Unfall auf Weg vom Arzt zum Arbeitsplatz

Unfall auf Weg vom Arzt zum Arbeitsplatz

Sind die Kosten absetzbar?


Die Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte gilt als berufliche Fahrt. Passiert ein Unfall, ist dieser als versicherter Wegeunfall bzw. Arbeitsunfall von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt. Steuerlich ist ein Schaden, der darüber hinaus geht, als Werbungskosten absetzbar.

Doch was, wenn vor oder nach der Arbeit noch ein Abstecher zum Arzt gemacht wird – und genau auf diesem Umweg ein Unfall passiert? Ist dieser versichert? Und können die Kosten bei der Steuer abgesetzt werden?

Unfall auf Umweg? Pech gehabt

Einen solchen Fall hatte nun das Sozialgericht Dortmund zu entscheiden: Ein Angestellter fuhr nach einem einstündigen Arztbesuch wieder in seinen Betrieb. Auf diesem Weg passierte ein Unfall. Die Richter entschieden, dass dies kein Arbeitsunfall sei. Folglich war der Schaden weder von der Versicherung abgedeckt noch hatte er Anspruch auf einen steuerlichen Abzug der Kosten.

Der Mitarbeiter sei nur so lange gesetzlich unfallversichert, wie er seinen gewöhnlichen Weg zur Arbeitsstätte benutzt. Mit Verlassen dieses Weges wird der Versicherungsschutz unterbrochen. Erst wenn er sich wieder auf seinem unmittelbaren Arbeitsweg befindet, greift der Versicherungsschutz wieder (Aktenzeichen S 36 U 131/17).

Nur direkter Weg zur Arbeit versichert

Ähnlich lautete bereits ein Urteil des Bundessozialgerichts vor zwei Jahren. Der Weg von der Arztpraxis zur Arbeitsstätte und umgekehrt steht in der Regel nicht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Denn dieser Weg liegt nicht im unmittelbaren betrieblichen, sondern im eigenwirtschaftlichen Interesse. Versichert ist nur der direkte Weg nach und von der versicherten Tätigkeit.

Kurze, geringfügige Umwege sind hierbei außen vor. Für eine größere Unterbrechung des Dienstweges bestehe dann kein Versicherungsschutz in der gesetzlichen Unfallversicherung (Aktenzeichen B 2 U 16/14 R).

Ausnahme: Arztbesuch länger als zwei Stunden

Wie so oft gibt es auch hier eine Ausnahme: Dauert der Arztbesuch mindestens zwei Stunden, wäre der Umweg von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt.

Grund: Bei einer längeren Unterbrechung des Weges liegt kein zusammenhängender einheitlicher Weg mehr vor- sondern vielmehr zwei getrennte Wege, von denen nur einer dem versicherten Weg zur Arbeitsstätte dient (Aktenzeichen B 2 U 5/15 R).

Was gilt bei der Steuer?

Steuerlich gilt Folgendes: Wird die normale Fahrtroute einer beruflich veranlassten Fahrt verlassen, kommt es darauf an, ob der Umweg beruflich veranlasst ist. Dies ist denkbar, wenn der Arztbesuch aufgrund eines Arbeits- oder Wegeunfall erfolgt. Ist dies nicht der Fall, werden weder die Fahrtkosten noch die Unfallkosten auf dem Umweg steuerlich anerkannt.

Befinden Sie sich nach dem privat veranlassten Umweg wieder auf Ihrer gewöhnlichen Wegstrecke und ereignet sich dann ein Unfall, ist der Schaden wiederum beruflich veranlasst – und somit steuermindernd absetzbar.

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