Unfall auf dem Weg zur Arbeit

Unfall auf dem Weg zur Arbeit

Mit der Pendlerpauschale abgegolten?


Mal kurz nicht aufgepasst und schon ist es passiert: ein Unfall, im besten Falle nur ein kleiner Blechschaden. Auf dem Weg zur Arbeit müssten die Kosten ja als Werbungskosten absetzbar sein, oder?

Leider nein. Denn nun wurden bei einem Unfall, der sich auf einer Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ereignete, keinerlei Kosten als Werbungskosten anerkannt: weder die Unfallkosten noch die unfallbedingten Krankheitskosten.

Begründung der Richter

Die Pendlerpauschale beträgt 30 Cent je Entfernungskilometer. Damit seien sämtliche Aufwendungen abgegolten, die einem Arbeitnehmer für die Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte entstehen. Also auch außergewöhnliche Kosten. Die Krankheitskosten seien allenfalls als außergewöhnliche Belastung zu berücksichtigen.

Diese Regelung diene der Steuervereinfachung und der Vermeidung von Rechtsstreitigkeiten über die Frage, ob noch gewöhnliche oder schon außergewöhnliche Aufwendungen vorliegen (Urteil des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz, Aktenzeichen 1 K 2078/15).

Im Gesetz ist bestimmt, dass „durch die Entfernungspauschale sämtliche Aufwendungen abgegolten sind, die durch die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte veranlasst sind“. Bei den Schadenskosten handelt es sich um „außergewöhnliche“ Autokosten, die u.E. nicht mit den Kilometer-Pauschalen abgegolten sind. Denn abgegolten sind nur die „gewöhnlichen“ Kosten, z. B. für Treibstoff, Wartung, Versicherungen, Kfz-Steuer, Abschreibung, Reifen

Der entschiedene Fall

Eine Angestellte hat auf der Fahrt zur Arbeitsstätte mit ihrem PKW einen Unfall. Danach klagte sie über Schmerzen im Kopf- und Nackenbereich, das Fahrzeug musste für ca. 7.000 Euro repariert werden.

Die Reparaturkosten und die entstandenen Behandlungskosten (Reha-Klinik usw.) wurden nur zum Teil von dritter Seite erstattet. Die selbst getragenen Kosten (Reparaturkosten ca. 280 Euro, Krankheitskosten ca. 660 Euro) machte sie in ihrer Steuererklärung als Werbungskosten geltend.

Das Finanzamt erkannte die Reparaturkosten für das Fahrzeug als Werbungskosten an, nicht hingegen die Krankheitskosten. Das Finanzgericht entschied, dass kein Werbungskostenabzug für die Behandlungskosten in Betracht komme. Folgerichtig hätten die Reparaturkosten für das Fahrzeug nicht zusätzlich zur Entfernungspauschale als Werbungskosten anerkannt werden dürfen.

Bisherige Handhabe

Bisher waren Unfallkosten stets zusätzlich zur Pendlerpauschale absetzbar. Vorausgesetzt, der Schaden ereignete sich auf einer beruflich veranlassten Fahrt. Dabei waren die Kosten in voller Höhe abziehbar, nicht etwa nur mit dem beruflichen Nutzungsanteil. Andererseits wurden sie auch nicht mit dem beruflichen Nutzungsanteil anerkannt, wenn der Schaden auf einer privaten Fahrt eintrat.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Erst am 31.10.2013 hat das Bundesfinanzministerium zum wiederholten Male die Finanzämter angewiesen, dass Unfallkosten als „außergewöhnliche Aufwendungen“ zusätzlich zur Entfernungspauschale im Rahmen der Werbungskosten absetzbar sind (BMF-Schreiben vom 31.10.2013, Teilziffer 1.1).

Dies ist auch die Auffassung des Gesetzgebers (BT-Drucksache 16/12099 vom 3.3.2009, Seite 8). Zu den „außergewöhnlichen Aufwendungen“ eines Unfalls gehören heute wie damals auch „Kosten zur Beseitigung von Körperschäden, die ein Arbeitnehmer auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erleidet; diese sind grundsätzlich Werbungskosten“ (Urteil des BFH aus 1962, Aktenzeichen I 79/60 S).

Im aktuellen Fall steht der Klägerin noch frei, eine so genannte Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesfinanzhof zu stellen. Wir gehen davon aus, dass Sie dies auch tun wird. Das letzte Wort ist somit noch nicht gesprochen.

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