Verlust als Übungsleiter

Welcher Betrag mindert Ihre Steuer?


Übungsleiter sein kostet nicht nur Zeit. Manche spüren den Einsatz auch finanziell. Weil das auch der Fiskus weiß, hält er für diese Tätigkeiten eine kleine Unterstützung bereit: Die Arbeit als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Betreuer, Pfleger und Künstler ist steuerbegünstigt. Die Vergütungen bleiben bis zu 2.400 Euro im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei.

Geben ist seliger denn nehmen

Zugegeben: der steuerfreie Höchstbetrag ist nicht allzu üppig. Doch viele Vereine können selbst diesen Betrag nicht zahlen. So wundert es nicht, dass die Übungsleitertätigkeit nicht nur mit großem Idealismus und Engagement ausgeübt wird. Häufig ist sie auch mit eigenen Kosten verbunden, die die Einnahmen übersteigen.

Verlust verrechnen möglich?

Dann müsste doch der Verlust aus der Nebentätigkeit wenigstens steuermindernd mit anderen Einkünften verrechnet werden, oder? Leider lehnen die Finanzämter meist die Anerkennung von Verlusten aus der Nebentätigkeit ab. Ihr Argument: die Ausgaben stünden in Zusammenhang mit steuerfreien Einnahmen – und seien deshalb nicht abziehbar.

Anders das Finanzgericht Thüringen: wenn die Einnahmen unterhalb des Steuerfreibetrags von 2.400 Euro liegen und die Ausgaben den Freibetrag übersteigen, soll nur der übersteigende Betrag als Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben absetzbar sein (Aktenzeichen 3 K 480/14, Revision III R 23/15).

Der aktuell entschiede Fall

Eine Übungsleiterin erzielte steuerfreie Einnahmen in Höhe von 1.200 Euro. Ausgaben hatte sie in Höhe von 4.000 Euro. Sie macht die Differenz von 2.800 Euro als Verlust aus selbstständiger Arbeit geltend.

Das Finanzamt erkannte aber nicht diesen Betrag an, sondern lediglich die Ausgaben, die den Freibetrag übersteigen, also 1.600 Euro (4.000 Euro ./. 2.400 Euro). Die Finanzrichter bestätigen diese Sicht.

Bisher wurde dies jedoch anders gehandhabt – und zwar gleich auf mehrere Arten:

Das Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern hatte bei einem Übungsleiter mit steuerfreien Einnahmen von 108 Euro und Ausgaben von 608 Euro die Differenz von 500 Euro als Verlust aus selbstständiger Tätigkeit anerkannt (Aktenzeichen 3 K 368/14, Nichtzulassungsbeschwerde VIII B 73/15).

Das Finanzgericht Berlin-Brandenburg hatte bei einem Trainer, der eine Vergütung von 1.500 Euro erhielt und Ausgaben von 3.300 Euro hatte, den Verlust in Höhe von 1.800 Euro anerkannt und mit anderen Einkünften steuermindernd verrechnet (Urteil des Finanzgericht Berlin-Brandenburg, Aktenzeichen 7 K 3121/05 B).

Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz erkannte bei einem Tanzsportübungsleiter, der Einnahmen in Höhe von 1.128 Euro und Ausgaben in Höhe von 2.417 Euro hatte, den Verlust in Höhe von 1.289 Euro an (Aktenzeichen 2 K 1996/10, rkr).

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