Voller Abzug von Studienkosten

Voller Abzug von Studienkosten

Positive Entscheidung immer wahrscheinlicher


Bereits viele Jahre dauert der Rechtsstreit zwischen Fiskus und Studenten an. Um was es geht? Gleichbehandlung! Und zwar eine, die ordentlich ins Geld geht. Denn Bachelor und Masterstudenten erfahren im Steuerrecht eine komplett unterschiedliche Behandlung.

Worum geht’s im Rechtsstreit?

Während alle Studenten, die ein Zweitstudium absolvieren, ihre Studienkosten unbegrenzt als Werbungskosten absetzen können, erkennt das Finanzamt beim Erststudium lediglich den Abzug als Sonderausgaben in Höhe von maximal 6.000 Euro an. Auch ist ein Verlustvortrag nur für Studenten im Zweitstudium erlaubt. Eine krasse Ungleichbehandlung.

Bereits 2015 hatte der Bundesfinanzhof entschieden, dass diese unterschiedliche Behandlung von Erststudenten und Zweitstudenten verfassungswidrig ist. In letzter Instanz muss nun das Bundesverfassungsgericht urteilen.

Bundesrechtsanwaltskammer auf Seite der Studenten

Die Chancen auf einen positiven Ausgang der Geschichte stehen sehr gut, da bereits die beiden Vorinstanzen im Sinne der Erststudenten entschieden haben. So vertritt der Bundesfinanzhof die Auffassung, dass diese Regelung gegen den Allgemeinen Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes verstößt. Zudem hat es gleich mehrere Vorlagen beim Bundesverfassungsgericht angebracht, um die Steuervorschrift auf die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz hin zu überprüfen.

Auch die Bundesrechtanwaltskammer hat aktuell für gute Stimmung auf Seiten der Studenten gesorgt: Das Bundesverfassungsgericht hat die Kammer um eine Stellungnahme im Rechtsstreit gebeten. In Ihrer Stellungnahme zur Anfrage teilt die Kammer mit, dass aus Ihrer Sicht das Abzugsverbot nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist – und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie der Bundesfinanzhof.

Die Chance auf einen kompletten Abzug der Studienkosten bei Erststudenten wird somit von Tag zu Tag größer! Profitieren auch Sie von der Rechtsprechung!

Geben Sie jetzt eine Steuererklärung ab!

Sie studieren im Erststudium, haben aber bisher noch keine Steuererklärung abgegeben? Oder Ihr Studium liegt gar schon Jahre zurück? Kein Problem. Falls Sie für die Studienjahre bisher keine Steuererklärung abgegeben haben, können Sie dies nun nachholen und darin die Studienkosten als Werbungskosten geltend machen.

Allerdings ist die Abgabe einer Steuererklärung nur möglich, solange die Verjährungsfrist noch nicht abgelaufen ist. Diese beträgt im Allgemeinen vier Jahre. Also können Sie im Jahre 2018 eine Steuererklärung noch bis ins Jahr 2014 erstellen.

Sieben Jahre Zeit für Verlustfeststellung

Es gibt es aber auch die Möglichkeit, eine Verlustfeststellung zu beantragen. Dazu haben Sie sieben Jahre Zeit. Also ist dies im Jahre 2018 noch rückwirkend bis ins Jahr 2011 möglich – drei Jahre länger als bei der Steuererklärung.

Für den Antrag verwenden Sie den Mantelbogen und die Anlage N. Im Mantelbogen kreuzen Sie „Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags“ an. Dann listen Sie in der Anlage N Ihre damaligen Studienkosten als Werbungskosten auf – ganz egal, ob Sie Einnahmen hatten oder nicht.

Das Finanzamt stellt dann negative Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit fest. Dies dokumentiert es durch den Verlustvortrag in einem „Verlustfeststellungsbescheid“ zwecks Verrechnung in den Folgejahren. Dieser negative Betrag wird im Wege des Verlustabzugs jeweils ins nächste Jahr vorgetragen. Auf diese Weise retten Sie Ihren Verlust hinüber ins erste Berufsjahr – und bekommen dann eine schöne Steuererstattung.

5 Comments

eigener Kommentar
  1. 1
    Anna-Sophie Riegel

    Wir haben das damals als Sonderausgaben gemeldet. Höchstgrenze war 6000 €.
    Ich bin mir nicht sicher, ob wir darüber gekommen sind?

  2. 3
    Markus Wrieden

    Interessanter Beitrag, vielen Dank!
    Ich möchte Verlustvorträge für die letzten 7 Jahre anlegen. Muss ich zusätzlich zu den Verlustvorträgen noch rückwirkend Steuererklärungen für alle vergangenen Jahre (7) oder nur für die letzten 4 Jahre anlegen. Oder reichen einfach 7 Verlustvorträge OHNE rückwirkende Steuererklärungen?

  3. 5
    Kneissl

    Kann ich noch meine Studiumkosten als Werbungskosten geltend machen, wenn meine Steuerbescheide 2015 und 2016 rechtskräftig sind.
    Ich habe zwar Werbungskosten angegeben, aber die wurden als Sonderausgaben abgegolten.

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