Vorauszahlungen und Verlustrücktrag

Änderung im Gesetz verschafft kurzfristige Liquidität


Eine der vielen steuerlichen Erleichterungen aufgrund der Corona-Krise betreffen die Steuer-Vorauszahlungen. Während Arbeitnehmer monatlich Lohnsteuer an das Finanzamt bezahlen, müssen vor allem Selbstständige vierteljährlich Vorauszahlungen für das laufende Steuerjahr abführen. Grundlage ist dabei immer die Steuerzahlung des Vorjahres. Um die Auswirkungen der Corona-Krise jetzt schon steuerlich zu berücksichtigen, hat sich der Gesetzgeber den vorläufigen Verlustrücktrag überlegt.

Kurz & Knapp

  • Unternehmen sollen in der Corona-Krise unterstützt werden, indem Verluste zeitnah berücksichtigt werden.
  • Hierfür wurden die §§ 110 EStG (Anpassung von Vorauszahlungen 2019) und 111 EStG (Vorläufiger Verlustrücktrag für 2020) eingeführt.
  • Selbstständige und Unternehmen können sich so kurzfristig mehr Liquidität verschaffen.

Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2019

Falls Sie noch keine Steuererklärung für das Jahr 2019 abgegeben, aber Vorauszahlungen geleistet haben, können Sie sich diese erstatten lassen. In diesem Fall lassen Sie nach § 110 EStG die Einkommensteuer-Vorauszahlungen für das Steuerjahr 2019 herabsetzen. Und zwar, indem Sie bereits jetzt einen erwarteten Verlust für das Jahr 2020 berücksichtigen.

Erwarten Sie 2020 einen Verlust?

Voraussetzung ist, dass für das Jahr 2020 bereits alle Vorauszahlungen auf 0 Euro gesenkt wurden. Der Grund dafür muss ein Umsatzeinbruch durch die Corona-Krise sein. Das geht auch für das Jahr 2019, indem pauschal der Gesamtbetrag der Einkünfte des Jahres 2019 um 30 Prozent gemindert wird. Dadurch sinken auch die Vorauszahlungen, denn die erwartete Steuerlast des Vorjahres fällt niedriger aus. Haben Sie die Vorauszahlungen bereits geleistet, erhalten Sie eine Erstattung vom Finanzamt in Höhe der zu viel gezahlten Beträge.

Kann auch ein höherer Verlust angegeben werden?

Wenn der betriebliche Verlust größer als die pauschalen 30 Prozent ausfällt, können Sie die Vorauszahlungen auch noch weiter herabsetzen lassen. Diese Verluste müssen Sie aber nachweisen. Als Höchstgrenze ist nach § 110 EStG jedoch ein maximaler Betrag von 5 Millionen bzw. 10 Millionen bei Zusammenveranlagung festgesetzt.

Blitz IconWenn Sie die Steuererklärung für 2019 abgeben, wird der Verlust aus dem Jahr 2020 noch nicht berücksichtigt. Denn dafür müssen Sie erst die Steuererklärung für 2020 erstellen. Deshalb kann aus der Steuererklärung 2019 eine Nachzahlung auf Sie zukommen. Denn die (herabgesetzten) Vorauszahlungen weichen von ihrer tatsächlichen Steuerlast ab. Diese Nachzahlung können Sie allerdings zinslos stunden lassen.

Steuererklärung 2019 schon abgegeben: vorläufiger Verlustrücktrag

Wenn Sie für das Jahr 2019 bereits einen Steuerbescheid erhalten haben, können Vorauszahlungen für 2019 nicht mehr angepasst werden. Doch auch jetzt ist noch eine schnelle Liquiditätsspritze möglich: In diesem Fall hilft der neue § 111 EStG weiter. Erwarten Sie durch die Corona-Krise im Jahr 2020 Verluste, können Sie diese bereits jetzt über den Verlustrücktrag im Steuerjahr 2019 berücksichtigen. Normalerweise geht das erst, wenn Sie die Steuererklärung für das Jahr 2020 abgegeben haben – also im Jahr 2021.

Verlust schon vorher angeben

Nun ist es aber auch schon vor der Steuererklärung 2020 möglich, einen Verlustrücktrag in das Jahr 2019 zu beantragen – pauschal und vorläufig. Auf Antrag wird der Gesamtbetrag der Einkünfte 2019 pauschal um 30 Prozent gemindert. Die 30 Prozent sind somit Ihr „fiktiver“ Verlust aus 2020. Damit wird die Steuerlast für das Jahr 2019 neu berechnet. Die Differenz wird Ihnen erstattet. Voraussetzung ist hier ebenfalls, dass die laufenden Vorauszahlungen für das Jahr 2020 auf 0 Euro festgesetzt wurden und der zu erwartende Verlust somit glaubhaft ist.

