Wegzug vom Arbeitsort

Wegzug vom Arbeitsort

Verpflegung bei doppeltem Haushalt


Nicht selten kommt es vor, dass Arbeitnehmer vom Arbeitsort wegziehen. Gründe gibt es viele: Der eine hat auf dem Land ein Eigenheim gebaut, der andere zieht in eine schönere Gegend mit hohem Freizeitwert. Nun mindern auch die Verpflegungskosten Ihre Steuer.

Bisher: kein Abzug der Kosten

Wer dann am Arbeitsort die bisherige Wohnung als Zweitwohnung beibehält oder eine kleinere Wohnung anmietet, konnte früher keine Kosten wegen doppelter Haushaltsführung absetzen. Denn wegen des Wegzugs aus privaten Gründen war die doppelte Haushaltsführung eben privat veranlasst.

2009 dann die Kehrtwendung. Der Bundesfinanzhof (BFH) änderte seine bisherige Rechtsprechung zu Gunsten der Arbeitnehmer: Nun ist eine doppelte Haushaltsführung auch dann beruflich veranlasst, wenn die Hauptwohnung aus privaten Gründen weg vom Arbeitsort verlegt wird und eine Wohnung am Arbeitsort als Zweithaushalt genutzt wird. Dabei spielt es keine Rolle, ob die bisherige Wohnung als Zweitwohnung beibehalten oder neue Räumlichkeiten angemietet werden (Aktenzeichen VI R 23/07).  

Besonderheit bei Verpflegungspauschale

Die Finanzverwaltung akzeptierte die großzügige neue Auffassung des BFH – aber mit einer Einschränkung: Nach Wegverlegung der Hauptwohnung und Bezug einer Zweitwohnung werden für die ersten drei Monate keine Verpflegungspauschbeträge anerkannt, wenn Sie vorher bereits mindestens drei Monate am Beschäftigungsort oder in dessen Nähe gewohnt hatten.

Gute Nachrichten für Steuerzahler

Nun hat der BFH gegen den Fiskus und zugunsten der Arbeitnehmer entschieden: Auch in den Wegverlegungsfällen dürfen Verpflegungspauschbeträge für die ersten drei Monate steuermindernd abgezogen werden.

Denn die doppelte Haushaltsführung wird mit Umwidmung der bisherigen Wohnung in eine Zweitwohnung begründet. Und deshalb beginnt die Dreimonatsfrist mit dem Zeitpunkt, in dem die bisherige Wohnung als Zweitwohnung umgewidmet wird (Aktenzeichen VI R 7/13).

Der Fall

Ein Arbeitnehmer wohnte und arbeitete in Düsseldorf. Nachdem er seine jetzige Frau kennenlernte, verlegte er seinen Hauptwohnsitz in eine Kleinstadt am Niederrhein. Die Wohnung in Düsseldorf behielt er als Zweitwohnung bei. In seiner Steuererklärung machte er für die ersten drei Monate nach seinem Umzug Pauschbeträge für Verpflegung geltend. Das Finanzamt verweigerte die Anerkennung, doch Finanzgericht und BFH gewährten sie.

Was das Urteil für Sie bedeutet

Wenn Sie Ihren Wohnsitz vom Arbeitsort weg an einen anderen Ort verlegen und die bisherige Wohnung als Zweitwohnung bestimmen, können Sie nun Verpflegungspauschbeträge geltend machen, obwohl sich an Ihrer Verpflegungssituation am Arbeitsort eigentlich nichts geändert hat.

Nach Ansicht des BFH spielt es für die steuerliche Berücksichtigung von Pauschbeträgen keine Rolle, ob überhaupt ein erhöhter Verpflegungsmehrbedarf angefallen ist und ob dem Arbeitnehmer die Verpflegungssituation am Arbeitsort bekannt ist.

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