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Vorauszahlungen und Verlustrücktrag

Änderung im Gesetz verschafft kurzfristige Liquidität


Eine der vielen steuerlichen Erleichterungen aufgrund der Corona-Krise betreffen die Steuer-Vorauszahlungen. Während Arbeitnehmer monatlich Lohnsteuer an das Finanzamt bezahlen, müssen vor allem Selbstständige vierteljährlich Vorauszahlungen für das laufende Steuerjahr abführen. Grundlage ist dabei immer die Steuerzahlung des Vorjahres. Um die Auswirkungen der Corona-Krise jetzt schon steuerlich zu berücksichtigen, hat sich der Gesetzgeber den vorläufigen Verlustrücktrag überlegt.

Kurz & knapp

  • Unternehmen werden in der Corona-Krise unterstützt, indem Verluste zeitnah berücksichtigt werden
  • Für 2020 und 2021 gilt eine neue Höchstbetragsgrenze beim steuerlichen Verlustrücktrag
  • Um Selbstständigen und Unternehmen kurzfristig mehr Liquidität zu verschaffen, wurden die §§ 110 EStG (Anpassung von Vorauszahlungen 2020) und 111 EStG (Vorläufiger Verlustrücktrag für 2021) eingeführt

Doppelter Verlustrücktrag für 2020 und 2021

Unternehmen, die durch die Corona-Pandemie Verluste einfahren, werden durch den erweiterten Verlustrücktrag unterstützt. Mit dem Dritten Corona-Steuerhilfegesetz wird die Höchstgrenze beim steuerlichen Verlustrücktrag angehoben: für die Veranlagungsjahre 2020 und 2021 auf 10 Millionen Euro und bei Paaren auf 20 Millionen Euro (bislang: 5 Millionen Euro bzw. 10. Millionen Euro). Dies gilt auch für den vorläufigen Verlustrücktrag für 2020 nach § 111 EstG.

Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2021

Falls Sie noch keine Steuererklärung für das Jahr 2020 abgegeben, aber Vorauszahlungen geleistet haben, können Sie sich diese erstatten lassen. In diesem Fall lassen Sie nach § 110 EStG die Einkommensteuer-Vorauszahlungen für das Steuerjahr 2021 herabsetzen. Und zwar, indem Sie bereits jetzt einen erwarteten Verlust für das Jahr 2021 berücksichtigen.

Voraussetzung ist, dass für das Jahr 2021 bereits alle Vorauszahlungen auf 0 Euro gesenkt wurden. Der Grund dafür muss ein Umsatzeinbruch durch die Corona-Krise sein. Das geht auch für das Jahr 2020, indem pauschal der Gesamtbetrag der Einkünfte des Jahres 2020 um 30 Prozent gemindert wird. Dadurch sinken auch die Vorauszahlungen, denn die erwartete Steuerlast des Vorjahres fällt niedriger aus. Haben Sie die Vorauszahlungen bereits geleistet, erhalten Sie eine Erstattung vom Finanzamt in Höhe der zu viel gezahlten Beträge.

Kann ich auch einen höheren Verlust angeben?

Wenn der betriebliche Verlust größer als die pauschalen 30 Prozent ausfällt, können Sie die Vorauszahlungen auch noch weiter herabsetzen lassen. Diese Verluste müssen Sie aber nachweisen. Als Höchstgrenze ist nach § 110 EStG jedoch ein maximaler Betrag von 10 Millionen bzw. 20 Millionen bei Zusammenveranlagung festgesetzt.

Blitz IconWenn Sie die Steuererklärung für 2020 abgeben, wird der Verlust aus dem Jahr 2021 noch nicht berücksichtigt. Denn dafür müssen Sie erst die Steuererklärung für 2021 erstellen. Deshalb kann aus der Steuererklärung 2020 eine Nachzahlung auf Sie zukommen. Denn die (herabgesetzten) Vorauszahlungen weichen von ihrer tatsächlichen Steuerlast ab. Diese Nachzahlung können Sie allerdings zinslos stunden lassen.

Vorläufiger Verlustrücktrag für 2021

Wenn Sie für das Jahr 2020 bereits einen Steuerbescheid erhalten haben, können Vorauszahlungen für 2021 nicht mehr angepasst werden. Doch eine schnelle Liquiditätsspritze ist trotzdem möglich: In diesem Fall hilft der neue § 111 EStG weiter. Verluste durch die Corona-Krise aus dem Jahr 2021, können Sie über den Verlustrücktrag im Steuerjahr 2020 berücksichtigen. Normalerweise geht das, wenn Sie die Steuererklärung für das Jahr 2020 abgegeben haben – also im Jahr 2021.

