Studium mit nur fünf Wochenstunden

Studium mit nur fünf Wochenstunden

Wie sieht es mit dem Kindergeld aus?


Bildung ist wichtig. Bis ein Kind sein endgültiges Ausbildungsziel erreicht hat, hat es oftmals mehrere Stufen erklommen: erst berufliche Ausbildung, dann eine Fachoberschule für das Fachabitur und schließlich ein Studium an der FH, Berufsakademie oder Universität.

Erstausbildung…

Das Studium kann nach neuester Rechtsprechung noch Teil der Erstausbildung sein. Vorausgesetzt, es baut zeitlich und inhaltlich auf der beruflichen Ausbildung auf. Folge: Die Eltern bekommen für die gesamte Dauer Kindergeld, ohne dass der Umfang einer Erwerbstätigkeit des Kindes eine Rolle spielt.

Die Studienkosten kann das Kind dennoch unbegrenzt als Werbungskosten geltend machen, weil es bereits eine Ausbildung abgeschlossen hat (Aktenzeichen V R 27/14).

..oder Zweitausbildung?

Allerdings kann ein solches Studium auch als Zweitausbildung zu werten sein. Dies ist der Fall, wenn es an dem erforderlichen zeitlichen und inhaltlichen Zusammenhang zur beruflichen Ausbildung fehlt.

Folge: die Eltern haben nur dann Anspruch aufs Kindergeld, wenn das Kind keine Erwerbstätigkeit oder eine Erwerbstätigkeit von weniger als 20 Wochenstunden ausübt.

Für die Steuererklärung des Kindes hat dies keine Auswirkungen: Es kann weiterhin seine Studienkosten in vollem Umfang als Werbungskosten absetzen.

Der aktuell entschiedene Fall

Nun hat das Finanzgericht Berlin-Brandenburg entschieden, dass ein Studium im Anschluss an eine berufliche Ausbildung bereits eine Zweitausbildung ist. Denn wenn das Studium lediglich fünf Semesterwochenstunden erfordert, kann es kein Teil einer mehraktigen Ausbildung sein. Dies kommt vor, wenn die Ausbildung teilweise auf das Studium angerechnet wird und somit die entsprechenden Credits schon gutgeschrieben sind.

Vielmehr wird das Studium dann als Zweitausbildung behandelt mit der Folge, dass der Umfang einer Erwerbstätigkeit wichtig wird: Beträgt diese mehr als 20 Wochenstunden, entfällt der Anspruch der Eltern auf Kindergeld (Aktenzeichen 3 K 3221/15, Revision III R 27/15).

Was Sie nun tun sollten

Da es zur neuen Rechtslage ab 2012 noch keine zeitliche Untergrenze für die Berufsausbildung gibt, muss der BFH sich nun damit befassen (Aktenzeichen III R 27/15). Die bisher übliche Grenze von zehn Stunden pro Woche dürfte vermutlich kaum weiter anwendbar sein.

Hat bei Ihnen die Familienkasse oder das Finanzamt eine „Erstausbildung“ ablehnt? Dann legen Sie Einspruch gegen den Steuerbescheid ein und beantragen unter Hinweis auf die Revision das Ruhenlassen.

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