Verlust aus der Photovoltaikanlage

Verlust aus der Photovoltaikanlage

Wann wird dieser steuerlich anerkannt?


Typisch Finanzamt! Kaum erzielt ein Unternehmer Verluste, wird es misstrauisch. Der Fiskus nimmt dann an, dass der Steuerzahler keine Gewinnerzielungsabsicht hat und nur aus privaten Motiven handelt.

Der Fachbegriff dafür lautet Liebhabereibetrieb. Stellt das Finanzamt bei Ihnen Liebhaberei fest, können Sie die erzielten Verluste nicht mehr steuermindernd mit anderen Einkünften verrechnen. Das Finanzamt ist daher daran interessiert Liebhaberei zu erkennen.

1. Stufe: Prognoserechnung über 20 Jahre erstellen

Vor allem zu Beginn bedeutet eine Solaranlage vor allem eines: Verlust. Dann fordern die Finanzämter schnell eine Überprüfung der Gewinnerzielungsabsicht. Im Rahmen einer Prognoserechnung über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 20 Jahren müssen Sie errechnen, ob Sie unter dem Strich einen Totalgewinn erreichen können.

Bei einer positiven Ergebnisprognose ist die Gewinnerzielungsabsicht zu bejahen. Dementsprechend können Sie auch die anfänglichen Verluste uneingeschränkt mit anderen positiven Einkünften steuermindernd verrechnen.

Bei einer negativen Prognoserechnung jedoch möchten die Finanzämter den Betrieb der Photovoltaikanlage als Liebhabereibetrieb einstufen. Die Folge: Die Verluste dürfen Sie nicht mehr mit anderen Einkünften verrechnen.

So einfach geht dies jedoch nicht, wie nun das Finanzgericht Baden-Württemberg in einem Urteil (Aktenzeichen 1 K 841/15) klargestellt hat. Damit ein Unternehmen zum Liebhabereibetrieb erklärt werden darf, muss die Gewinnerzielungsabsicht zweistufig geprüft werden. Die Prognoserechnung ist dabei nur die erste Stufe. Ist die Prognose negativ muss weiterhin im individuellen Einzelfall betrachtet werden, welche Gründe dafür verantwortlich sind.

2. Stufe: Verlustgründe prüfen

Sollte die Ertragsprognose negativ ausfallen, liegt jedoch nicht gleich Liebhaberei vor. Erst wenn sich bei der weiteren Prüfung herausstellt, dass die Tätigkeit auf einkommensteuerrechtlich unbeachtlichen Motiven beruht und sich der Steuerzahler nicht wie ein Gewerbetreibender verhält, haben Sie schlechte Karten. Denn nur wenn dies auch noch neben der negativen Ertragsprognose zu bejahen ist, darf das Finanzamt eine Liebhaberei überhaupt annehmen.

Der entschiedene Fall

Im Urteilsfall hatte der Betreiber einer Photovoltaikanlage ausweislich der Prospekte mit einer besseren Rentabilität und dem folgend auch mit Gewinn seiner Anlage gerechnet. Aufgrund technischer Schwierigkeiten fiel die Stromausbeute jedoch unerwartet niedriger aus. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen beauftragte der Steuerzahler nicht nur einen Gutachter zur Ursachenforschung. Er setzte sich auch mit der finanzierenden Bank in Verbindung. Er erreichte daraufhin eine Senkung des Sollzinssatzes. Insgesamt war deutlich zu erkennen, dass der Betreiber alles tat um eine Lösung für die aufgelaufenen Verluste zu finden. Dennoch kam es zu Verlusten, die das Finanzamt nicht anerkennen wollte.

Motive und Handlungen entscheiden

Losgelöst von der negativen Gewinnprognose erkannte jedoch das erstinstanzliche Finanzgericht mit rechtskräftigen Urteil die Verluste an. Denn es waren definitiv keine private Motivation für das Engagement im Bereich der Fotovoltaik vorhanden. Auch setzte der Steuerzahler alles daran, um die geplante Gewinnzone zu erreichen.

Unter diesen Voraussetzungen können Sie auch bei negativer Gewinnprognose Verluste anerkannt bekommen und diese mit anderen Einkünften steuermindernd verrechnen.

So überzeugen Sie das Finanzamt

Wer daher mit dem Finanzamt ein ähnliches Problem hat, sollte nicht direkt die Flinte ins Korn werfen. Zeigen Sie vielmehr dem Fiskus auf, dass keine Steuersparaspekte für das Engagement ursächlich waren und zudem auch ein unternehmerisches Handeln gegeben ist. Gelingt dies, muss der Fiskus auch den Verlust anerkennen.

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