Kann ich auch einen höheren Verlust angeben?

Ein höherer Betrag als 30 Prozent ist ebenfalls möglich, jedoch muss der höhere Verlust dann doch bereits vorab glaubhaft gemacht werden. Als Obergrenze für den vorläufigen Verlustrücktrag gelten ebenfalls 5 Millionen bzw. 10 Millionen bei Zusammenveranlagung.

Blitz IconMit der Steuererklärung für das Jahr 2020 wird der Verlust genau festgestellt. Der vorläufige pauschale Verlustrücktrag wird dann durch einen endgültigen Wert ersetzt. Ist der tatsächliche Verlust dann niedriger, kann es zu Steuernachzahlungen für das Jahr 2019 kommen. Denn der vorläufige Steuerbescheid wird nachträglich an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst.

 

Ein kleines Beispiel für Sie

Verlust, Vorauszahlung, Rücktrag, … klingt kompliziert? Zugegeben, der Gesetzgeber macht es uns nicht leicht.

Aber folgendes Beispiel soll die Regelungen verdeutlichen:

Stefanie ist Inhaberin eines Restaurants. Das lief bisher gut. 2018 erzielte sie einen Gewinn von 80.000 Euro und musste deshalb im Jahr 2019 insgesamt 24.000 Euro Einkommensteuer vorauszahlen. Auch für 2020 hielt das Finanzamt die Hand auf und möchte vierteljährlich 6.000 Euro von ihr haben.

Vorauszahlungen für 2020 herabsetzen

Doch leider hat die Corona-Pandemie auch bei ihr finanziell zugesetzt. Schon im ersten Quartal ist sie sich sicher, dass sie keinesfalls mit einem Plus aus dem Jahr kommt. Deshalb beantragt sie beim Finanzamt, die Vorauszahlungen für 2020 auf 0 herabzusetzen. 6.000 Euro hat sie bereits überwiesen und bekommt diese zurückgezahlt.

Vorauszahlungen für 2019 herabsetzen

Doch die Rückzahlung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Da sie für 2020 sowieso mit einem Verlust rechnet, möchte sie sich die schlechte Situation zumindest steuerlich etwas zunutze machen. Auf Steuern-Sparen liest sie vom pauschalen Verlustrücktrag – und ist begeistert! Die Steuererklärung für 2019 hat sie aufgrund einer großzügigen Fristverlängerung des Finanzamts noch nicht erstellt. Es ist also noch möglich, auch die Vorauszahlungen, die bereits 2019 geflossen sind, zurückzuholen.

Also stellt sie beim Finanzamt den Antrag, pauschal 24.000 Euro (30 Prozent von 80.000 Euro) als Verlust für die Festsetzung der Vorauszahlung 2019 zu berücksichtigen. Damit müsste sie eigentlich für 2019 nur noch auf 56.000 Euro Steuern zahlen! Das sind nur noch in etwa 15.000 Euro an Steuern. Also bekommt sie von ihren Vorauszahlungen für 2019 9.000 Euro (24.000 Euro – 9.000 Euro) erstattet.

Steuerjahr 2019

Ende des Jahres 2020 ruft dann doch die Steuererklärung für 2019. Für 2019 erklärt Stefanie aber noch einen Gewinn – denn Corona war noch kein Thema. Da sie die Vorauszahlungen bereits gesenkt hat, errechnet das Finanzamt ihr eine Nachzahlung! Doch der erste Schock legt sich schnell – denn die Nachzahlung kann Stefanie aufgrund der neuen Corona-Regelungen zinslos stunden lassen. Auf dem Konto bleibt also erstmal alles beim Alten.

Steuerjahr für 2020

Die Zeit geht ins Land und ein Jahr später schlägt die Stunde der Wahrheit: die Steuererklärung für 2020. Jetzt erklärt Stefanie ihren Verlust dem Finanzamt. Glücklicherweise deckt sich dieser nahezu mit dem prognostizierten Verlust in Höhe von 24.000 Euro. Diesen stellt das Finanzamt im Steuerbescheid fest und trägt ihn in das Jahr 2019 zurück. Der Bescheid, den Stefanie für 2019 bereits erhalten hat, wird entsprechend geändert. Eine Nachzahlung muss sie jetzt nicht mehr leisten.

Blitz IconHätte Stefanie wider Erwarten einen geringeren oder gar keinen Verlust erwirtschaftet, müsste Sie die Nachzahlung für 2019 in jedem Fall leisten. Stundungszinsen werden – aufgrund der vorläufigen Corona-Billigkeitsregelung für Stundungen – trotzdem nicht festgesetzt.
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