Muss ich Trinkgeld versteuern?

Alles über die steuerliche Behandlung von Trinkgeldern


Ob für eine angenehme Taxifahrt, eine freundliche Bedienung oder einen aufmerksamen Zimmerservice: Trinkgelder sind in vielen Branchen üblich. In der Regel stellt dieser Zuverdienst für den Empfänger einen wesentliche Einkommensquelle dar. Aber müssen Sie das Trinkgeld auch wie Arbeitslohn versteuern? Und können Sie gezahlte Trinkgelder steuermindernd angeben? Lesen Sie hier.

Muss ich mein Trinkgeld versteuern?

Wie so oft im Steuerrecht kommt es ganz darauf an. Und zwar bei Trinkgeldern vor allem darauf, ob Sie angestellt oder selbstständig sind. Deshalb gilt es bei der Frage, ob Sie Trinkgeld versteuern müssen, in folgende zwei Fälle zu unterscheiden:

Ich bin Arbeitnehmer

Als Arbeitnehmer ist Ihr Trinkgeld, das Sie direkt von Kunden oder Gästen erhalten, steuerfrei. Es kommt nicht darauf an, ob das Trinkgeld direkt in Ihr Portemonnaie wandert oder zunächst in einer gemeinsamen Trinkgeldkasse gesammelt und später unter den Kollegen geteilt wird. Wichtig ist nur, dass Ihre Kunden die finanzielle Aufmerksamkeit freiwillig erbringen. Das heißt, dass Sie keinen Rechtsanspruch auf die Zusatzvergütung haben dürfen (z. B. bei Fahrgeldern, Bedienzuschlägen im Hotel oder Metergeld bei Möbeltransporten). Ebenso müssen Sie das Trinkgeld zusätzlich zu Ihrem vereinbarten Arbeitslohn erhalten.

Bar oder mit Karte?
Auch bei Kartenzahlung ist es möglich, ein Trinkgeld einzugeben. Auch auf diesem Weg bleibt es steuerfrei.

Ich bin Unternehmer

Auch selbstständige Handwerker, Taxifahrer oder Künstler erhalten als Zeichen der Wertschätzung Ihrer Leistung oftmals ein Trinkgeld. Dann ist allerdings Vorsicht geboten. Denn das Trinkgeld stellt eine steuerpflichtige Betriebseinnahme dar. Die Steuerfreiheit gilt nur für Trinkgelder, die an Angestellte bezahlt werden. Wenn Sie allerdings Ihr eigener Chef sind, heißt das: Sie müssen Aufzeichnung über die erhaltenen Extra-Zahlungen führen und diese in Ihrer Buchhaltung und Steuererklärung angeben.

Ausnahme: Trinkgeld im Tronc

In Spielbanken ist es üblich, dass Trinkgelder an die Angestellten in Form von Jetons gezahlt werden können. Diese werden z. B. in extra dafür aufgestellten Behältern gesammelt. Da die Zahlung hier anonym geschieht und nicht auf der persönlichen Leistungsbeziehung beruht, gilt hier eine Ausnahme: Trinkgelder im Tronc sind laut Bundesfinanzhof steuerpflichtige Einnahmen.

Trinkgeld Steuer Erklärung Infografik

Ist Trinkgeld umsatzsteuerpflichtig?

Erhalten Sie als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer Trinkgeld, so unterliegt auch das der Umsatzsteuer. Denn zum steuerbaren Umsatz zählt alles, was der Kunde für seine gewünschte Ware oder Dienstleistung zahlt: also auch das Trinkgeld.

Kann ich Trinkgeld als Betriebsausgabe ansetzen?

Auf der anderen Seite stellt sich beim Trinkgeldgeber die Frage, ob der gezahlte Mehrbetrag steuermindernd angesetzt werden kann. Denn immerhin müssen Sie umgekehrt ein erhaltenes Trinkgeld auch als Betriebseinnahme versteuern.

Zahlen Sie das Trinkgeld als Privatperson bzw. in privatem Rahmen, bleibt das Trinkgeld ebenfalls „Privatvergnügen“. Sind Sie hingegen ein Unternehmer, der das Trinkgeld im Rahmen seiner betrieblichen Tätigkeit zahlt, sieht das anders aus. Das könnte zum Beispiel das Trinkgeld an einen Handwerker sein, der die Büroräume streicht oder für den Taxifahrer, der Sie zu einem Kundentermin bringt. In diesen Fällen stellt das Trinkgeld auch eine Betriebsausgabe dar.

Muss ich das gezahlte Trinkgeld belegen?

Trinkgelder werden selten auf Rechnungen mit aufgeführt oder nachträglich ergänzt. Schließlich schwingt meistens beim Empfänger ein bisschen die Angst mit, er müsse es daraufhin auch versteuern. Möchten Sie hingegen das gezahlte Trinkgeld als Betriebsausgabe berücksichtigen, müssen Sie das dem Finanzamt auf Nachfrage auch nachweisen können. Welche Möglichkeiten haben Sie dafür?

  • Sie lassen sich das Trinkgeld auf der erhaltenen Rechnung quittieren
  • Sie stellen einen Eigenbeleg aus
Was ist ein Eigenbeleg?
Ein Eigenbeleg wird vom Finanzamt als Ersatzbeleg anerkannt, wenn für bestimmte Zahlungen keine Rechnung oder Quittung ausgestellt wurde. Das kommt zum Beispiel häufig bei Trinkgeldzahlungen vor. Auf dem Eigenbeleg muss stehen, wie viel Sie wofür gezahlt haben, wann das war und an wen der Betrag ging.

Wo gebe ich Trinkgelder in der Steuererklärung an?

Bekommen Sie Ihr Trinkgeld steuerfrei als Arbeitnehmer, dann müssen Sie es auch nicht in der Steuererklärung angeben. Sind Sie hingegen Unternehmer, der ein Trinkgeld erhalten hat, ist das Trinkgeld in der Summe der Betriebseinnahmen anzugeben. Entsprechend steckt es dann auch in Ihrem Gewinn in der Anlage EÜR (für Einnahmenüberschussrechnung) und/oder Anlage G oder S.

Jetzt kostenlos WISO Steuer ausprobieren!

Egal, ob steuerpflichtiges oder steuerfreies Trinkgeld: Die Steuererklärung gehört für viele jährlich zum Pflichtprogramm. Aber auch die freiwillige Veranlagung lohnt sich! Denn: Mit der richtigen Software gibt es im besten Fall eine Menge Geld zurück aufs Konto. WISO Steuer unterstützt Sie zudem mit der umfangreichen Steuer-Hilfe und digitalem Belegabruf beim Finanzamt. Legen Sie direkt kostenfrei los!

Steuer Abruf Trinkgeld versteuern

 

Steuerberatung?

Einzelfragen zu Ihrer Steuererklärung darf leider nur ein Steuerberater beantworten. Wir freuen uns jedoch über Lob und Kritik und nehmen Ihre Anregungen gerne für zukünftige Beiträge auf.

Auch wenn die kostenlosen und frei zugänglichen Inhalte dieser Webseite mit größtmöglicher Sorgfalt erstellt wurden, übernehmen wir keine Gewähr für deren Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Der Aufruf dieser Inhalte begründet mangels Rechtsbindungswillens unsererseits keinerlei Vertragsverhältnis. Außer im Falle von Vorsatz übernehmen wir keine Haftung für etwaige aus der Verwendung der Inhalte resultierende Schäden.

Übrigens: In unserer Steuer-Software finden Sie eine ausführliche Hilfe und Tipps zu allen Themen rund um Ihre Steuererklärung.

+ Hier gibt es noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen