszeitraum durch Tod, Scheidung oder Aufhebung aufgelöst worden ist und er oder sein Ehepartner der aufgelösten Ehe im Veranlagungszeitraum wieder geheiratet hat (das gilt für eine eingetragene Lebenspartnerschaft entsprechend);
  • die Summe der Einkünfte, die nicht dem Lohnsteuerabzug unterlegen haben (zum Beispiel freiberufliche oder gewerbliche Einkünfte, Renteneinkünfte), mehr als 410 Euro beträgt (Härteausgleich). Bei der Ermittlung der 410-Euro-Grenze sind Kapitalerträge nicht zu berücksichtigen, soweit sie der Abgeltungsteuer unterlegen haben;
  • bei einem Arbeitgeberwechsel der neue Arbeitgeber einen sonstigen Bezug zahlt, z.B. Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld, und ihm die Lohnsteuerbescheinigung aus dem früheren Arbeitsverhältnis nicht vorliegt
  • die beim Lohnsteuerabzug berücksichtigte Mindestvorsorgepauschale zu hoch war, weil der vom Arbeitgeber angesetzte Teilbetrag für die Kranken- und Pflegeversicherung höher war als die tatsächlich von Ihnen zur Basisabsicherung geleisteten Versicherungsbeiträge. In diesem Fall entfällt jedoch die Veranlagungspflicht für Arbeitnehmer mit einem jährlichen Bruttoarbeitslohn 2013 bis 10.500 Euro bei Einzelveranlagung bzw. bis 19.700 Euro gemeinsamer Arbeitslohn bei zusammen veranlagten Ehe-/Lebenspartnern (ab 2014: 10.700 bzw. 20.200 Euro)

Diese Aufzählung nennt die wichtigsten Fallgruppen. Der vollständige aktuelle Katalog der sogenannten Pflichtveranlagungsfälle für Arbeitnehmer können Sie in § 46 Abs. 2 Nr. 1–7 des Einkommensteuergesetzes nachlesen.

Personen, die keinen Arbeitslohn bezogen haben

Alle Personen, die keinen Arbeitslohn bezogen haben, werden grundsätzlich mit ihren anderen steuerpflichtigen Einkünften zur Einkommensteuer veranlagt. Sie müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn

  • bei zusammen veranlagten Eheleuten/eingetragenen Lebenspartnern der Gesamtbetrag der Einkünfte mehr als den doppelten Grundfreibetrag von 16.260 Euro (ab 2014: 16.708 Euro) beträgt oder
  • bei anderen Personen, zum Beispiel Ledigen oder Verwitweten, der Gesamtbetrag der Einkünfte den Grundfreibetrag von 8.130 Euro (ab 2014: 8.354) übersteigt oder
  • wenn zum Ende des Vorjahres ein verbleibender Verlustvortrag festgestellt wurde.
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Bei der Ermittlung des Gesamtbetrags der Einkünfte sind Kapitalerträge nicht zu berücksichtigen, soweit sie dem abgeltenden Kapitalertragssteuerabzug (Abgeltungsteuer) unterlegen haben.

Warum Rentner die Abgabepflicht prüfen sollten

Auf Renteneinkünfte wird nicht auf die gesamte Rente Steuer berechnet, sondern nur in Höhe des steuerpflichtigen Anteils abzüglich der Werbungskosten. Viele Rentner ohne zusätzliche Einkünfte müssen daher tatsächlich keine Steuererklärung abgeben, obwohl Renten grundsätzlich steuerpflichtig sind.

Beispiel: Sie erhalten seit 2005 eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Bei Renteneintritt waren Sie 65 Jahre alt. Sie müssten bei einer Einzelveranlagung 2013 eine Rente von mehr als 16.536 Euro beziehen, um zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet zu sein.
Berechnung: 16.536 Euro Rente x 50 Prozent Besteuerungsanteil, abzgl. Werbungskosten-Pauschbetrag von 102 Euro und Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 Euro = 8.130 Euro, was dem steuerfreien Grundfreibetrag beim Grundtarif entspricht.

Die Rentenversicherungsträger teilen seit dem Fiskus die Renten auf elektronischem Wege mitteilen. Darauf hin nimmt die Finanzverwaltung Abgleiche vor. Rentner, die vom Finanzamt die Steuervordrucke erhalten und unter der Einkünftegrenze liegen, sollten mit ihrem Finanzamt klären, ob nicht zukünftig auf die Abgabe der Einkommensteuererklärung verzichtet werden kann.

Vorsicht bei einer Erbschaft!

Erben müssen ebenfalls aufpassen: Hätte der Erblasser (also der Verstorbene) wegen seiner erzielten Einkünfte eine Steuererklärung abgeben müssen, sind die Erben verpflichtet, eine Erklärung für den Verstorbenen einzureichen.

Darin sind alle Einkünfte anzugeben, die vom Erblasser bis zu dem Todestag erzielt wurden und steuerpflichtig waren. Nach dem Todestag erzielte Einkünfte sind von den Erben in ihrer eigenen Steuererklärung anzugeben.

Mehrere Erben müssen gemeinsam einen Bevollmächtigten bestellen, der die steuerliche Abwicklung vornimmt. Unabhängig von einem vorhandenen Bevollmächtigten ist die Erklärung von allen Erben eigenhändig zu unterschreiben.

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