Stilles Örtchen

Stilles Örtchen

Selbst bei Finanzbeamten nicht Mittelpunkt der Tätigkeit


Auch ein akkurat geführtes Toilettentagebuch konnte das Finanzgericht Baden-Württemberg nicht umstimmen: Das Klosett gehört nicht zum Arbeitszimmer. Wer so etwas durchsetzen wollte? Ein Betriebsprüfer…

Die Benutzung eines Gäste-WC´s in der Privatwohnung eines Betriebsprüfers ist nicht beruflich veranlasst. Daher können die Kosten für die Renovierung nicht bei der Steuer geltend gemacht werden.

Der Fall

Geklagt hatte ein Betriebsprüfer. 2008 renovierte er seine Privatwohnung samt WC. Zudem richtete er sich ein Arbeitszimmer ein. Auch im Finanzamt stand ihm ein Büro zur Verfügung. Für das Streitjahr wollte er die Kosten für das häusliche Arbeitszimmer sowie der Toilette von der Steuer absetzen. Das Finanzamt aber strich die als Werbungskosten angesetzten Ausgaben komplett.

Toilettentagebuch

Um die berufliche Nutzung der anliegenden Toilette glaubhaft zu machen, führte der Betriebsprüfer ein Toilettentagebuch. In diesem dokumentierte er seinen natürlichen Drang genaustens: Demnach suchte er neun- bis zehnmal täglich das stille Örtchen auf. Davon entfielen acht bis neun Gänge auf die Arbeitszeit. Dies ergebe laut dem Finanzbeamten eine berufliche Toilettennutzung von 73,58 Prozent.

Kein Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit

Das Finanzgericht wies die Klage ab. Die für einen Betriebsprüfer prägende Tätigkeit übe er im Außendienst aus – außerhalb seines häuslichen Arbeitszimmers. Das Arbeitszimmer zu Hause sei nicht Mittelpunkt seiner beruflichen Tätigkeit – „erst recht“ nicht die Toilette. Ein beruflicher Zusammenhang bestehe trotz dringend zu erledigender Geschäfte nicht. Bei der Toilette handelt es sich nicht um einen betriebsstättenähnlichen Raum, sondern nur um das private Gäste-WC. Nun kann der Finanzbeamte keine Kosten geltend machen: weder für das Arbeitszimmer, noch für die Toilette. Ob noch ein Verfahren wegen Nichtanerkennung von Toilettenpapier als Werbungskosten anhängig ist, ist derzeit nicht bekannt.

Urteil des Finanzgerichtes Baden-Württemberg, Aktenzeichen 9 K 2096/12

 

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