Verfall wertloser Optionsscheine

Verfall wertloser Optionsscheine

Ab 2009 verrechenbar


Durch den Kauf einer Kaufoption (long call) oder Verkaufsoption (long put), z. B. auf Aktien, erhalten Sie als Optionsnehmer das Recht, vom Verkäufer eine bestimmte Anzahl von Aktien zu einem bestimmten Basispreis zu kaufen bzw. an ihn zu verkaufen.

Optionsprämien steuerlich unbeachtlich?

Dafür zahlen Sie dem Optionsgeber für den Erwerb der Optionsrechte eine Optionsprämie. Bei diesem Geschäft gehen Sie davon aus, dass der Börsenkurs der Aktie steigen bzw. fallen wird. Geht Ihre Rechnung auf, üben Sie die Option aus.

Falls aber der Aktienkurs entgegen Ihrer Erwartung in die andere Richtung verläuft, verliert das Optionsrecht im Zeitverlauf allmählich an Wert und wird zum Schluss wertlos. Lassen Sie also die Kaufoption bzw. Verkaufsoption am Ende der Laufzeit verfallen, ist die gezahlte Optionsprämie mitsamt Nebenkosten und damit Ihr gesamter Kapitaleinsatz verloren.

Vor 2009: Vergebliche Werbungskosten

Fiskus und Bundesfinanzhof (BFH) hatten in der Vergangenheit immer stur und starr an ihrer irrigen Auffassung festgehalten, dass die gezahlten Optionsprämien wertlos gewordener Optionen bei Verfall der Option steuerlich unbeachtlich sind.

Doch im Jahre 2012 hatte der BFH endlich die weise Einsicht, dass bei Verfall des Optionsrechts die gezahlten Optionsprämien doch als sog. vergebliche Werbungskosten bei den „sonstigen Einkünften aus Termingeschäften“ 2008 absetzbar seien (Urteile des BFH, Aktenzeichen IX R 50/09 und IX R 12/11). Die Urteile betrafen allerdings die alte Rechtslage vor 2009.

Widerwillig musste der Fiskus folgen und erklärte sich bereit, die BFH-Urteile nur für die Jahre vor 2009 zu akzeptieren, nicht jedoch für die neue Rechtslage zur Abgeltungsteuer ab 2009 (BMF-Schreiben vom 27.03.2013).

Was gilt ab 2009?

Seit 2009 gehören die Einnahmen aus Optionsgeschäften zu den „Einkünften aus Kapitalvermögen“. Zwar ist der Werbungskostenabzug nun ausgeschlossen, doch als Gewinn aus Termingeschäften gilt nun der „Differenzausgleich bzw. Geldbetrag abzüglich der Aufwendungen, die im unmittelbaren sachlichen Zusammenhang mit dem Termingeschäft stehen“. Nach unserer Auffassung führen die Anschaffungskosten für die Option – auch bei Verfall des Optionsrechts – zu einem Verlust, der als negative Einnahmen mit anderen Kapitalerträgen außer Aktiengewinnen verrechnet werden kann.

Positives Urteil erwartet

Nun hat sich erstmals zur neuen Rechtslage ab 2009 das Finanzgericht Düsseldorf geäußert und zu Gunsten der Anleger entschieden: Bei Verfall wertlos gewordener Optionsscheine müssen die gezahlten Optionsprämien steuermindernd berücksichtigt werden. Denn beim Kauf der Optionsscheine handele es sich um ein Termingeschäft. Das Verfallenlassen der Optionsrechte gelte auch ohne das Erlangen eines Differenzausgleichs als beendetes Termingeschäft. Dem Besteuerungskonzept der Abgeltungsteuer sei Trennung zwischen Ertrags- und Vermögensebene fremd, denn es solle der verbleibende Vermögenszuwachs versteuert werden (Aktenzeichen 1 K 3740/13 E, Revision).

Nun wird der BFH endlich diese elend lange Streitfrage zur steuerlichen Berücksichtigung von wertlos gewordenen Optionsscheinen auch zur neuen Rechtslage ab 2009 klären. Wir sind zuversichtlich, dass die Entscheidung nur zugunsten der Anleger lauten kann.

Tipp: Falls Sie betroffen sind, halten Sie Ihre Steuerbescheide offen: Legen Sie Einspruch mit dem Verweis auf das aktuelle Verfahren beim BFH ein.

 

 

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