Es ist aber auch schon vor der Steuererklärung 2021 möglich, einen Verlustrücktrag in das Jahr 2020 zu beantragen – pauschal und vorläufig. Auf Antrag wird der Gesamtbetrag der Einkünfte 2020 pauschal um 30 Prozent gemindert. Die 30 Prozent sind somit Ihr „fiktiver“ Verlust aus 2021. Damit wird die Steuerlast für das Jahr 2020 neu berechnet. Die Differenz wird Ihnen erstattet. Voraussetzung ist hier ebenfalls, dass die laufenden Vorauszahlungen für das Jahr 2021 auf 0 Euro festgesetzt wurden und der zu erwartende Verlust somit glaubhaft ist. Mit dem Drit­ten Corona-Steu­er­hil­fe­ge­setz wird die Berück­sich­ti­gung eines vor­läu­fi­gen Ver­lu­st­rück­trags in die­ser Weise auf 2021 ausgeweitet.

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Kann ich auch einen höheren Verlust angeben?

Ein höherer Betrag als 30 Prozent ist ebenfalls möglich, jedoch muss der höhere Verlust bereits vorab glaubhaft gemacht werden. Als Obergrenze für den vorläufigen Verlustrücktrag gelten ebenfalls 10 Millionen bei Einzel- bzw. 20 Millionen bei Zusammenveranlagung.

Blitz IconMit der Steuererklärung für das Jahr 2021 wird der Verlust genau festgestellt. Der vorläufige pauschale Verlustrücktrag wird dann durch einen endgültigen Wert ersetzt. Ist der tatsächliche Verlust dann niedriger, kann es zu Steuernachzahlungen für das Jahr 2020 kommen. Denn der vorläufige Steuerbescheid wird nachträglich an die tatsächlichen Verhältnisse angepasst.

 

Beispiel

Stefanie ist Inhaberin eines Restaurants. Das lief bisher gut. 2019 erzielte sie einen Gewinn von 80.000 Euro und musste deshalb im Jahr 2020 insgesamt 24.000 Euro Einkommensteuer vorauszahlen. Auch für 2021 hielt das Finanzamt die Hand auf und möchte vierteljährlich 6.000 Euro von ihr haben.

Vorauszahlungen für 2021 herabsetzen

Doch leider hat die Corona-Pandemie auch ihr finanziell zugesetzt. Schon im ersten Quartal ist sie sich sicher, dass sie keinesfalls mit einem Plus aus dem Jahr kommt. Deshalb beantragt sie beim Finanzamt, die Vorauszahlungen für 2021 auf 0 herabzusetzen. 6.000 Euro hat sie bereits überwiesen und bekommt diese zurückgezahlt.

Vorauszahlungen für 2020 herabsetzen

Doch die Rückzahlung ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Da sie für 2021 sowieso mit einem Verlust rechnet, möchte sie sich die schlechte Situation zumindest steuerlich etwas zunutze machen. Auf Steuern-Sparen liest sie vom pauschalen Verlustrücktrag – und ist begeistert! Die Steuererklärung für 2020 hat sie aufgrund einer großzügigen Fristverlängerung des Finanzamts noch nicht erstellt. Es ist also noch möglich, auch die Vorauszahlungen, die bereits 2020 geflossen sind, zurückzuholen.

Also stellt sie beim Finanzamt den Antrag, pauschal 24.000 Euro (30 Prozent von 80.000 Euro) als Verlust für die Festsetzung der Vorauszahlung 2021 zu berücksichtigen. Damit müsste sie eigentlich für 2019 nur noch auf 56.000 Euro Steuern zahlen! Das sind nur noch in etwa 15.000 Euro an Steuern. Also bekommt sie von ihren Vorauszahlungen für 2020 9.000 Euro (24.000 Euro – 9.000 Euro) erstattet.

Steuerjahr 2020

Ende des Jahres 2021 ruft dann doch die Steuererklärung für 2020. Für 2020 erklärt Stefanie aber noch einen Gewinn. Da sie die Vorauszahlungen bereits gesenkt hat, errechnet das Finanzamt ihr eine Nachzahlung! Doch der erste Schock legt sich schnell – denn die Nachzahlung kann Stefanie aufgrund der neuen Corona-Regelungen zinslos stunden lassen. Auf dem Konto bleibt also erstmal alles beim Alten.

Steuerjahr für 2021

Die Zeit geht ins Land und ein Jahr später schlägt die Stunde der Wahrheit: die Steuererklärung für 2021. Jetzt erklärt Stefanie ihren Verlust dem Finanzamt. Glücklicherweise deckt sich dieser nahezu mit dem prognostizierten Verlust in Höhe von 24.000 Euro. Diesen stellt das Finanzamt im Steuerbescheid fest und trägt ihn in das Jahr 2020 zurück. Der Bescheid, den Stefanie für 2020 bereits erhalten hat, wird entsprechend geändert. Eine Nachzahlung muss sie jetzt nicht mehr leisten.

Hätte Stefanie wider Erwarten einen geringeren oder gar keinen Verlust erwirtschaftet, müsste Sie die Nachzahlung für 2020 in jedem Fall leisten. Stundungszinsen werden – aufgrund der vorläufigen Corona-Billigkeitsregelung für Stundungen – trotzdem nicht festgesetzt.

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