Wege zur Arbeit

Mautpflichtige Straße verpflichtend?


Arbeitnehmer können Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bei der Steuer geltend machen: Mit 0,30 € je Kilometer. Maßgeblich dabei ist die kürzeste Straßenverbindung. Doch was, wenn die kürzeste Strecke über eine mautpflichtige Straße führt?

Der Fall

Ein Arbeitnehmer aus Rostock fuhr jeden Tag mit seinem Auto 22 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz. Diese Strecke setzte er auch bei der Steuer an. Das Problem: Dies war nicht die kürzeste Straßenverbindung. Statt einer Fahrstrecke von 11 Kilometern durch den mautpflichtigen Warnow-Tunnel sparte er sich die Maut – und fuhr durch die Innenstadt Rostocks. Das Finanzamt erkannte jedoch nur Fahrtkosten für 11 Kilometer an.

Der Mann argumentierte darauf, dass ihn der Umweg trotz Fahrzeugkosten weniger gekostet habe als die Benutzung der mautpflichtigen Strecke.Die Auslegung des Gesetzeswortlaut machte dem Arbeitnehmer einen Strich durch die Rechnung: Maßgeblich für die Berechnung ist die kürzeste Straßenverbindung. Hierbei ist es egal, ob diese mautpflichtig sei oder nicht. Das sah auch das Finanzgericht Mecklenburg-Vorpommern so.

Zeit zählt, Geld nicht

Eine Ausnahme, eine längere Strecke bei der Steuer abzusetzen, gibt es: die verkehrsgünstigere Strecke. Nur darf man hier das Wörtchen „verkehrsgünstig“ nicht falsch verstehen: Damit ist meist nur eine Zeitersparnis gemeint. Ein Plus im Geldbeutel durch mangelnde Mautausgaben zählt hierbei nicht.

Tipp

Gegen das Urteil wurde nun Revision eingelegt. Wurden bei Ihnen die tatsächlich gefahrenen Kilometer auch nicht anerkannt? Legen Sie Einspruch ein und beantragen Sie ein Ruhen des Verfahrens mit Hinweis auf das anhängige Verfahren vor dem BFH (Aktenzeichen VI R 49/13). Das Finanzamt wird dann Ihren Bescheid ändern, sobald der BFH über den Fall entschieden hat.

Kürzeste Strecke maßgeblich- trotz Sperrung?

Um den Warnowtunnel ging es auch in einem weiteren Fall: Ein Arbeitnehmer fuhr täglich mit seinem Moped zur Arbeit. Doch der Tunnel ist ein reiner Auto-Tunnel – und für diese Kleinkrafträder gesperrt. Somit war der Mann gezwungen, einen Umweg zu fahren. Doch nicht mit dem Finanzamt: Auch hier strich der Finanzbeamte die Fahrtkosten. Nur die Pauschale für die kürzeste Straßenverbindung gewährte er. Auch hier gab das Finanzgericht dem Fiskus Recht. Begründung: Im Gesetz sei nicht von einer „benutzbaren“ Straßenverbindung die Rede. Revision läuft auch hier.

Steuerberatung?

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