Verzögerung bei Finanzämtern

Warum es wieder länger dauert


Gut Ding will Weile haben. Das dachte sich wohl auch der Fiskus und vergaß, eine Gesetzesänderung in die Bearbeitungssoftware zu übernehmen. Dies wird nun nachgeholt – und lässt hunderttausende Steuerzahler auf ihren Bescheid warten.

Eine halbe Millionen Bürger betroffen

Schätzungsweise bis zu 500.000 Steuerzahler erhalten in diesem Jahr erst verzögert ihren Steuerbescheid. Der Grund: Eine rechtliche Änderung aus dem Jahre 2011. Die getrennte Veranlagung von Ehepaaren wurde ab der Steuererklärung 2013 durch die neu geschaffene Einzelveranlagung ersetzt. Diese kann jedoch noch nicht von der Software in den Finanzämtern verarbeitet werden!

Die Änderung stammt aus dem Steuervereinfachungsgesetz 2011 und wurde bereits am 07.11.2011 bekannt gegeben. Handlungsbedarf sieht die Finanzbehörde erst jetzt, zweieinhalb Jahre später. Ab wann die Software für die Bearbeitung von Einzelveranlagungen einsatzbereit ist, bleibt abzuwarten.

Wartezeit unbekannt

Die Vielzahl der Steuererklärungen muss bis zum 2. Juni beim Finanzamt sein. Doch es ist zweifelhaft, dass auch alle ab diesem Termin bearbeitet werden können. Die bis dato noch nicht bearbeiteten Steuererklärungen dürften sich jedenfalls in den einzelnen Sachgebieten bereits stapeln. Da die Bearbeitung strikt nach Eingangsdatum erfolgt dürften viele Ehepartner eine lange Wartezeit vor sich haben. Die Oberfinanzdirektion in Nordrhein-Westfalen rechnet damit, dass die Bearbeitung erst in der zweiten Jahreshälfte möglich sein wird.

Ob der Fiskus sich allzu sehr beeilen wird ist fraglich. Die zu erstattenden Steuern bleiben bis zur Zahlung in der Staatskasse – und erwirtschaften sicher einen nicht geringen Zinsbetrag. Auf die zusätzliche Zahlung von Erstattungszinsen brauchen Sie jedoch nicht zu hoffen: Diese werden erst gezahlt, wenn Sie den Steuerbescheid 15 Monate nach dem Steuerjahr erhalten. Auch müssten diese dann versteuert werden. Bis dahin werden die Ämter die Software sicherlich zum Laufen gebracht haben.

Warum wählt man die „neue Einzelveranlagung“?

Für die meisten Ehepaare ist die Zusammenveranlagung am günstigsten. Denn im Normalfall führt eine Einzelveranlagung zu einer höheren Steuerbelastung, da die Einkommensteuer für jeden Ehepartner nach dem Grundtarif statt nach dem Splittingtarif zu berechnen ist. Die Einzelveranlagung kann sich jedoch lohnen, wenn

  • nur ein Ehepartner Arbeitnehmer ist und der andere Selbstständiger und bei Letzterem sonst sein Vorwegabzug bei den Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der Günstigerprüfung gekürzt wird;
  • ein Verlustrück- oder Verlustvortrag geltend gemacht wird und der andere Ehepartner nicht sehr hohe Einkünfte hat;
  • die Eheleute annähernd gleich hohe Einkünfte haben und sich bei Einzelveranlagung für jeden Ehepartner die Möglichkeit ergibt, bestimmte Höchstbeträge oder Freigrenzen auszunutzen;
  • ein Partner erhebliche steuerfreie Einkünfte mit Progressionsvorbehalt hat (beispielsweise Arbeitslosengeld, Krankengeld, Kurzarbeitergeld sowie Auslandseinkünfte aus einem Nicht-EU- Staat, die nach Doppelbesteuerungsabkommen von der deutschen Einkommensteuer freigestellt sind) und beim anderen Partner relativ niedrige steuerpflichtige Einkünfte vorliegen;
  • ein Partner erhebliche tarifbegünstigte außerordentliche Einkünfte zu versteuern hat, die einem ermäßigten Steuertarif unterliegen (Fünftelregelung ), und der Ehepartner geringe normal besteuerte Einkünfte erzielt hat;
  • beide Ehepartner als Ruheständler Nebeneinkünfte haben und jedem bei Einzelveranlagung der Härteausgleich gewährt wird;
  • ein Ehepartner kirchensteuerpflichtig ist und der andere nicht und Letzterer bei Zusammenveranlagung ein besonderes Kirchgeld zahlen müsste;
  • bei Zusammenveranlagung die Einkommensgrenze für die Arbeitnehmer-Sparzulage überschritten würde.

In der Praxis wird die Einzelveranlagung häufig auch deshalb gewählt, weil ein Ehepaar im Vorfeld einer Scheidung die Einkünfte und die daraus resultierende Steuerlast voneinander getrennt halten will.

Tipp: Am einfachsten lässt sich die günstigste Veranlagungsform durch eine Kontrollberechnung feststellen. Ihre WISO-Software zeigt Ihnen ganz einfach, welche Veranlagungsform die Günstigste für Sie ist. Gehen Sie in den Bereich „Steuererklärung optimieren“ und klicken Sie auf den Punkt “Abschließende Wahl der Veranlagung”. Aus der Vergleichsrechnung können Sie auf einem Blick entnehmen, welche Veranlagungsart für Sie die Beste ist.

 

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